Beim Musizieren wurden sie ein Paar
Anina Lucarelli und Fabian Burkard aus Bonstetten musizieren gern in Ensembles und Orchestern

Die Kirche Affoltern ist sehr gut besucht. Das Programm der Orchestergesellschaft Affoltern (OGA) lockte mit einem anspruchsvollen Programm zahlreiche Zuhörer. Die 20-jährige Anina Lucarelli und der 22-jährige Fabian Burkard aus Bonstetten konzentrieren sich auf den 27-jährigen Dirigenten Romain Gili. Drei junge Musiker inmitten eines Orchesters mit vielen Musikerinnen und Musikern im Pensionsalter – sie scheinen sich wohlzufühlen. «Ich gehe gern in die Orchesterproben der OGA, denn der Empfang ist immer herzlich und es wird geschätzt, dass auch junge Leute mitspielen. Mich stört es absolut nicht, dass ein grosser Teil älter ist, eher im Gegenteil. Ich mag grundsätzlich alte Menschen und finde ihre Lebenserfahrungen spannend und faszinierend. Auch ist die Stimmung in der OGA immer schön und es gibt auch mal etwas zum Lachen, das schätze ich sehr an diesem Orchester», erzählt die Violinistin Anina Lucarelli.
Anina Lucarelli stammt aus einer Musikerfamilie
In Anina Lucarellis Familie ist Musik ein zentrales Thema. Ihre Mutter, ihre Schwester und sie spielen Violine, der Vater Trompete und der Bruder Cello. «Wir spielen projektweise zusammen, wenn es sich ergibt. Lange Zeit habe ich mit meinen Geschwistern im Jugendorchester Con Brio gespielt und nun spiele ich mit meinem Vater im Sinfonieorchester Nota Bene in Zürich. Auch mit meiner Mutter bin ich gerade an einem gemeinsamen Projekt beteiligt. Zudem spiele ich mit meiner Schwester in mehreren Kammermusikformationen. Aber zu Hause musizieren wir nur an Weihnachten gemeinsam, sonst eher selten.»
Anina Lucarelli wirkt in verschiedenen Ensemblekombinationen mit, beispielsweise als erste Geige in einem Klavierquintett, organisiert vom Förderprogramm der Musikschule Knonauer Amt. Zudem spielt sie Bratsche in einem Streichquartett – und besonders gern im Geigen-Cello-Duo mit ihrem Freund.
Die Freude an der Musik beeinflusst auch ihre beruflichen Pläne: «Ich möchte im kommenden Sommer mit einem Bratschenstudium beginnen und bereite mich zurzeit auf die Aufnahmeprüfungen vor. Das Ziel wäre später das Unterrichten, ich mag Kinder aller Altersstufen.»
Anina Lucarelli begann mit sieben Jahren mit dem Geigenspiel, motiviert durch ihre Mutter. «Heute verbringe ich viel Zeit an meinem Instrument und spiele neben Violine auch Bratsche und Klavier. Durchschnittlich übe ich rund 20 Stunden in der Woche.
Zum Winterkonzert der OGA Ende Januar meint die junge Geigerin: «Aus diesem Programm würde ich generell das Konzert für Bassetthorn in F-Dur von Alessandro Rolla als mein Favorit bezeichnen, da mir das Bassetthorn als Instrument gefällt. Was ich aber selbst am liebsten spiele: ‹Danza delle ore› von Amilcare Ponchielli. Ich mag die schnellen Passagen und Herausforderungen sehr.»
Fabian Burkard möchte bald studieren
«Alle Stücke im aktuellen Programm haben ihren eigenen Charme», erklärt Fabian Burkard. «Besonders begeistert mich jedoch die ‹Danza delle ore› von Amilcare Ponchielli, da sie sehr schöne Cellopassagen enthält, die mir als Cellist natürlich besonders viel Freude bereiten.» Der 22-jährige ETH-Student spielt seit dem sechsten Lebensjahr Cello. «Eigentlich wollte ich sogar schon früher beginnen, war dafür aber noch zu klein.» Die Pläne des jungen Cellisten für die nächsten Jahre sind klar: zuerst den Bachelor in Informatik abschliessen, anschliessend den Zivildienst leisten und dann wieder an die ETH zu einem Masterstudium zurückkehren. «Ich habe mich jedoch noch nicht auf einen konkreten Studiengang festgelegt.»
Was bleiben wird, ist bestimmt das Musizieren. «Musikalisch werde ich weiterhin in beiden Orchestern spielen, OGA und Nota Bene, und hoffe zudem, wieder vermehrt Kammermusik zu machen oder mich auch gelegentlich an Solostücken zu wagen.» So weit kommt man nicht, ohne zu üben. Fabian Burkard relativiert: «Mit dem Üben habe ich mich eigentlich schon immer etwas schwergetan. Ich liebe das Zusammenspiel in Orchestern, Ensembles oder auch in der Kammermusik sehr, während mir das alleinige Üben auch heute noch eher schwerfällt. Meistens übe ich vor allem dann intensiv, wenn es wirklich notwendig ist.»
Grosse Freude beim Musizieren in Ensembles
Anina Lucarelli und Fabian Burkard sind sich einig: «Das Musizieren in Ensembles und Orchestern macht Freude.» Beide spielten bereits im Jugendorchester Con Brio der Musikschule Knonauer Amt und der Kantonsschule Limmattal. «Ich finde es interessant und lehrreich, in kleinen Gruppen zu musizieren. In kleinen Ensembles werden ein stärkerer Kontakt und ein Aufeinander-Eingehen gefordert. Alle sind auf sich allein gestellt. Dadurch ist die Verantwortung grösser, aber das Zusammenspiel wird intensiver, was ich immer als sehr schöne Erfahrungen empfinde», erklärt Anina Lucarelli.
«Das Musizieren in der Gruppe bedeutet mir sehr viel und ist für mich seit vielen Jahren ein wichtiger Ausgleich zur Schule und zum Studium. Die Arbeit im OGA unterscheidet sich stark von jener im Jugendorchester, in dem ich viele Jahre gespielt habe, aber auch vom Nota Bene, wo das Niveau nochmals deutlich höher ist. Dadurch gestaltet sich auch die Probenarbeit sehr unterschiedlich – manchmal durchaus anspruchsvoll, am Ende jedoch stets sehr lohnend», so Fabian Burkard. «Ich hoffe, dass in den kommenden Programmen der OGA noch mehr junger Nachwuchs dazustösst und für zusätzlichen Schwung sorgt.»
Dass beim gemeinsamen Musizieren manchmal mehr als Freundschaften entstehen, zeigt ihre eigene Geschichte: Fabian Burkard und Anina Lucarelli sind heute ein Paar.


