Corinna Camacaro leitet Con Brio
Rund 40 junge Jugendliche musizieren voller Begeisterung
Donnerstagabend, 20 Uhr: Am Schachenrain 1 in Bonstetten dringt warmes Licht aus den Fenstern der Aula. Die grossen Fenster geben den Blick frei auf rund 40 junge Musikerinnen und Musiker und ihre Dirigentin. Diese gibt einzelnen Instrumentengruppen Anweisungen, die umgehend umgesetzt werden. Es herrscht eine konzentrierte, zugleich entspannte Stimmung. Immer wieder wird gelacht. An den Gesichtern der jungen Musizierenden ist zu erkennen, dass sie viel Lob erhalten und stolz sind, wenn sie die gewünschte Wirkung erzielen, die die Dirigentin erklärt und einfordert.
Werke aus verschiedenen Epochen
Seit 2016 leitet Corinna Camacaro das Jugendorchester Con Brio der Musikschule Knonauer Amt und der Kantonsschule Limmattal. In den Proben werden Werke aus verschiedenen Epochen erarbeitet und jeweils am Semesterende in zwei Konzerten aufgeführt. Zurzeit wird intensiv an «Kol Nidrei» von Max Bruch sowie an einem Stück aus der Suite «Aus Holbergs Zeit» von Edvard Grieg geübt. Die Stücke wählt die Dirigentin aus, doch auch das Orchester darf eines bestimmen: Dieses Jahr ist es ein Stück aus dem Disney-Film «Pocahontas».
«Corinna ist cool und macht es spannend», erklären drei junge Geigerinnen, und eine Kontrabassistin meint: «Sie macht nicht Musik, sie lebt Musik.»
Es sind mehr junge Frauen als junge Männer, die sich klassischer Musik widmen. Oft hören Jugendliche auf, ihr Instrument weiterzuspielen, wenn sie in die Berufslehre oder ins Gymnasium eintreten. Andere Interessen gewinnen an Bedeutung, und für regelmässiges Üben fehlt oft die Zeit.
Die Motivation zum Dranbleiben geht für die Musizierenden im Alter von 12 bis 24 Jahren jedoch über die Freude an der Musik hinaus: Es macht Spass, gemeinsam neue Stücke zu erarbeiten, Konzerte zu geben, im Frühling intensive Lagertage zu verbringen und zu Auslandsauftritten zu reisen. Das Orchester war bereits in Italien, Stockholm, Madrid und Luxemburg zu Gast.
«Ich denke, wenn die Kinder und Jugendlichen spüren, welche Begeisterung ich für die Musik empfinde, ist schon fast alles gemacht. Und wenn man ihnen zeigt, wie auch sie auf höchstmöglichem Niveau diese Musik ausdrücken können, macht es viel Spass», so Corinna Camacaro.
Dirigentin mit Humor und Herzblut
«Als konzertierende Musikerin möchte ich dem Publikum die Schönheit und Vielseitigkeit der Musik vermitteln und zeigen, wie viele Schätze die Musikwelt beinhaltet. Als Musikpädagogin ist mir wichtig, die Freude an der Musik weiterzugeben», erzählt Corinna Camacaro. Sie verfügt über ein Pädagogik- und ein Konzertdiplom und absolvierte anschliessend ein Nachdiplomstudium im Dirigieren. Als freischaffende Musikerin spielt sie hauptsächlich in Kammerorchesterformationen. Zudem ist sie als Geigenpädagogin tätig und wirkt im neuen Kinderopernorchester mit.
Die junge Dirigentin ist im Knonauer Amt aufgewachsen, spielte selbst mehrere Jahre im Jugendstreicherorchester des Knonauer Amts und im Zürcher Jugendsinfonieorchester als Geigerin und Bratschistin mit. Ihre Eltern sind Berufsmusiker – wie auch die Eltern ihres Mannes René Camacaro. Er ist selbst auch Berufsmusiker und spielt Cello, Gitarre und E-Bass. Das Paar hat zwei kleine Töchter im Alter von ein und drei Jahren. «Für sie ist Musik allgegenwärtig», sagt Corinna Camacaro lachend. «Manchmal sind sie sogar bei den Proben dabei.» «Die Musikschule Knonauer Amt ist familienfreundlich, wir können die Musikstunden so legen, dass wir die Kinderbetreuung gemeinsam übernehmen können», erklärt sie dankbar. «Beide Töchter lieben Musik, tanzen und singen dazu. Ich versuche, auf möglichst spielerische Weise die Musik in den Alltag zu integrieren. Wir hören viele Lieder aus allen möglichen Stilrichtungen und bewegen uns dazu. Ob und wann ein Instrument dazukommt, wird sich zeigen – schön wäre es natürlich.»
Musik ist die Leidenschaft von Corinna Camacaro. Sie fühlt sich privilegiert, dass sie diese zum Beruf machen konnte. Das Musizieren in einem Orchester fördert wichtige Kompetenzen: Man lernt, auf andere zu hören und ihnen Raum zu geben. Zudem gilt es, beim Üben, Ausdauer zu entwickeln und nicht gleich aufzugeben. «Man kann keinen Marathon bewältigen, wenn man nicht vorher regelmässig gejoggt hat», weiss Corinna Camacaro.
Musik ist ein Begleiter
«Die Musik kann einem viel geben. Sie ist ein Begleiter, den niemand wegnehmen oder zerstören kann – etwas, das man ganz für sich hat. Damit kann man Emotionen ausdrücken, verarbeiten oder verstärken. Musik kann ein Ventil sein, ein Trost, aber auch Freude und Glück hervorrufen. Gerade in schwierigen Zeiten ist es schön, so etwas zu haben.»






