Jedem Tier seine Geschichte

Die Zahlen von im Tierheim abgegebenen Tieren steigen jährlich – was sind die Gründe?

Manuela Huber mit Hugo (links) und Miriam Reed mit Jimmy (Chimo) aus dem Säuliamt haben sogenannten «schwierigen» Hunden ein Zuhause gegeben. (Bilder Claudia Eugster)

Manuela Huber mit Hugo (links) und Miriam Reed mit Jimmy (Chimo) aus dem Säuliamt haben sogenannten «schwierigen» Hunden ein Zuhause gegeben. (Bilder Claudia Eugster)

Es mag erstaunen, aber Herr und Frau Schweizer haben seit jeher eine grössere Nachfrage nach Hunden, als dass der inländische Markt hergibt. Dies laut Aussage von Rommy Los vom Zürcher Tierschutz. Man sei aber gleichzeitig auch sehr offen für Tiere aus dem Tierheim, auch für ältere Tiere und Tiere, die gesundheitlich angeschlagen sind. Naheliegend ist es also, sich einen Hund aus dem Ausland zu holen. Wenn dieser dann auch noch von der Strasse kommt und sozusagen «gerettet» wird, dann ist das auch gleich noch gut für das Gewissen. Nur sind diese Hunde anders sozialisiert, oftmals traumatisiert und daher meist schwieriger im Umgang als Hunde, die hierzulande aufgewachsen sind. Auffallen tut das leider erst, wenn das Tier bei einem zu Hause ist. Was auf dem Bild im Internet noch «herzig» und «jö» war oder «schön» ausschaute, entpuppt sich als wenig umgänglich. Viele dieser «schwierigen» Hunde landen am Ende als Verzichtstiere im Tierheim und verbleiben – aufgrund erschwerter Vermittelbarkeit – länger als der «schnüsige» Welpe oder der reinrassige, gut erzogene Golden Retriever dort. Das bringt die Tierheime an ihre Kapazitätsgrenzen.

Schweizer Tierheime am Limit

Mehr «schwierige» Hunde könnte ein Faktor sein, wie Marco Mettler, Geschäftsführer des Dachverbandes Schweizer Tierschutz STS, sagt: «Die Tierheime und Auffangstationen der STS-Sektionen arbeiten zunehmend am Limit.» Laut STS-Tierschutzstatistik wurden 2024 insgesamt 32 079 Tiere in den Tierheimen und Auffangstationen der 66 STS-Sektionen abgegeben – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 572 Tiere (2023: 31 507 Tiere). Damit sei der steigende Trend ungebrochen, kommunizierte der STS in einer Medienmitteilung im Oktober 2025, als die Zahlen von 2024 veröffentlicht wurden. Unterschieden wird zwischen den Kategorien Verzichttiere (25 403 Tiere, ein Plus von 306 gegenüber 2023), Findeltiere (5449 Tiere, +212 gegenüber 2023) und Tiere aus amtlichen Beschlagnahmungen (1234 Tiere, +61 gegenüber 2023). Allerdings stieg auch die Zahl der vermittelten Tiere markant auf 18829 (+2716 gegenüber 2023) an. Die Zahlen für 2025 kämen erst im Spätsommer beziehungsweise Frühherbst 2026, gab Simon Hubacher, Mediensprecher STS, auf Anfrage Auskunft. Er bestätigt die Aussage von Rommy Los, dass die Nachfrage grösser ist als das Angebot. Kein Wunder, boomt der Online-Handel. Geschichten von regelrechten «Welpenfabriken» im Ausland sind leider traurige Realität und nicht blosse Horrorszenarien. Weil diese Zahlen nun aber doch arg theoretisch sind und für das Jahr 2024, bietet es sich an, eine regionale Momentaufnahme des Hier und Jetzt zu machen. Im Säuliamt gibt es den Gnadenhof, aber die nächstgelegene grössere Möglichkeit, ein Tier zu adoptieren, bietet sich in der Stadt Zürich und im Aargau. Rommy Los vom Zürcher Tierschutz (keine STS-Sektion, die Zahlen fliessen nicht in die STS-Statistik ein) und Astrid Becker vom Aargauischen Tierschutzverein ATs (STS-Sektion) haben Auskunft gegeben. Sind die Tierheime am Limit? Und könnten «schwierige» Hunde ein Faktor sein, dass die Tierheime aus allen Nähten platzen?

Und Manuela Huber und Miriam Reed, die dabei geholfen haben, die Tierheime zu entlasten, weil sie beide «schwierige» Hunde wirklich gerettet haben, erzählen von ihren Erfahrungen. So viel sei aber schon einmal gesagt und da seien sie sich alle einig: Wer sich ein Tier anschaffe, der solle sich der Langfristigkeit und Verantwortung bewusst sein. Man solle sich die Frage stellen, habe ich die Zeit und das Geld, um mich über Jahre hinweg zu verpflichten? Dem Tier gegenüber wäre das nur fair.

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