Biber ohne Scheu vor Autobahn

Am Lindenbach beim Schliffi-Weg von Obfelden nach Affoltern gibt es Biberspuren. Ein Experte der Biberfachstelle Zürich bestätigt diese.

Frische Biberspuren beim Lindenbach in Obfelden. (Bild René von Euw)

Frische Biberspuren beim Lindenbach in Obfelden. (Bild René von Euw)

Gefällte Bäume ganz in der Nähe der Autobahn A4. (Bild Dominik Stierli)

Gefällte Bäume ganz in der Nähe der Autobahn A4. (Bild Dominik Stierli)

Ein Biber auf der Suche nach Nahrung. (Bild Pixabay)

Ein Biber auf der Suche nach Nahrung. (Bild Pixabay)

Seit rund 17 Jahren leben im Knonauer Amt wieder Biber. Von der Reuss her wandern die Tiere den Gewässern entlang weiter. Einer oder mehrere Biber sind jetzt dem Lindenbach bis fast nach Affoltern gefolgt. Wie ein «Anzeiger»-Leser entdeckte, weisen viele kleinere Bäume im Bereich zwischen Autobahn und Zuglinie deutliche Biberspuren auf.

Der für das Gebiet zuständige Revierförster Flurin Farrér bestätigt, dass sich dort Biber aufhalten. Um die dort gepflanzten Bäume zu schützen, hat er bereits zwischen 40 und 50 Bäumen ein Drahtgeflecht als Schutz verpasst. Mindestens einen Biber konnte Farrér auch schon beobachten. Dieser hatte bei den Schutzarbeiten zugeschaut. Er vermutet, dass die Biber zwischen Sommer und Herbst den neuen Standort bezogen ­haben. Für ihn ist das weiter kein Problem. Falls der Bach gestaut wird und es zu starken Regenfällen komme, wäre bei einem Dammbruch der Bachlauf in Richtung Obfelden aber sicher zu klein.

Mehrere Reviere im Säuliamt

Auf Anfrage des «Anzeigers» bestätigt die Biberfachstelle des Kantons Zürich, dass auf den Fotos definitiv Biberspuren zu sehen sind. Das neue Biberrevier ist der Fachstelle noch nicht bekannt. Beim letzten, noch nicht veröffentlichten, nationalen Bibermonitoring 2022 wird der Standort nicht aufgeführt.

Beim kantonalen Bibermonitoring im Winter 2019/2020 sind aber bereits mehrere Standorte im Säuliamt ­erwähnt. Es wurden in Affoltern (Jonen, Ferenbach), in Knonau (Haselbach, ­Unterholz), Maschwanden (Lorze, Rüssspitz und Wanghüseren), Ottenbach (Fabrikkanal) und Wettswil (Fischbachweiher, Fridgraben) Reviere festgestellt.

Andreas Hofstetter von der Biberfachstelle des Kantons Zürich erklärt, dass so eine Ausbreitung von der Reuss her zu einem kleinen Gewässer im ­normalen Rahmen ist. Im Herbst wandern jeweils die Jungtiere ab und suchen ein neues Revier. «Klar, fühlen sich Biber im Wasser am wohlsten. Sobald das Wasser nicht tief genug ist, beginnen sie jeweils auch mit dem Bau eines Damms.»

Auch mitten in der Stadt

Der unruhige Standort zwischen Auto- und Bahnverkehr ist nicht ausser­gewöhnlich: «Es gibt auch Biberreviere mitten in der Stadt Zürich», führt Hofstetter aus. Der Biber macht keinen ­Winterschlaf. Um ihn zu beobachten, eignen sich jeweils der Morgen und Abend während der Dämmerung. Im Winter sind die Tiere auch nachts aktiv. Das Gebiet des neuen Biberreviers ­entstand als Ausgleichsmassnahme für den Autobahnbau. Unterdessen sind auf mehreren Abschnitten verschiedene ­Ansammlungen von Ästen und ­Stämmen im Bachlauf zu entdecken. Vermutlich entsteht in diesem ­Abschnitt ein Biberbau. Dieser bietet Schutz vor Feinden und aktuell vor der Kälte. Der Eingang liegt dazu immer unter der Wasseroberfläche.

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