Kirche setzt auf Mietwohnungen

Das denkmalgeschützte Pfarrhaus in Aeugst soll moderner werden – mit drei neuen Wohnungen

Das Pfarrhaus in Aeugst soll im Innern umgebaut werden. Unter anderem soll der Zugang zur «Chilestube» nicht mehr durch die Küche führen. (Bild/Plan zvg)
Das Pfarrhaus in Aeugst soll im Innern umgebaut werden. Unter anderem soll der Zugang zur «Chilestube» nicht mehr durch die Küche führen. (Bild/Plan zvg)

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Knonauer Amt legt den Stimmberechtigten an der Urnenabstimmung vom 27. September einen Baukredit über 2.475 Millionen Franken für den Umbau des Pfarrhauses Aeugst vor. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde letztmals 1973 innen renoviert und gilt heute als sanierungsbedürftig. Mit dem Projekt soll das Haus für kirchliche Anlässe, für die Bevölkerung und als Wohnhaus fit für die nächsten Jahrzehnte gemacht werden – und gleichzeitig zusätzliche Mieterträge für die Kirchgemeinde bringen. «Dank der Mieteinnahmen muss weniger Steuergeld für den Unterhalt der Liegenschaften aufgewendet werden», sagt Prisca Risold, zuständig für die Verwaltung der Liegenschaften der Kirchgemeinde Knonauer Amt.

Im Erdgeschoss stösst die «Chilestube» seit Längerem an Grenzen. Der Saal ist bei vielen Anlässen zu klein, und bisher gelangen Besucher nur durch die Küche in den Raum, inklusive Garderobe und winzigem WC in der Küche – ein Zustand, der sowohl Gäste wie auch die Küchencrew stört und aus hygienischer Sicht kaum mehr vertretbar ist. Der Umbau sieht eine Vergrösserung der «Chilestube», einen direkten Zugang über den Haupteingang sowie eine neue WC-Anlage mit zwei Toiletten vor, wovon eine rollstuhlgängig ist und im ehemaligen Heizungsraum Platz findet.

Die Küche neben dem Saal wird vollständig erneuert und neu organisiert, ohne weiterhin als Durchgangszone zur «Chilestube» zu dienen. Die bisherige Waschküche wird zu einem Reduit umgebaut, was zusätzliche Abstellfläche schafft. «Damit der Saal auch für Leute ausserhalb der Kirchgemeinde vermietet werden kann, ist der Umbau dringend nötig», sagt Prisca Risold. Damit soll das Pfarrhaus im Erdgeschoss nicht nur komfortabler, sondern auch besser für kirchliche wie private Anlässe nutzbar werden.

Drei Mietwohnungen statt grosszügiger Pfarrwohnung

Im oberen Teil des Hauses steht heute eine 5-Zimmer-Maisonettewohnung mit rund 180 Quadratmetern, die seit Längerem nicht mehr als Pfarrwohnung genutzt wird. Sie gilt als zu gross für heutige Bedürfnisse und ist so sanierungsbedürftig, dass sie in ihrem aktuellen Zustand gar nicht mehr vermietet werden kann. Im dritten Obergeschoss und über der Garage stehen zudem rund 90 Quadratmeter ungenutzter Raum zur Verfügung, die bewohnbar gemacht werden sollen.

Aus der bestehenden Pfarrwohnung sollen drei neue Mietwohnungen entstehen, alle mit modernen Küchen und Bädern inklusive Waschturm sowie Telefon-, TV- und Internetanschluss und Gegensprechanlage. Das Treppenhaus wird als eigener Brandabschnitt mit neuen Treppen und Türen ausgebildet; die Geschossdecken und -böden werden bis auf die Balkenlage zurückgebaut und neu aufgebaut. «Wegen des Brandschutzes müssen alle Böden komplett neu gemacht werden», erläutert Prisca Risold. Schräg verlaufende Zimmerböden werden begradigt, sämtliche Bodenbeläge ersetzt und Wände sowie Decken neu verputzt und gestrichen.

