Branchen, die sich zu helfen wissen
Ihre Läden sind geschlossen wie andere auch. Aber Mode- und Einrichtungsgeschäfte im Bezirk Affoltern haben Ideen entwickelt, die trotz Shutdown (reduzierten) Umsatz bescheren.

Collection Kaenzig in Hedingen, über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt für Herrenmode in allen Grössen, hat ihre Kundschaft per Post angeschrieben und einen Flyer produziert. «Auch, um Emotionen zu wecken», ergänzt Simone Mauro-Feucht, die das Geschäft zusammen mit Ehemann Carmine betreibt. Zudem werden Video- und Telefonberatung angeboten, und auch Präsenz in den sozialen Medien verspricht Aufmerksamkeit.
Collection Kaenzig verfügt über einen grossen Stamm an treuen Kunden, deren Grössen bekannt sind. Das erleichtert etwa eine telefonische Bestellung, der eine Lieferung frei Haus erfolgt. Immerhin verfügt die Firma über ein Lager mit 9000 Hosen und 4000 Hemden. Zu den coronabedingten Massnahmen gehört ausserdem eine Verlängerung des Ausverkaufs bis Ende Februar; in normalen Zeiten ist damit um den 10. Februar herum Schluss.
«Mit all den Massnahmen haben wir etwas an unsere Fixkosten», sagt Simone Mauro, die dankbar ist für die grosse Solidarität der Kunden. 2020, nach dem ersten Shutdown, blieb ein Minus von 25 Prozent Umsatz. Und dieses Mal? Ein nicht zu unterschätzendes Argument ist auch der Umstand, dass Collection Kaenzig mit den Übergrössen über einen Kundenkreis verfügt, der zu den Risikogruppen gehört.
Beraten, abholen, liefern
Karin Schlatter, von der Modeboutique Fashion Dreams in Affoltern, beklagt in diesen Shutdown-Wochen ein zusätzliches Handicap: «Ich darf gewisse Marken nicht online verkaufen.» Sie hat aber eine Reihe von Stammkundinnen, die Kleider abholen. Die Anprobe erfolgt zu Hause. «Das funktioniert gut, weil ich ihre Grössen kenne», ergänzt Karin Schlatter. Dass sie beim ersten Shutdown im Frühjahr 2020 Lingerie ins Sortiment aufgenommen hat, bezeichnet sie als vorteilhaft. Dass sie die schwierigen Zeiten überstehen wird, verdankt sie auch einer guten privaten Situation und einem Vermieter, der ihr entgegenkommt. «Sonst müsste ich wohl schliessen», fügt Karin Schlatter bei.
Seematter’s Wohnkonzepte und Beratung für den gesamten Wohnbereich in Affoltern hat die Werbeaktivitäten verstärkt, dies auch mit Blick auf die Nach-Shutdown-Zeit. Das Geschäft liefert frei Haus, und die Kundschaft holt auch ab. «Aber auf einen Onlineshop verzichteten wir. Wir sind nicht in der Lage, an sieben Tagen während 24 Stunden Päckli zu machen», sagt Ruth Seematter.
Möglichst umfassend ist der Service aber gleichwohl. Wohnberatung kann auf Wunsch des Kunden bei ihm zu Hause stattfinden. Auch ist telefonische Beratung oder solche per E-Mail möglich. «All dies ersetzt den offenen Laden jedoch nicht – dort, wo man der Kundschaft gegenübersteht und die Möglichkeit besteht, Gegenstände zu betrachten und zu berühren», ergänzt Ruth Seematter. Sie hat die Hoffnung, dass das Geschäft nach dem Lockdown wieder in die Gänge kommt – so, wie nach dem ersten Stillstand im letzten Jahr. «2020 haben wir noch fast den Umsatz des Vorjahres erreicht.»
Zu Hause entstehen neue Wohnideen
Ein Prospekt, der auch auf der Homepage einsehbar ist, nährt die Hoffnung von Nicole Reichlin. Ihre Boutique Calimba in Affoltern bietet Damenmode aus Europa an. Auch bei ihr kann man per Mail und Telefon bestellen und dann abholen. Beim ersten Shutdown war ihre Situation insofern besser, als damals – im Frühjahr – neue Ware auf den Markt kam; der Februar hingegen ist ihr umsatzschwächster Monat. Nicole Reichlin beklagte 2020 einen Umsatzrückgang von 26 Prozent, während die Textilbranche schweizweit einen solchen von 30 Prozent hinnehmen musste. Ein schwacher Trost…
Nadia Schwarz, Inhaberin von «like home genussoase», Affoltern, bietet Wohnaccessoires für jeden Geschmack. Sie setzt auf eine gute Schaufensterdekoration, die sie immer wieder erneuert – und damit Passantinnen und Passanten ihre Aktivitäten signalisiert. Auch bei ihr gilt: bestellen, abholen, versenden oder der Kundin liefern. «Das funktioniert zwar gut, ist aber kein Vergleich zu dem, was in normalen Zeiten passiert», fügt Nadia Schwarz bei. Den ersten Shutdown hat sie gut überstanden und ist – auch dank gutem privatem Umfeld – nicht allzu pessimistisch.
So geht es auch Mirco Kurt, von Kurt Wohndesign in Obfelden. «Wir haben es besser als andere Branchen. Unter Berücksichtigung der Schutzkonzepte können wir unsere Mitarbeitenden beschäftigen», hält er fest. Auf Wunsch macht Kurt Wohndesign Heimberatung; die Leute sind vermehrt zu Hause und entwickeln dort laut Mirco Kurt auch neue Wohnideen.
Infos: www.collection-kaenzig.ch; www.calimba.ch; www.fashiondreams8910.ch; www.seematters.com; www.genussoase.ch; www.kurtwohndesign.ch.


