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Die Quaggamuschel könnte sich im Türlersee ausbreiten

Ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die invasive Quaggamuschel im Türlersee ausbreitet? (Bild Eawag)

Ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die invasive Quaggamuschel im Türlersee ausbreitet? (Bild Eawag)

Genau wie der Zürichsee zählt auch der Türlersee nicht zu den Kleinseen. (Bild Angela Bernetta)

Genau wie der Zürichsee zählt auch der Türlersee nicht zu den Kleinseen. (Bild Angela Bernetta)

Einmal eingeschleppt, lässt sich die Quaggamuschel nur schwer wieder entfernen. Die invasive Art verändert Ökosysteme und kann technische Anlagen beschädigen. Auch am Türlersee wächst deshalb die Sorge vor einer unkontrollierten Ausbreitung.

Zu spät gehandelt?

Seit 2024 setzen sich der Türlerseeschutzverband, Vertreter der Sportfischerei sowie die Gemeinden Hausen und Aeugst gemeinsam für den Schutz des Sees ein. Um die Aktivitäten zu bündeln und die Zusammenarbeit zu stärken, gründete der Verband die Arbeitsgruppe «Quagga».

Die Arbeitsgruppe kritisiert, der Kanton habe zu spät auf die drohende Ausbreitung der gebietsfremden Muschel reagiert und Fachleute erst spät einbezogen. «Unserer Auffassung nach hätte der Kanton Zürich deutlich früher handeln und wirksame Schutzmassnahmen ergreifen sollen», sagt Marco Strebel vom Türlerseeschutzverband, der auch der Arbeitsgruppe angehört. Nach deren Ansicht wurde der Kanton erst aktiv, nachdem die Muschel im Zürichsee entdeckt worden war. Dabei hätte sich eine Einschleppung bereits früher durch vorbeugende Massnahmen erschweren lassen. Als Beispiel nennt Strebel die Zuger Kampagne «Wasch dein Zeug». Sie macht darauf aufmerksam, wie wichtig die Reinigung von Ausrüstung und Material ist, um den Eindringling nicht weiterzuverbreiten.

Resultate stehen noch aus

Die Arbeitsgruppe bemängelt auch die Kommunikation des Kantons. «Vor gut einem Jahr ist uns zugesichert worden, dass der Türlersee jährlich auf Quaggamuscheln untersucht wird», sagt Strebel. Eine Rückmeldung zu den Kontrollen habe die Arbeitsgruppe bislang jedoch nicht erhalten.

Die kantonale Baudirektion bestätigt die jährlichen Untersuchungen im Türlersee. Beim sogenannten eDNA-Monitoring werden Wasserproben auf Erbgut der Quaggamuschel analysiert. Die jüngsten Proben wurden am 16. September 2026 entnommen; die Ergebnisse stehen noch aus. «Die Verantwortlichen am Türlersee werden über die Ergebnisse der externen Laboranalyse informiert, sobald diese da sind», sagt Myriam Hunn von der kantonalen Baudirektion. Wann die Ergebnisse vorliegen, sei noch ungewiss. Dies hänge von der Auslastung des Labors ab.

Schutz mit Lücken

Auch der Umfang der Schutzmassnahmen ist umstritten. Seit dem 1. April 2025 gilt im Kanton Zürich für immatrikulierte Schiffe eine Melde- und Reinigungspflicht. Sie soll verhindern, dass Muscheln und ihre Larven von einem Gewässer ins nächste verschleppt werden. Laut Baudirektion gehören Freizeitschiffe zu den wichtigsten Verbreitungswegen. Bei Kanus, Stand-up-Paddleboards sowie Tauch- und Fischereiausrüstungen stuft die Behörde das Risiko gestützt auf Studien als geringer ein: Diese blieben meist kürzer im Wasser und trockneten schneller. Dennoch empfiehlt sie, auch solche Geräte und Ausrüstungen vor jedem Gewässerwechsel gründlich zu reinigen.

Der Arbeitsgruppe «Quagga» gehen diese Vorschriften nicht weit genug. «Auf dem Hüttnersee und dem Katzensee sind SUPs und andere Schwimmkörper verboten. Auf dem Türlersee hingegen nicht», kritisiert Marco Strebel. Da alle drei Seen in Naturschutzgebieten liegen, seien die Unterschiede schwer nachvollziehbar.

Die Baudirektion verweist auf die kantonale Schifffahrtsverordnung. Sie verbietet Schwimmkörper nur auf Kleinseen. Die Naturschutzverordnungen beziehen sich auf diese Regelung. Da der Türlersee wie der Zürichsee, der Greifensee und der Pfäffikersee nicht zu den Kleinseen zählt, gelten dort andere Vorschriften als auf dem Hüttnersee und dem Katzensee.

Der stille Vormarsch

Die Diskussion am Türlersee wirft generell die Frage auf, wie invasive Arten überhaupt in die Schweiz gelangen. Neben dem Schiffsverkehr spielt der internationale Pflanzenhandel eine Rolle. In der Erde und zwischen Wurzeln können Tiere, Eier und andere Organismen unbemerkt mitreisen. Auch Lastwagen, Container und weitere Warentransporte können gebietsfremde Arten in die Schweiz bringen.

Überdies können sich ausgesetzte Haustiere in der Natur etablieren. EinBeispiel ist die Rotwangen-Schmuckschildkröte, die in der Schweiz bis 2008 frei gehandelt werden durfte. Sie kann sich in hiesigen Gewässern vermehren und einheimische Arten verdrängen. Seit 2008 ist der Umgang mit dieser invasiven Art hierzulande grundsätzlich verboten; Ausnahmen gelten für bestimmte registrierte Einrichtungen.

Ebenso können sich Aquarientiere und Wasserpflanzen ausserhalb ihrer ursprünglichen Lebensräume ausbreiten. Selbst scheinbar harmloses Aquarienwasser kann kleine Organismen enthalten. Wird es unbedacht ausgeschüttet, können diese unter günstigen Bedingungen neue Lebensräume besiedeln und sich vermehren.

Ob die Quaggamuschel den Türlersee tatsächlich erreicht hat, sollen die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen zeigen.

Vorbeugen statt Bekämpfen

Haben sich invasive Arten einmal angesiedelt, lassen sie sich oft nur mit grossem Aufwand zurückdrängen. Umso wichtiger ist es, ihre Ausbreitung von vornherein zu verhindern. Fachleute raten deshalb:

• Tiere und Pflanzen nicht unbedacht aus den Ferien mitbringen.

• Haustiere nicht in der Natur aussetzen. Das Aussetzen von Tieren, um sie loszuwerden, ist in der Schweiz streng verboten und strafbar.

• Vor der Anschaffung eines Tieres dessen Bedürfnisse, mögliche Grösse und Lebenserwartung sorgfältig abklären. So lässt sich das Risiko verringern, später mit der Haltung überfordert zu sein. (net)

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