Bürgerliche erobern den Stadtrat, Eveline Fenner verpasst Präsidium

Affoltemer Stimmvolk hat ein deutliches Votum gesprochen

Das ist der neue Stadtrat von Affoltern (von links): Eveline Fenner (EVP), Ernst Beeler (parteilos), Claudia Ledermann (parteilos), Pascal Santi (FDP), Galina Bruder (parteilos), Franz Wipfli (Die Mitte) und Claudia Spörri (SVP). (Bild Florian Hofer
Das ist der neue Stadtrat von Affoltern (von links): Eveline Fenner (EVP), Ernst Beeler (parteilos), Claudia Ledermann (parteilos), Pascal Santi (FDP), Galina Bruder (parteilos), Franz Wipfli (Die Mitte) und Claudia Spörri (SVP). (Bild Florian Hofer)

Mit einer faustdicken Überraschung in drei Aspekten endete die Stadtratswahl in Affoltern. Erster Punkt: Eveline Fenner (EVP), die vor vier Jahren ihrerseits überraschend Stadtpräsidentin wurde, wurde zwar als Stadträtin wiedergewählt, nicht jedoch als Stadtpräsidentin. Zweitens: Die bürgerlichen Parteien haben mit ihrem seit Längerem propagierten Viererticket neu die Mehrheit im vorher eher linkslastig eingeordneten Stadtrat erobert. Dritter Aspekt: Der langjährige EVP-Stadtrat Markus Gasser wurde abgewählt. Die Stimmbeteiligung lag bei ordentlichen 43 Prozent.

Votum gegen die EVP

«Das Ergebnis interpretiere ich klar als Votum gegen die EVP», sagte die sichtlich enttäuschte Stadtpräsidentin Eveline Fenner am Sonntagnachmittag im Kasino, wo sich eine Schar von politisch interessierten Affoltemern versammelt hatte, gegenüber dem «Anzeiger». Sie selbst war den ganzen Sonntag im Wahlbüro dabei, als die Stimmen ausgezählt wurden. «Da habe ich schon früh gemerkt, dass es mit den Stimmen knapp wird.» Sie selbst musste als Präsidentin des Wahlbüros ihre eigene Nicht-Wahl als Stadtpräsidentin verkünden. Bis zum Ende habe sie noch um das Ergebnis gezittert, erzählt sie. Speziell: Für das absolute Mehr wären 1228 Stimmen nötig gewesen. Fenner erhielt 1161 Stimmen. 1275 Stimmen gingen dafür in nennenswerter Anzahl an 9 andere Personen, die gar nicht auf dem Wahlzettel standen. 482 zum Beispiel an Pascal Santi (FDP), 220 an Claudia Spörri (SVP) oder den parteilosen Ernst Beeler aus Zwillikon mit 180 Voten.

Der bisherige siebenköpfige Stadtrat gilt in den Augen der bürgerlichen Parteien (Die Mitte, FDP und SVP) als «links». Der neue Stadtrat hätte nach dieser Lesart eine bürgerliche Mehrheit, wäre also «rechts». Das sind: Pascal Santi (FDP), Franz Wipfli (Die Mitte), Claudia Spörri (SVP) und der offiziell parteilose, aber der SVP zuzurechnende Ernst Beeler. In einer Art «innerstadträtlicher Opposition» sind neu demnach Eveline Fenner (EVP), die parteilose Galina Bruder, die der SP zuzurechnen ist, und Claudia Ledermann, heute parteilos, früher GLP.

Bürgerliche Strategie ist aufgegangen

Einer der Strippenzieher des «Angriffs auf die linke Mehrheit im bisherigen Stadtrat» ist der Mitte-Politiker Orlando Rabaglio. Er und weitere bürgerliche Politiker hatten seit einem Jahr an einer Strategie zur Rückeroberung des Stadtrates gearbeitet. «Diese Strategie ist bestens aufgegangen», sagte Rabaglio am Sonntagnachmittag in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem «Anzeiger». «Wir haben intensiv an unserem Viererticket gearbeitet. Das Stimmvolk hat uns in dieser Angelegenheit unterstützt.» Allerdings: Das bürgerliche Lager hatte keinen Gegenkandidaten für Eveline Fenner finden können. Für einen neuen Wahlgang, der am 14. Juni stattfindet, können sich nun die im Stadtrat vertretenen Personen in den nächsten acht Tagen aufstellen lassen. Es wäre also möglich, dass sich in den nächsten Tagen noch ein bürgerlicher Kandidat für den Stadtrat (50-Prozent-Pensum) aufstellen lässt

Unbesetzt bleibt auch noch das Präsidium der Primarschulpflege. Drei Kandidierende hatten es angestrebt: Galina Bruder, Franz Wipfli und Yvonne Accorinti-Aeberli. Alle drei verpassten das absolute Mehr. Accorinti-Aeberli schaffte es auch nicht in den Stadtrat. Bruder oder Wipfli können am 14. Juni zum Schulpräsidenten oder zur Schulpräsidentin gewählt werden. Dem oder der Unterlegenen würde dann ein anderes Ressort im Stadtrat zugeteilt. Die verbleibenden Ressorts werden per Mehrheitsentscheid im Stadtrat vergeben.

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