Blühen soll es, zwitschern und summen

Bis vor Kurzem war das Landstück neben der «Güggel Bar» in Rickenbach bei Ottenbach als Acker verpachtet. Nun möchte es Kurt Hegetschweiler der Natur zurückgeben und errichtet auf eigene Kosten eine Biodiversitätsförderfläche. Das Projekt kostet rund 25'000 Franken, deshalb läuft nun eine Sammlung.

Das Material für die Holz-, Ast- und Steinhaufen hat Kurt Hegetschweiler eigenhändig gesammelt und mit dem Traktor angekarrt. (Bild Livia Häberling)

Das Material für die Holz-, Ast- und Steinhaufen hat Kurt Hegetschweiler eigenhändig gesammelt und mit dem Traktor angekarrt. (Bild Livia Häberling)

Auf 1,3 Hektaren entsteht in Ottenbach eine Biodiversitätsfläche. Mehr als 60 Blumen- und Gräserarten hat Kurt Hegetschweiler gesät. Auf einem zweiten Landabschnitt (nicht im Bild) ist eine Ruderalfläche geplant. (Bild Marcus Rundnagel)

Auf 1,3 Hektaren entsteht in Ottenbach eine Biodiversitätsfläche. Mehr als 60 Blumen- und Gräserarten hat Kurt Hegetschweiler gesät. Auf einem zweiten Landabschnitt (nicht im Bild) ist eine Ruderalfläche geplant. (Bild Marcus Rundnagel)

Wenn alles klappt, verbringt Kurt Hegetschweiler den Sommer am Meer. An seinem selbstgepflanzten Blumenmeer. Herbstlöwenzahn und Weisser Honigklee, Mohn, Kuhnelken und 56 andere Blumen- und Gräserarten hat der 61-Jährige vor drei Wochen säen lassen. Die Samenmischung wurde in Mehrkilo-Säcken angeliefert. Hegetschweiler bepflanzt damit schliesslich nicht ein paar Quadratmeter Garten, sondern eine Hektare Ackerland. Was als kleine, private Idee begann, wuchs in den vergangenen Monaten zu einem Grossprojekt heran.

Schon länger hatte Kurt Hegetschweiler mit dem Gedanken gespielt, das Land neben seiner «Güggel Bar», das in Familienbesitz ist, anderweitig zu nutzen, es der Natur wieder zurückzugeben. Über Jahre hinweg hatte es ein Bauer gepachtet und für den Ackerbau genutzt. Dann sprach er im Mai 2020 einen Mann an, der in der Nähe Schwalben beobachtete. Er erkundigte sich bei ihm, welche Art von Sträuchern er auf dem Grundstück pflanzen müsste, um für die Vögel einen Lebensraum zu schaffen. Der Mann vermittelte Kurt Hegetschweiler an den Natur- und Vogelschutzverein Bezirk Affoltern – und bereits wenige Tage später stand das Nvba-Mitglied Rolf Keller auf dem Acker in Rickenbach, um einen Augenschein zu nehmen. In einem Konzept zeigte er auf, wie die Natur von der Fläche am meisten profitieren kann. So kam es, dass er ab vergangenem November und im März dieses Jahres mit tatkräftiger Unterstützung von freiwilligen Nbva-Helfern und Familie in zwei Etappen mehr als 500 Sträucher und Bäumchen setzte. Diese sollen den Vögeln später nicht nur Futter, sondern auch Nistplätze bieten.

Im Januar und Februar karrten er und sein Sohn auf der Traktor-Schaufel hunderte Steine, Äste, Rinden- und Wurzelreste auf den Acker, auch sie sollen Igeln, Hermelin und Co. Unterschlupf bieten. Rund um diese Inseln liess er einen Bauern die Saatmischung ausbringen, die in den nächsten drei, vier Monaten zu einem Gräser- und Blumenmeer heranwachsen soll.

Alleine die Saatmischung hat knapp 5000 Franken gekostet

Das ganze Projekt stemmt Kurt Hegetschweiler in seiner Freizeit. Dass er in den vergangenen Monaten hunderte Stunden auf dem Acker verbrachte, war möglich, weil er sich einen dreimonatigen, unbezahlten Urlaub nahm. Nun, sagt Kurt Hegetschweiler, kämen zu den geplanten Auslagen nochmals Kosten hinzu, die am Anfang so nicht absehbar gewesen seien. Alleine für die Saatmischung blätterte er 5000 Franken hin, dazu kommen Auslagen für die Sträucher, Bäumchen und Hecken oder für den Lohn des Bauern, der ihm die Saat ausbrachte. Auch für das zweite, kleinere Landstück, wird er nochmals ins Portemonnaie greifen müssen: Damit die geplante Ruderalfläche entstehen kann, wird er einen Bagger mieten müssen. Und auch der Kies, den er auf dem Grundstück verteilen will, hat seinen Preis.

Die Gesamtkosten für sein Naturprojekt beziffert Kurt Hegetschweiler inzwischen auf rund 25000 Franken. In der Hoffnung, nicht die gesamte Summe alleine stemmen zu müssen, hat er auf der Crowd-Funding-Plattform «Lokalhelden» eine Sammlung gestartet. 7500 Franken sollen bis Mitte Juni in einer ersten Finanzierungsetappe zusammenkommen. 43 Personen haben bis am Donnerstagmorgen online einen Batzen beigesteuert, und Kurt Hegetschweiler hofft auf weitere Spenderinnen und Spender, die ihn unterstützen – und die sich in ­Rickenbach mit ihm erfreuen, wenn es bald blüht, zwitschert, zirpt und summt.

Infos zum Projekt und zur Sammlung unter www.lokalhelden.ch/biodiversitaet.

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