Bevölkerung soll sich nicht mit Blei vergiften
Neue Forschungserkenntnisse belegen, dass das Römische Reich wahrscheinlich an Bleivergiftungen zugrunde ging. Um Bleiverseuchungen von Lebensmitteln und Wasser zu verhindern, werden momentan zahlreiche Kugelfänge von Schiessanlagen saniert.
Neuste Erkenntnisse legen nahe, dass das Römische Reich nicht an seiner Dekadenz zugrunde gegangen ist sondern sich die gesamte Oberschicht durch Bleivergiftung zuerst unfruchtbar gemacht und dann umgebracht hat. Schon kleine Mengen Blei im Körper führen zu chronischer Verstopfung und Magen-Darmkrämpfen. Nimmt der Körper weiter Blei auf, führt die Vergiftung zu Unfruchtbarkeit, Abmagerung, Gelenkschmerzen und schliesslich zu Lähmungserscheinungen, Blindheit und Wahnsinn. Die Römer verwendeten Blei für Wasserleitungen, Kochtöpfe und Becher. Zudem wurde antibakterielles aber zugleich giftiges Bleioxid verwendet, um Wein haltbar zu machen.
Zwei Tonnen Blei jährlich
Bei Menschen führt eine regelmässige Aufnahme von einem Milligramm Blei bereits zu einer chronischen Vergiftung. Das Verbot von Bleizusatz im Benzin im Jahr 1985 führte bereits zu einem starken Rückgang der Bleiaufnahme in der Schweizer Bevölkerung. Trotzdem rechnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass jeder Mensch im Durchschnitt 0,1 bis 0,5 Gramm Blei durch Nahrungsmittel aufnimmt.
«Die grössten Bleikonzentrationen finden sich in der Schweiz in Kugelfängen von Schiessanlagen. Mit bis zu fünf Prozent Bleigehalt gehören Einschussstellen von Schiessanlagen wohl zu den am stärksten mit Schwermetallen belasteten Flächen überhaupt», erklärt Wolfgang Bollack von der Zürcher Baudirektion. Auch im Säuliamt hat fast jede Gemeinde einen durch Blei verseuchten Kugelfang. Ältere Munitionstypen bestanden hauptsächlich aus Blei und auch das 1911 eingeführte Standardkaliber GP11 – das bis 1994 Standardkaliber für Distanzwaffen der Armee war und auch heute noch verwendet wird – enthält 8,6 Gramm Blei pro Projektil. Die Nachfolgepatrone PAT90 enthält noch 3,5 Gramm Blei pro Projektil. Auf Zürcher Schiessanlagen werden jährlich rund 6,5 Millionen Schüsse abgegeben, was je nach Projektilart 20 bis 50 Tonnen Blei entspricht. Für die Schiessanlagen im Knonauer Amt bedeutet dies, dass jährlich rund zwei Tonnen Blei in den Kugelfängen landen.
Blei in Nahrungsmitteln
Blei baut sich sehr langsam ab. Bei Regenfällen reichert sich das versickernde Wasser in den Kugelfängen jedoch mit Blei an und geht ins Grundwasser. In der Nähe einer Quellfassung kann ein Kugelfang fatale Folgen haben. Auch Gras reichert sich in der Umgebung von Schiessständen mit Blei an, wobei es sich im Fleisch und vor allem den Innereien der Tiere ablagert, wenn es als Futtermittel verwendet wird. Auch Gemüseanbau in der Nähe von Schiessanlagen ist problematisch, da sich gerade grossblättrige Gemüsesorten sehr stark mit Blei anreichern. Darum sind problematische Kugelfänge bereits seit über 15 Jahren mit einem Nutzungsverbot belegt und eingezäunt.
Gerade das durchsickernde Wasser birgt im Bereich der Kugelfänge Gefahren. Kugelfänge, bei denen Einwirkungen auf das Grund- oder Oberflächenwasser zu befürchten sind, müssen deshalb bis 2020 saniert werden. Neben den eigentlichen Kugelfängen ist auch der umliegende Boden belastet. Da der Grossteil der Schiessanlagen jedoch noch in Betrieb ist, macht eine Totalsanierung der leicht belasteten Gebiete wenig Sinn. Bei der Schliessung von Schiessanlagen müssen sich die Gemeinden jedoch auf hohe Gesamtsanierungskosten einstellen.
Während die Gemeinden für die Sanierung von Kugelfängen ohne Einwirkungen auf das Grund- oder Oberflächenwasser noch Zeit haben, dürfen ab 2020 keine neuen Projektile mehr in die Erdwälle eindringen. Bewerkstelligt wird dies durch mit Granulat gefüllte Metallkästen, in denen die Projektile aufgefangen werden. Wolfgang Bollack erklärt: «Im Bezirk Affoltern wurden bereits heute alle Schiessanlagen auf dieses System umgestellt.»






