Benzin-Absatz ist stabil geblieben

Höhere Preise: Kaum Kritik der Kundschaft bei Graf in Mettmenstetten

Robi Graf, Geschäftsführer der Karl Graf Automobile AG, hört wenig Kritik der Kundschaft wegen der höheren Benzinpreise. (Bild Werner Schneiter)
Robi Graf, Geschäftsführer der Karl Graf Automobile AG, hört wenig Kritik der Kundschaft wegen der höheren Benzinpreise. (Bild Werner Schneiter)

Krisen und bewaffnete Konflikte bringen regelmässig ein Thema mit sich, das die Bevölkerung nahezu ebenso stark beschäftigt: steigende Energiepreise – und damit die Entwicklung der Treibstoffkosten. Der Touring Club Schweiz (TCS) stellt mit seiner Online-Plattform tcs.ch/benzin ein Instrument zur Verfügung, das Autofahrerinnen und Autofahrern einen Überblick über die aktuellen Preise an Tankstellen bietet. Diesel ist in der Schweiz im internationalen Vergleich teurer, was vor allem auf die hohe Besteuerung sowie das Fehlen staatlicher Subventionen – etwa im Unterschied zu Italien – zurückzuführen ist.

Bei der Karl Graf Automobile AG in Mettmenstetten, die eine Avia-Tankstelle betreibt, werden jährlich rund zwei Millionen Liter Treibstoff verkauft. Auf die Preisgestaltung hat das Unternehmen jedoch keinen direkten Einfluss. «Seit Mitte der 1980er-Jahre führen wir die Tankstelle nicht mehr in Eigenregie. Die komplexen elektronischen Abrechnungssysteme wären für uns zu aufwendig», erklärt Geschäftsführer Robi Graf, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Beat führt. Zuständig sei stattdessen die Ernst Hürlimann AG aus Wädenswil, ein Unternehmen der Avia-Vereinigung. «Wir haben somit keinerlei Einfluss auf die Treibstoffpreise an unseren Zapfsäulen», betont Graf. Die Betreiber beobachten die Preisentwicklung aufmerksam, Preisabsprachen gebe es jedoch keine.

Im Unterschied zu Ländern wie Österreich, wo Preise nur alle drei Tage angepasst werden dürfen, oder Deutschland mit maximal einer täglichen Anpassung, kennt die Schweiz keine entsprechenden Regulierungen. In Mettmenstetten werden die Preise allerdings im Tagesverlauf nicht verändert. Graf räumt ein, dass der Literpreis vor Ort nicht zu den günstigsten der Region zählt, sich jedoch im Durchschnitt vergleichbarer Tankstellen bewege. Faktoren wie Treibstoffqualität – etwa bessere Wintertauglichkeit beim Diesel oder hochwertige Additive beim Benzin –, Transportwege sowie lokale Kosten für Boden oder Pacht hätten Einfluss auf die Preisgestaltung. Staatliche Eingriffe lehnt Graf ab.

Kundschaft aus Deutschland

Trotz höherer Preise hält sich die Kritik seitens der Kundschaft in Grenzen. «Natürlich gibt es vereinzelt Beschwerden. Während der Corona-Pandemie und insbesondere während der Finanzkrise 2008 war die Stimmung jedoch deutlich angespannter», sagt Graf. Die aktuelle Lage im Nahen Osten habe bislang nur geringe Auswirkungen auf den Absatz. Dieser sei in Mettmenstetten stabil geblieben. Zeitweise würden sogar Kundinnen und Kunden aus Deutschland die Autobahn verlassen, um vor Ort zu tanken oder ihre Fahrzeuge zu laden. Fälle von Benzindiebstahl seien selten. «Gelegentlich kommt es vor, dass jemand das Bezahlen im Shop vergisst oder auf ein fehlendes Portemonnaie verweist. In der Regel lassen sich solche Situationen dank Videoüberwachung unkompliziert klären.» Nur in Ausnahmefällen komme es zu einer Anzeige.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zudem, dass sich die Kosten relativiert haben: Um 1980 lag der Benzinpreis bei rund 1.30 Franken pro Liter, während der durchschnittliche Verbrauch der Personenwagen bei etwa 12 Litern pro 100 Kilometer lag – heute ist er etwa halb so hoch. «Unter dem Strich ist Autofahren heute also nicht teurer», so Graf.

Parallel dazu gewinnt die Elektromobilität zunehmend an Bedeutung. Bei der Karl Graf Automobile AG machen Elektrofahrzeuge inzwischen rund 40 Prozent der verkauften Personenwagen und etwa 30 Prozent der Nutzfahrzeuge aus – mit steigender Tendenz, insbesondere bei anhaltend hohen Treibstoffpreisen. «Strom ist im Vergleich deutlich günstiger und preisstabiler», betont Graf und verweist auf die unternehmenseigene Avia-Volt- Schnellladestation mit einer Ladeleistung von bis zu 120 Kilowatt. Die Zahl solcher Ladepunkte ist in der Schweiz in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Ergänzt wird das Angebot durch einen Tankstellenshop, den das Unternehmen in Eigenregie betreibt. Auch hier verzeichnet die Karl Graf Automobile AG eine leicht positive Umsatzentwicklung. Dazu trägt nicht zuletzt die stärkere Ausrichtung auf Gastronomie bei, etwa durch eine integrierte Kaffeebar sowie ein Sortiment an regionalen Produkten.

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