Corona erschwert Jugendlichen die Berufswahl
Wegen der Isolation sind viele Infoanlässe zur Berufswahl gestrichen und Schnupper-lehren weitgehend ausgesetzt. Jugendliche der Oberstufen sind deshalb aktuell besonders gefordert, um in der Berufswahl am Ball zu bleiben.
Eigentlich wäre gerade Hochsaison in der Berufswahl. Die Selbstisolationsvorschriften zur Eindämmung der Corona-Epidemie allerdings erschweren die Berufswahl für Jugendliche jeden Oberstufenniveaus. Jene der dritten Oberstufe, die noch ohne Lehrstelle sind oder auf das befreiende Gespräch mit der möglichen Lehrfirma warten, müssen Geduld aufbringen.
Für diejenigen der zweiten Oberstufe, die normalerweise im Frühling des Vorjahres ihres Lehrbeginns Infoanlässe besuchen und Schnupperlehren machen, gab es heuer vorerst keine Möglichkeiten dazu; die Schutzmassnahmen wegen Covid-19 haben dies praktisch durchgehend verhindert.
Berufsfindung verlangsamt – vor allem für 2. Oberstufe
Beate Kuhnt, die Schulleiterin der Sekundarschule Bonstetten, erklärt die Situation: «Mit dem Fernunterricht sind wir auf gutem Weg, auch dank des intensiven Einsatzes von Lehrerinnen und Lehrern, Schulbehörden und Institutionen. Es wird alles daran gesetzt, einen qualitativ guten Fernunterricht zu bieten.» Für die Jugendlichen der dritten Oberstufe sieht sie deshalb keine Gefahr der Verlangsamung des Berufsfindungsprozesses – «Dieser ist bei ihnen weitestgehend gelaufen.» –, wohl aber, so Kuhnt, könnte eine solche bei der zweiten Oberstufe drohen. Xavier Nietlisbach, Leiter der Berufsbildung der Ernst Schweizer AG, Hedingen, teilt die Sicht der Bonstetter Sek-Schulleiterin: «Der weitgehende Ausfall der Schnupperlehren wegen des Lockdowns für Schülerinnen und Schüler der zweiten Oberstufe macht mir mehr Sorge.» Hierfür müssten Lösungen gefunden werden, damit deren Berufswahl für nächstes Jahr richtig und gut ablaufen könne. Die Lehrstellensituation bei der Ernst Schweizer AG für dieses Jahr sieht gut aus, wie Nietlisbach erklärt: «Zum Glück haben wir schon vor Corona rund 80 Prozent unserer Lehrstellen besetzen können. Nun heisst es vorerst abwarten. Ich hoffe, dass auf Mitte Juni die Möglichkeit wieder besteht, Bewerberinnen und Bewerber für Lehrstellen zu Gesprächen einladen zu können.»
biz Urdorf: Beratung und Unterstützung gewährleistet
Auch Berufsberaterinnen und Berufsberater, etwa jene des biz Urdorf, sind kräftig daran, Beratung und Unterstützung der Jugendlichen in Bezug auf die Berufswahl zu gewährleisten. Veranstaltungen bleiben zwar vorerst noch abgesagt und die Infothek ist geschlossen, die Beratenden sind jedoch via Telefon oder E-Mail zu den Öffnungszeiten da. Aufgrund der aktuellen Lage hat man zudem über Zoom (Video-Konferenz) ein neues Beratungsformat geschaffen: Von Montag bis Freitag können sich Jugendliche auf dem Berufswahlportal des kantonalen Amtes für Jugend und Berufsberatung jeweils nachmittags von 13.30 bis 17 Uhr mit den Berufsberaterinnen und Berufsberatern via Chat austauschen. Trotz Fernunterricht und der angekündigten ersten Lockerungen der Einschränkungen, drängt die Suche nach Alternativen für die Jugendlichen, die sich aktuell eigentlich mit der Berufswahl auseinandersetzen sollten. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (Sbfi) hat in einem Schreiben an die Kantone und darin an die Ausbildner appelliert, die Lehrlingsrekrutierung nicht wegen der Corona-Krise zu vernachlässigen. Und es wird als mögliche Lösung auch erwogen, die Vergabe der Lehrstellen auf den Herbst zu verschieben. Sicher ist dennoch, dass Jugendliche nun besonders viel Eigeninitiative mitbringen müssen, um am Ball zu bleiben. Auch wenn dies vorläufig aus der Ferne schwieriger ist.


