Ein Ehepaar, das gemeinsam einen Krimi schreibt
Buchvernissage von Susanne und Beat Sandhofer in Affoltern

Entstanden ist der Krimi 2008. Und mindestens elf Jahre schlummerte das Werk auf einer Festplatte. Nun hat das Ehepaar Susanne und Beat Sandhofer seinen gemeinsam geschriebenen Kriminalroman «Fundament des Schweigens» im Kulturkeller lamarotte in Affoltern präsentiert. Eine unterhaltsame Lesung.
Eher ungewöhnlich, wenn ein Ehepaar gemeinsam ein Buch veröffentlicht. Beat Sandhofer ist in Obfelden aufgewachsen und Sohn des ehemaligen Gemeindepräsidenten Peter Sandhofer. Beat und Susanne lieben Krimis, lasen schon in ihrer Jugendzeit Fantasy, Sci-Fi, Horror und Thriller – vorab englische Geschichten, aber auch «Magnum», «Tatort» oder «Hercule Poirot». Naheliegend also, dass bei den Krimibegeisterten auf der Suche nach einem gemeinsamen Hobby die Idee zu einem Kriminalroman entstand. Auch bei vielen Spaziergängen mit den Kindern wurde am Plot gearbeitet, dieser immer wieder verfeinert. Eine Liebesgeschichte stand nie zur Diskussion.
Lob von der Kapo-Medienstelle
Stattdessen skurrile Morde, wie sie in englischen Krimis vorkommen: Das führte das Ehepaar zur Idee eines Mordes mit der Harpune. Mit einer Frauenleiche im Zürichsee. Tatort Zürich – dort, wo die beiden vor 15 Jahren ihren Wohnsitz hatten und ihrer Arbeit in der kantonalen Verwaltung nachgingen. So zogen sie im Tram und mit Kinderwagen durch die Stadt auf der Suche nach der geeigneten Location für die Handlung. Ihr berufliches Umfeld ist Teil der Geschichte. Sie kennen Büros und bürokratische Abläufe, den «Aktenmief» und die verschiedenen Charaktere innerhalb einer Verwaltung. So sind ihre Erfahrungen aus dem Berufsleben in den Kriminalroman eingeflossen, auch nach zahlreichen Recherchen – unter anderem über das Tauchen und die Abläufe an einem Tatort. Dazu haben sie auch die Medienstelle der Kantonspolizei Zürich kontaktiert. Der dortige Mitarbeiter sagte, nachdem er die Urfassung gelesen hatte: Die Geschichte sei ziemlich realitätsnah – ausser, dass die Polizisten nicht ganz so mürrisch oder technisch unbegabt seien wie Fischer, die Hauptfigur des Romans. Beim Schreiben ergänzten sie sich: Susanne lieferte die Dialoge, und Beat atmosphärische Beschreibungen und Actionszenen. Dialoge wurden teilweise im Wohnzimmer durchgespielt, damit sie natürlich klingen. Der Grundstein für den Krimi entstand vor 15 Jahren; mindestens 11 Jahre schlummerte das Geschriebene auf einer Festplatte, wurde vergessen und zufällig wieder entdeckt und «entstaubt». Die Version musste überarbeitet und korrigiert werden. Der Plot sei zwar wichtig, aber die Geschichte hatte sich schliesslich beim Schreiben entwickelt, und Ideen mussten zusammengeführt werden. «Man ist nicht doppelt so schnell zu zweit», halten die beiden fest. Meinungsverschiedenheiten mussten entschärft werden, und dazu zählte auch, sich von «sensationellen Ideen» zu verabschieden – ehrlich zu sein, was angebliche «super Szenen» betrifft.
Kein kranker Kommissar
Natürlich gibt es in dieser Geschichte düstere Abgründe. Susanne und Beat betonen, dass Humor ein wichtiger Bestandteil von «Fundament des Schweigens» sei. «Wir nehmen uns nicht so ernst, und das ist auch bei den Figuren im Buch der Fall», hält das Autorenduo fest. Und entgegen heutiger Usanz in Fernsehkrimis – vor allem bei jenen aus dem Norden – ist der Kommissar weder psychisch angeschlagen, mehrfach geschieden noch suizidgefährdet. «Fundament des Schweigens» ist leichte Ferienkost.
Nicht ganz so leicht, aber genussreich war die kulinarische Begleitung bei der Buchvernissage im «lamarotte»: Raclette von Chäs Stöckli, Affoltern. Wohl nicht zum letzten Mal, weil im Herbst 2027 eine Neuauflage geplant ist. «Weitere Ideen sind vorhanden. Für eine weitere Geschichte wird es nicht mehr elf, sondern nur noch ein Jahr dauern», halten Susanne und Beat Sandhofer fest.
«Fundament des Schweigens». Neptun Verlag, Bern. www.neptunverlag.ch / Zu beziehen auch in der Buchhandlung Scheidegger, Affoltern


