Bezirk Affoltern wächst schneller als vorgegeben
Das kantonale Amt für Statistik hat die Bevölkerungsprognosen der Zürcher Regionen bis 2040 veröffentlicht. Die Schätzung für 2040 beruht auf den realen Bevölkerungszahlen von 2016 und rechnet für die Zukunft mit zwei Szenarien – einem, das auf politischen Entscheiden beruht, und einem, das vom Trend der letzten Jahre ausgeht.

Als vor einem Jahr der regionale Richtplan auflag, hatten die Gemeinden des Bezirks Affoltern teilweise wenig Verständnis für die Haltung der Baudirektion, die pro Gemeinde Wachstumsvorgaben festlegte, die weder auf den aktuellen Einwohnerzahlen noch auf den baureifen Parzellen in den Bau- zonen beruhten, sondern auf der Vorgabe, dass in den drei ländlichen Handlungsräumen «Naturlandschaft», «Kulturlandschaft» und «Landschaft unter Druck» bis 2030 lediglich 20 Prozent des Wachstums erfolgen dürfen.
Basis dieser Vorgabe ist zwar ein Kantonsratsentscheid. Nur hat der Kantonsrat nicht vorgegeben, dass diese Zahlen ohne Rücksicht auf baureife Grundstücke in Wohnzonen auf jede einzelne Gemeinde hinuntergebrochen werden müssen.
In der Region Knonauer Amt werden die Gemeinden Affoltern und Hedingen zur «urbanen Wohnlandschaft» gezählt, alle anderen Gemeinden gehören einem der drei ländlichen Handlungsräume an. Das für Affoltern und Hedingen vorgesehene Wachstum kann innerhalb der heutigen Wohnzonen nicht erfolgen. Die anderen Gemeinden liegen bezüglich Wachstum bereits weit über diesen politischen Vorgaben. Eine Konsequenz davon ist, dass der Kanton die Verbindungen des öffentlichen Verkehrs – namentlich über die Kantonsgrenzen hinaus – abbauen oder zumindest nicht ausbauen will, um den Bevölkerungsdruck zu senken.
Ist und Soll gehen auseinander
Probleme bestehen in besonderem Mass für die südlichen Gemeinden des Bezirks, die bereits Teil der Agglomeration Zug sind, was sie aber aus der Sicht des Amtes für Raumplanung nicht sein dürften. Nun hat das kantonale Amt für Statistik die Bevölkerungsprognosen für 2040 veröffentlicht. Ein Vergleich mit dem regionalen Richtplan drängt sich dabei auf. Dieser liegt zurzeit bei der Baudirektion und sollte vom Regierungsrat auf Anfang 2018 in Kraft gesetzt werden.
Der Richtplan enthält einerseits die Vorgabe des Kantons von 56600 Einwohnerinnen und Einwohnern im Bezirk Affoltern im Jahr 2030. Andererseits rechnet die Zürcher Planungsgruppe Knonaueramt (ZPK) auf der Basis der baureifen Flächen in den Gemeinden mit 61200. Das Amt für Statistik nimmt nun die realen Bevölkerungszahlen von 2016 als Basis und rechnet im einen Szenario mit den politischen Vorgaben. Die so errechnete Prognose für 2040 lautet 63300 Einwohnerinnen und Einwohner. Für 2030 entspricht dies 58700. Realistischer scheint das zweite Szenario, das auf dem Trend der letzten Jahre basiert und für 2040 mit 67000 Ämtlerinnen und Ämtlern rechnet. Bis 2030 wären dies 61800, ein Prozent mehr, als die Gemeinden selbst erwarten.
Konkret bedeutet dies: Selbst wenn die Gemeinden in den nächsten Jahren gemäss den Vorgaben des Kantons wachsen würden, hätten sie mit Sanktionen beispielsweise beim öV-Angebot zu rechnen. Für die Planung der Budgets und der Infrastruktur scheint das zweite Szenario auf jeden Fall realistischer zu sein.


