«Mini Kids hend immer mittanzt und sich gfreut»
Kommentare und Unterschriften: Musik-Regeln für Müllmänner sorgen für Unverständnis

Wo ein Fünkchen Unmut ist, wirken die sozialen Netzwerke nicht selten als Brandbeschleuniger.
Ein paar böse Worte,
Enter,
erledigt.
Dass Online-Kommentare nicht immer darauf abzielen, nur Öl ins Feuer zu giessen, zeigt der Fall der beiden Müllmänner, die in Affoltern keine laute Musik mehr hören dürfen, weil es in den Quartieren einzelne Anwohnerinnen und Anwohner gab, die sich daran störten (der «Anzeiger» hat berichtet). In der Facebook-Gruppe «Pinnwand Säuliamt» entspann sich nach dem Erscheinen des Beitrags eine lebhafte Diskussion.
Klar, dass es den einen oder anderen bissigen Kommentar darunter gab («Krankes Affoltern», «Die Menschheit wird immer dümmer»), vor allem aber gab es viel Zuspruch und Anerkennung für die Arbeit der Müllmänner. Komplimente finden sich zahlreich:
«So schade, sie sind Helden. Ich würde den Job nicht machen wollen.»
«Die Jungs mit ihrer Musik und Fröhlichkeit sind TOP. Bitte einfach weitermachen.»
«Mini Kids hend immer mittanzt und sich gfreut. Puri Lebensfreud, soo schad.»
«Die Welt braucht echt viel mehr solcher lebensfrohen und positiven Menschen wie sie.»
Knapp 100 Reaktionen und Kommentare kamen unter dem Beitrag, den ein Facebook-Mitglied in der Gruppe «Pinnwand Säuliamt» veröffentlicht hatte, zusammen. Auch die Idee einer Unterschriftensammlung gegen das Laute-Musik-Verbot kam auf, andere schlugen vor, wer möge, solle sein Bedauern am besten direkt beim Arbeitgeber der betroffenen Männer deponieren.
In einem Affoltemer Quartier wurde gar eine Unterschriftensammlung lanciert. «Wir alle vom Loorenquartier sind dankbar, dass unser Abfall und das Grüngut zuverlässig und fachgerecht und mit viel Engagement im Sommer und Winter, bei jedem Wetter, jeder Temperatur und jedem Geruch entsorgt wird», heisst es in dem Schreiben. «Wir bitten Sie, auf Ihren Entscheid zurückzukommen und die Musik wie früher zuzulassen», so der Appell an die Firma Obrist, an die der Brief adressiert ist. Knapp 30 Personen haben unterschrieben.
Weiterhin Lebensfreude verbreiten
All diese Aufmerksamkeit ist dem Obrist-Geschäftsführer Thomas Benz natürlich nicht entgangen. «Wir haben einige Rückmeldungen erhalten», sagt er. Diese seien wohlwollend formuliert gewesen, und die Wertschätzung gegenüber der Arbeit sei deutlich zum Ausdruck gekommen. Darüber habe man sich sehr gefreut und diese positiven Rückmeldungen ans Team weitergegeben. «Musik ist für unsere Angestellten nicht verboten», will Benz denn auch nochmals betonen. Aus Sicherheitsgründen dürfe sie einfach nicht allzu laut sein. «In vernünftiger Lautstärke ist das absolut okay.» Er hoffe, dass die Angestellten weiterhin diese Freude verbreiten könnten, sagt Benz: «Es wäre auch in unserem Sinn.»


