Austausch zwischen Künstlerin und Betrachter
«Farben zum guten Glück»: Barbara Haegi aus Uerzlikon stellt in Stallikon aus

Am Freitag öffnete die Ausstellung «Farben zum guten Glück» in der Gemeindebibliothek Stallikon an der Massholderenstrasse in Sellenbüren mit der Vernissage. Bis am 18. April können sich die Besucherinnen und Besucher mit Barbara Haegis Bildern auseinandersetzen.
Der Kurator der Stalliker Kunstausstellungen, Devi Rao, führt in seiner Einführung aus: «Haegis Leinwände umarmen die gesamte menschliche Erfahrung: das Schwierige und das Zarte, das Wilde und das Stille.»
Vom Tanz zur Psychotherapie
Barbara Haegi ist in Affoltern aufgewachsen und lebt heute mit ihrer Familie auf dem Hof ihrer Vorfahren in Uerzlikon. Nach der Matura liess sie sich in Zürich und Amsterdam zur zeitgenössischen Tänzerin ausbilden. Anschliessend war sie Ensemblemitglied an verschiedenen grossen Bühnen in Deutschland. Zunehmend las sie neben der Arbeit Fachliteratur, insbesondere aus den Bereichen Philosophie und Psychologie. 29-jährig, im Jahr 2007, stellte sie fest: «Ich drehe mich als Tänzerin im Kreis.»
Um Raum zur Weiterentwicklung zu finden, brach sie ihre erfolgreiche Karriere abrupt ab und schrieb sich an der Universität Zürich für das Studium der Psychologie ein. Nach dem Abschluss mit dem Master of Science bildete sie sich in einer vierjährigen, berufsbegleitenden Ausbildung zur Körperpsychotherapeutin weiter. Heute arbeitet sie in einer privaten psychiatrischen Klinik in Brunnen als Oberpsychologin.
Gemalt habe sie bereits als Jugendliche leidenschaftlich gern und nie damit aufgehört: «Malen gehörte immer zu meinem Leben.» Doch erst vor vier Jahren, 2022, habe sie sich entschieden, «nach aussen zu gehen», ihre Werke der Öffentlichkeit zu zeigen. Ihre erste grössere Ausstellung fand 2024 in der Galerie Märtplatz in Affoltern statt.
Sie bringe ihr Erleben in die Bilder ein, führt Barbara Haegi aus, um ihre Gefühlswelt als möglichen Zugang zu universellem menschlichem Erleben mit den Betrachterinnen und Betrachtern zu teilen. Während des Schaffensprozesses drehe sie das Bild, um immer wieder loszulassen und dadurch neue Impulse zu ermöglichen. Erst in der Schlussphase lege sie fest, was oben und unten, was links und rechts ist. Der Prozess sei nie gradlinig, sondern so unvorhersehbar wie das Leben, das er widerspiegle: «Das bedeutet, dass es manchmal wie von alleine fliesst, manchmal geht es aber auch darum, wieder loszulassen, zu pausieren, innezuhalten, neu zu schauen, neu zu beginnen, Fehler auszuhalten, Grenzen wahrzunehmen, dann aber auch wieder aus der Komfortzone herauszutreten, Risiken einzugehen und nicht zu wissen, wo die Reise hinführt. Im Hintergrund eines solchen Prozesses steht immer das Vertrauen, dass sich irgendwann alles zusammenfügen, der Prozess zu einem Ende kommen und in ein fertiges Bild münden wird.»
Sich individuellen Gegensätzen stellen
Die Vernissage der Ausstellung fand unmittelbar vor dem Internationalen Frauentag statt. Diese zeitliche Nähe passe bestens, führte Barbara Haegi in ihrer kurzen Ansprache aus: Sie wolle alle Frauen ermutigen, sich mit ganzer Kraft zu zeigen, aber auch mit der eigenen Verletzlichkeit und Gegensätzlichkeit, «und das gilt für alle Menschen, auch für die Männer.» Es sei ihr ein Anliegen, gerade auch angesichts der aktuellen Katastrophen auf der Welt, sich trauen, sich trotzdem über kleine Dinge zu freuen, gemeinsam zu feiern und zu geniessen. Ein Anlass dazu seien solche Ausstellungen: «Ich freue mich über alle Begegnungen, über die Auseinandersetzung mit meinen Bildern, über ganz persönliche Geschichten, die mir jemand erzählt, motiviert von einem meiner Bilder.»
Im laufenden Jahr finden sieben Kunstausstellungen in der Bibliothek Stallikon statt, alle kuratiert von Devi Rao. An Barbara Haegis Werken hat ihn der Begriff der Lebendigkeit, die sie spiegeln, begeistert, ihre Art, mitten im Leben zu stehen.


