Christbaumkäufer sind äusserst treue Kunden

Ab morgen Samstag, bzw. ab nächster Woche können ­Säuliämtler Christbäume gekauft werden. Beim Gespräch mit den Verkäufern sticht das Wort Tradition heraus.

Nordmanntannen sind besonders gefragt. (Bild Luc Müller)
Nordmanntannen sind besonders gefragt. (Bild Luc Müller)

Stefan Brunner aus Uerzlikon verkauft schon seit über 30 Jahren Christbäume. Der Start für seinen Verkauf erfolgt in ­diesem Jahr am 14. Dezember in Mettmenstetten beim Gemeindehaus und in Obfelden an der Neugutstrasse. Als der «Anzeiger» Brunner erreicht, hört man im Hintergrund eine Motorsäge. Es werden gerade die Bäume für den Verkauf geschnitten. «Gut 15 Prozent lasse ich als Vorrat stehen.» Je nach Nachfrage kann Stefan Brunner darauf zurückgreifen. Er rechnet mit ähnlichen Verkaufs­zahlen wie im letzten Jahr. Damals ­liefen grosse Bäume sehr gut. Die zwei bis fast dreieinhalb Meter hohen Christbäume waren am schnellsten weg.

Acht bis zehn Jahre Aufzucht

Auch wenn es unterdessen sehr viele Angebote von Grossverteilern mit ­ausländischen Bäumen gibt, setzen ­viele nach wie vor auf den traditionellen ­Einkauf bei ihm. Tradition wird im ­Gespräch oft genannt. Es kaufen auch nicht nur Familien ein, sondern auch ältere Ehepaare, welche schon immer einen Christbaum aus der Region ­eingekauft haben.

Die Preise für die mehrheitlich aus Obfelden stammenden Bäume starten bei 40 Franken und werden nach der Grösse berechnet. Die Aufzucht dauere gut acht bis zehn Jahre. «Zudem trage ich auch das Risiko in dieser langen Zeit. Von Hagel bin ich zum Glück verschont geblieben», meint er zum Zucht­aufwand. Brunner rechnet in diesem Jahr auch noch am 24. Dezember mit einem gewissen Ansturm. Da der ­«Heilige Abend» auf einen Samstag fällt, werden wohl noch einige Spätentschlossene auftauchen.

Auch auf dem Kronenplatz in Affoltern kann man am 24. Dezember noch bis 12 Uhr einen Baum bekommen. ­Bruno Fankhauser erklärt auf Nachfrage des «Anzeigers», ob er bis zu diesem Zeitpunkt noch Christbäume habe: «Die sind mir noch nie ausgegangen. Die Auswahl ist aber natürlich kleiner als zu Beginn.» Der Verkauf in Affoltern startet morgen Samstag. Die Kaufenden werden auch gerne zu einem Punsch oder haus­gemachten Glühwein eingeladen.

Familie Fankhauser hat den Verkauf vor 40 Jahren von einem Herrn Gerber übernommen. Dieser verkaufte hauptsächlich Magenbrot und türkischen ­Honig und eher nebenbei noch Christbäume. Nach einem Jahr übernahmen die Fankhausers das Geschäft und bauten den Verkauf aus. Der damals 14-jährige Bruno war schon 1982 mit seinem Vater ­zusammen dabei. Unterdessen wird er von seinen Söhnen unterstützt. «Die Arbeit ist kräftezehrend. Einen einzelnen Baum nimmt man gut fünf bis zehn Mal in die Hand. Schneiden, Aufladen, Rüsten, Deponieren, Einstellen. Gerade bei grösseren Bäumen ist das anstrengend und ohne meine Söhne für mich nicht mehr machbar», erzählt der heute 54-Jährige von seiner Arbeit.

Kleiner Baum für die Ferienwohnung

Manche Säuliämtler Bäume reisen weiter in andere Regionen. «Einige Käufer suchen extra einen möglichst kleinen Baum, welcher dann nach Saas Fee oder Andermatt in ihr Ferienhaus transportiert wird. So sorgt der Baum auswärts für einen ­Bezug zum Säuliamt», erzählt Fankhauser.

Er betont, dass er sehr treue Kundinnen und Kunden habe. Kürzlich habe eine Dame berichtet, dass sie bereits bei ­Gerber Bäume gekauft habe und somit ihren Weihnachtsbaum seit über 40 Jahren jeweils in Affoltern besorgt.

«Ich gebe jedem Baum eine Chance», ist der Leitspruch des Christbaum­verkäufers. Letztes Jahr kam es bei seinen Kulturen zu Hagelschäden, über welchen auch die Medien berichteten. Dank der Solidarität mancher Kunden konnte er so auch «schlechte» Bäume ­ – das heisst, diese hatten ­mehrere Spitzen oder waren einseitig gewachsen – verkaufen. «Generell sind die Leute bei der Auswahl der Bäume einfacher, je älter sie sind», stellt er fest.

Seit einigen Jahren berücksichtigt Fankhauser beim Schnitt auch die Mondphasen. Kurz vor Vollmond ­geschnittene Bäume halten nach seinem Ermessen länger. So hat er die letzten Stücke erst gerade am vergangenen Montag geschnitten. Auch sonst geht er mit der Zeit. Auf Wunsch werden seine Bäume mit einer speziellen Maschine für das sogenannte Easyfix-System am Stamm angepasst. Mit diesem Baumständer könne wirklich jeder zu Hause den Baum selbst aufstellen.

Verkauf in Bonstetten und Aeugst

In Bonstetten werden auf dem Kirchplatz Christbäume verkauft. Reto ­Andermatt vom Biohof Jonen bietet an diesem Ort schon seit 15 Jahren seine eigenen und auch Bäume von Kollegen an. «Man hilft sich gegenseitig aus mit den Bäumen. Ein Kollege von mir schaut in Bonstetten und ich kümmere mich auf meinem Hof um den Verkauf», ­erklärt er gegenüber dieser Zeitung. Verkauft wird ­heute Freitag von 10 bis 17 Uhr und auch am Samstag. Ab Dienstag ist man dort täglich für Kunden bereit. In Aeugst ­(siehe Artikel oben) läuft der Verkauf der Bioweihnachtsbäume vom 10. bis 24. Dezember beim Landladen.

 

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