«Bei dieser Arbeit kann ich meine Überzeugung einbringen»
Maryn Mohn Drouet ist nationale Direktorin von Ades in Madagaskar
Sie ist in Madagaskar aufgewachsen, das Land ist ihre Heimat. Maryn Mohn Drouet studierte Umweltwissenschaften und Management, lebte einige Jahre in Kanada und ist seit einem halben Jahr nationale Direktorin von Ades (Association pour le Développement de l’Energie) in Madagaskar. Die Organisation setzt sich vor allem durch die Produktion von Kochern für den Schutz der Wälder in Madagaskar ein und feiert aktuell das 25-Jahre-Jubiläum. Kürzlich kam Maryn Mohn Drouet für zwei Wochen in die Schweiz. In der Geschäftsstelle in Mettmenstetten berichtete sie im Gespräch mit dem «Anzeiger» auf Englisch und Französisch von ihrer Arbeit und den Herausforderungen.
Maryn Mohn Drouet, Sie sind zum ersten Mal im Säuliamt. Was ist Ihnen besonders aufgefallen?
Es ist unglaublich schön hier, ich geniesse den Blick in die Berge, die Natur und die Ruhe. Im Vergleich zu Madagaskar gibt es hier kaum Stau. Natürlich liebe ich auch die Schokolade (sie lacht). Und ich musste mich an die Pünktlichkeit gewöhnen. Der Zug fährt hier wirklich genau zur angegebenen Zeit ab. Ich war zehn Sekunden zu spät und verpasste ihn.
Wo arbeiten Sie in Madagaskar?
Die Geschäftsstelle befindet sich in der Hauptstadt Antananarivo. Dort wohne ich auch.
Was beinhaltet Ihre Tätigkeit?
Jeder Tag ist anders. Bei mir laufen die Fäden aller Abteilungen zusammen, wo gesamthaft 263 Personen angestellt sind. Ich bin also im Kontakt mit den Verantwortlichen für die Produktionswerkstätten, die Finanzen, den Verkauf, die Logistik und das Personalwesen. Bei meiner Tätigkeit hat die Kommunikation einen hohen Stellenwert. Ich führe Gespräche, schreibe Nachrichten oder leite Meetings. Manchmal bin ich auch unterwegs und besuche andere Standorte von Ades in Madagaskar.
Was sind die Herausforderungen?
Ich sprach vorhin von der Pünktlichkeit. Unsere Kultur in Madagaskar ist in dieser Hinsicht anders geprägt. Ades ist eine schweizerische Organisation, die in Madagaskar arbeitet. Ich bin das Bindeglied und befinde mich manchmal im Sandwich zwischen dem Schweizer Team und dem einheimischen Team. Da muss ich, wenn es zum Beispiel um Termine geht, immer wieder eine auf Konsens basierende Einigung finden.
Gibt es weitere Herausforderungen?
Ja. In unserer Kultur werden Probleme nicht immer offen angesprochen, sondern verschwiegen und umgangen. Antworten auf Fragen entsprechen oft nicht der Wirklichkeit. Somit muss ich manchmal Aussagen im kulturellen Kontext übersetzen, damit sie richtig verstanden werden.
Sie sind eine junge Frau. Wie werden Sie als Chefin akzeptiert?
Das ist auch eine Herausforderung. In meiner Kultur sind Chefposten meistens von Männern besetzt, und Männer sind es nicht gewohnt, Frauen in hohen Entscheidungspositionen zu haben. Ich muss mich daher mit meiner Kompetenz überzeugen und zu verstehen geben, dass ich weiss, was ich tue. Schwierig wird es, wenn sich jemand verweigert und einen Auftrag nicht akzeptiert.
Seit wann kennen Sie Ades?
Die Kocher kenne ich schon seit einigen Jahren, die sind im Land bekannt. Doch letztes Jahr traf ich an einem Anlass jemanden vom Schweizer Ades-Team und kam mit ihm ins Gespräch. Das war der entscheidende Moment. Nach der Begegnung kündigte ich meinen Job und nahm die Anstellung als Direktorin hier in Madagaskar an.
Warum taten Sie das?
Ich arbeitete vorher für eine grosse französische Firma, die in Madagaskar eingebettet ist. Die Werte, die damals im Vordergrund standen, entsprachen nicht mehr meinen Vorstellungen. Bei Ades kann ich meine Überzeugung und meine persönlichen Werte einbringen. Ich kann etwas Sinnvolles und Nachhaltiges tun für mein Land. Kurz gesagt: Ich liebe meinen neuen Job.
Haben Sie bestimmte Ziele?
Ich möchte Ades in Madagaskar zu einer noch professionelleren Firma bringen. Und ich möchte die Transparenz und den Respekt untereinander fördern. Ich weiss, dass das ein langwieriger Prozess sein wird, aber ich nehme die Herausforderung mit Begeisterung an.