Sicherheit, Asbest und bestehende Investitionen

Vor Beginn der Bauarbeiten ist eine Asbestsanierung nötig, da in Verputz und Fliesenklebern Asbest nachgewiesen wurde. Die gesetzlichen Anforderungen an Brand- und Schallschutz schlagen insgesamt mit rund 495000 Franken zu Buche – 303200 Franken im kirchlich genutzten Teil und 191800 Franken im Wohnteil. Diese Kosten fallen auch dann an, wenn der Wohnteil nicht umgebaut würde.

Bereits in den vergangenen Jahren wurden verschiedene Erneuerungen vorgenommen: 2012 sind Decke und Zimmer im Dachgeschoss gedämmt worden, 2015 wurden die Fenster ersetzt und 2016 die Ölheizung durch eine Wärmepumpe mit Erdsonde abgelöst. Der aktuelle Umbau erfolgt in enger Absprache mit der kantonalen Denkmalpflege sowie unter Einbezug der Feuerpolizei.

Garten wird offener – und bleibt öffentlich

Auch der Garten wird teilweise neugestaltet, wobei er weiterhin öffentlich zugänglich bleiben soll. Die Terrasse entlang der Hauslänge wird vergrössert und neu gepflastert; von dort aus sind der hintere Hauseingang künftig ebenerdig und der Schopf über eine Rampe erreichbar. Der 2016 stillgelegte unterirdische Öltank wird ausgebaut und entsorgt.

Die Wege im Pfarrhausgarten werden verlängert, damit Grillplatz mit Feuerschale und eine neue Sitzbank bei den Birken besser erreichbar sind. Entlang des Weges zur Kirche sind zusätzliche Sitzbänke vorgesehen; die Hecke beim Wendeplatz vor der Kirche wird entfernt, damit der Garten offener wirkt. Im hinteren Bereich entlang der nördlichen Nachbarparzelle werden einheimische Sträucher gepflanzt und der beschädigte Holzzaun erneuert, entlang des Chilewegs entstehen vier Parkplätze mit Rasenliner sowie ein Veloabstellplatz neben der Garage. «Die Umgebung wird gleichzeitig neu gestaltet, dies ist von der Denkmalpflege so gewünscht», erklärt Prisca Risold.

Die Kirchenpflege hat den Baukredit von 2.475 Millionen Franken am 7. April mit Beschluss Nr. 524 zuhanden der Urne genehmigt und empfiehlt den Stimmberechtigten, dem Kredit zuzustimmen. Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) unterstützt das Projekt und bezeichnet die Sanierung der kirchlich genutzten Räume im Erdgeschoss als dringlich und zwingend umzusetzen; die drei neuen Wohnungen seien eine sinnvolle Ergänzung des Gesamtprojekts.

Bereits an der Kirchgemeindeversammlung vom 2. Juni wurde das Geschäft nach Kirchenordnung konsultativ beraten: Die Versammlung empfahl den Stimmberechtigten den Baukredit mit 37 Ja, ohne Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen zur Annahme. Kommt es an der Urne am 27. September zu einem Ja, soll der Umbau des Pfarrhauses Aeugst von Januar bis November 2027 realisiert werden. Am 8. September findet für Interessierte um 19.30 Uhr in der Kirche Aeugst eine Infoveranstaltung statt.

Finanzierung und Rendite

Der Kostenvoranschlag wurde auf Basis eines ausführlichen Baubeschriebs mit einer Genauigkeit von ±10 Prozent erstellt. Für die kirchlich genutzten Räume im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss inklusive gesetzlich vorgeschriebener Massnahmen fallen Kosten von rund 1.254 Millionen Franken an. Der Um- und Ausbau des Wohnteils in drei Mietwohnungen inklusive vier Parkplätze schlägt mit rund 1.021 Millionen Franken zu Buche; mit einer Reserve von rund 200000 Franken ergibt sich der beantragte Baukredit von total 2.475 Millionen Franken. (red)

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