Sich direkt für Kinder engagieren

30-Jahre-Jubiläum des Vereins Tageseltern Bezirk Affoltern

Der kleine Jon liebt es, seine kleine Schwester Mia anzuleiten. Mutter Lea Frey unterstützt die Geschwister im Miteinander und schützt die kleine Mia liebevoll. (Bild Regula Zellweger)

Der kleine Jon liebt es, seine kleine Schwester Mia anzuleiten. Mutter Lea Frey unterstützt die Geschwister im Miteinander und schützt die kleine Mia liebevoll. (Bild Regula Zellweger)

Mia ist 4 Monate alt, Jon 2 Jahre. Ihre Mutter Lea Frey entschloss sich, die Berufstätigkeit vorübergehend aufzugeben. Verschiedene Gründe führten zu diesem Entschluss. Einerseits wollte sie ihre Kinder in den ersten Lebensjahren begleiten und die Zeit mit ihnen zu Hause geniessen, andererseits berechnete sie die Kosten für eine Fremdbetreuung – und auch, was dabei von ihrem Lohn durch die externe Arbeit noch übrig bleiben würde. Ihre eigene Mutter betreute über viele Jahre in Zwillikon Tageskinder – bereits als Kind erlebte also Lea Frey, was es für eine Familie bedeutet, sich zu öffnen und weitere Kinder zeitweise am Familienleben teilhaben zu lassen. Mit dem Verein Tagesfamilien Affoltern fand sie eine Organisation, die sie vor der Aufnahme eines Kindes prüfte – was sie als eine Art «Gütesiegel» empfindet.

Verein Tagesfamilien Affoltern

Dank Leistungsverträgen mit den Gemeinden des Bezirks Affoltern kann der Verein subventionierte Betreuungsplätze anbieten, abhängig vom jeweiligen Familieneinkommen. Abgebende Familien schätzen diese Art der Fremdbetreuung, denn individuelle Betreuungszeiten sind flexibel möglich: ganztags, halbtags, mittags oder stundenweise. Die Kinder erleben eine andere Familienkultur in kleinen, altersdurchmischten Gruppen. Geschwister werden in der gleichen Familie platziert. Ihre Kinder erleben eine andere Familienkultur hautnah. Zudem werden die abgebenden Familien und die Tagesfamilien von Vermittlerinnen des Vereins betreut.

Lea Frey erzählt: «Jetzt betreue ich drei, ab April insgesamt vier Tageskinder – neben meinen beiden eigenen Kindern – an unterschiedlichen Tagen. Darunter sind zwei Geschwister, ein vierjähriger Junge und ein Baby. Von den vieren ist lediglich eines aus den Windeln, lacht sie. «Es ist schon manchmal eine Herausforderung mit zwei Kindern unter einem Jahr. Aber da dies zeitlich begrenzt ist, schaffe ich das gut.» Am Montag kommt jeweils ein dreijähriger Junge für zwei Stunden – Jon schätzt den etwas älteren Jungen als Spielkameraden.

Optimale Flexibilität

Sie betreut gern Kinder mit Eltern in Gastronomieberufen. Als ehemalige Hauswirtschaftsleiterin in einem Spital kennt sie die oft frühen Arbeitszeiten. Ein Kind wird um 6.30 Uhr gebracht und um 18.15 Uhr wieder abgeholt. Sie versteht, dass man im Job nicht immer pünktlich wegkommt. Wenn es ihr eigener Zeitplan zulässt, zeigt sie sich flexibel. Flexibilität ist aber auch von den abgebenden Eltern verlangt. Lea Frey kündigt ihre Ferien mehrere Monate im Voraus an, dann sorgen die Tageseltern mit Unterstützung durch den Verein für eine Betreuungsalternative.

«Das Eingebundensein in den Verein macht es einfach, die Regeln sind klar definiert, die Administration wird zentral erledigt», meint Lea Frey. «Dies betrifft Rechte und Pflichten von beiden Seiten, Versicherungsfragen sind für beide Seiten geklärt, und der Lohn wird vom Verein ausbezahlt.»

«Über 100 Kinder werden aktuell durch den Verein betreut, und mehr als 30 Tageseltern bieten Betreuungsplätze an», ist auf der Webseite des Vereins zu lesen. Das Durchschnittsalter der betreuten Kinder liegt bei etwa vier Jahren. Zudem sorgt der Verein für die kontinuierliche Weiterbildung der Tageseltern.

Werte und Verantwortung

Lea Frey engagiert sich in einer Freikirche. «In unserer Familie erzählen wir biblische Geschichten, und Bilderbücher mit religiösem Inhalt gehören zum Alltag», erklärt sie. Sie ist sich bewusst, dass dies transparent sein muss. «Wer Kinder betreut und erzieht, vermittelt immer auch eigene Werte. Diese müssen offen kommuniziert und von den abgebenden Eltern akzeptiert werden. Andernfalls sollte das Kind in eine andere Familie gegeben werden.» Das gilt beispielsweise für alle Religionen. Die meisten ihrer bisherigen Tageskinder stammen aus ihrem persönlichen Umfeld und kennen ihre christlichen Werte – das schafft Klarheit für beide Seiten.

«Mir ist es wichtig, dass sowohl meine eigenen als auch die Tageskinder altersgerecht in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt werden. Sie sollen einen gesunden Selbstwert entwickeln, hilfsbereit sein und teilen können. Ich grüsse beispielsweise die Leute auf der Strasse immer – und die Kinder tun es auch, zur Freude vieler Passanten. Ich möchte durch mein Vorbild Einfluss nehmen.»

Tageseltern verstehen sich nicht als Konkurrenz zu Kindertagesstätten, sondern als wertvolle Alternative – und sind stark gefragt.

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