Das Knonauer Amt im 2. Weltkrieg
Das Neujahrsblatt 2018 der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirkes Affoltern veranschaulicht die Auswirkungen des 2. Weltkrieges auf das Knonauer Amt. Obwohl die Schweiz von kriegerischen Auseinandersetzungen verschont blieb, spürte die Bevölkerung im Alltag zahlreiche Einschränkungen.

Bunte Rationierungsmarken prangen auf dem Titelblatt des aktuellen Neujahrsblattes und dokumentieren dadurch eine besonders einschneidende Massnahme der Regierung, welcher sich die Bevölkerung zu unterziehen hatte. Zusammen mit der rigorosen Umsetzung des Plans Wahlen, der Anbauschlacht, bewirkte jedoch die Rationierung, dass – im Unterschied zum Ersten Weltkrieg – keine Bevölkerungsgruppe unter Hunger litt. Eine Zusammenfassung sowie eine chronologische Übersicht zu den wichtigsten Ereignissen in der Schweiz während dem Zweiten Weltkrieg führen den Leser behutsam ins Thema ein.
«Kriegsbeginn im Spiegel der Inserate und Berichterstattung»
Nachdem Deutschland zum «Tigersprung auf Polen» angesetzt und damit den Zweiten Weltkrieg entfesselt hatte, stand auch die Berichterstattung im «Anzeiger» im Banne des Weltgeschehens. Zahlreiche Leitartikel und Inserate widerspiegeln die eindeutig demokratische und antifaschistische Haltung der überwiegenden Mehrheit der Schweizer Bevölkerung und zeigen nachhaltig auf, welche Auswirkungen der Krieg auch aufs Knonauer Amt hatte.
Zeitzeugen erinnern sich
Schwerpunkt des neuesten Neujahrsblattes bilden Erinnerungen von Zeitzeugen an diese bewegende Zeit. Sie offenbaren, wie allgegenwärtig das Militär beispielsweise in Affoltern war. «Da die Truppen während Wochen in ihren Unterkünften im Schulhaus weilten, fand der Unterricht in Sälen von Restaurants oder sogar in Kirchen statt, und Mädchen besuchten den Handarbeitsunterricht bei ihren Lehrerinnen zu Hause», erinnert sich Gottfried Hochstrasser. Andererseits bot die häufige Präsenz von Truppen die Möglichkeit von Begegnungen, was die damals jugendlichen Zeitzeugen mit Begeisterung erfüllte. Das Sammeln und Austauschen von Soldatenmarken lassen an Panini-Bilder von heutigen Fussballidolen denken. Andererseits war die Bedrohungslage zeitweilig auch in Ämtler Familien akut. Düstere Abende in der Verdunkelungszeit wie auch familiäre Vorsorgemassnahmen zeugen davon, wie Elsi Leutert erzählt: «Für den Fall einer plötzlichen Flucht hatte meine Mutter für jedes Kind einen Rucksack bereitgestellt und ab und zu warf ich einen ängstlichen Blick darauf.»
Glücklicherweise blieb die Ämtler Bevölkerung gleich wie die übrige Schweiz vom unmittelbaren Kriegsgeschehen verschont, doch – so berichten andere Zeitzeugen – war das dumpfe Grollen und Beben der Erde, hervorgerufen durch die irrtümliche Bombardierung von Schaffhausen, bis nach Rifferswil spürbar.
Evakuierungspläne für Aeugst
Der detaillierte Evakuierungsplan der Gemeinde Aeugst veranschaulicht eindrücklich, wie ernst gewisse Gemeinden die Bedrohungslage in den ersten Kriegsjahren einschätzten. Als Deutschland durch den Krieg an der Ostfront beansprucht wurde, entspannte sich die Lage für die Schweiz. Allerdings wurden noch im Juni 1944 in einem Wäldchen oberhalb von Hedingen die letzten beiden von insgesamt 17 Landesverrätern hingerichtet. Ein Geschehnis, das trotz strengster militärischer Geheimhaltung bald ruchbar wurde.
Internierte
Allgegenwärtig hingegen waren die Internierten, die im Knonauer Amt in verschiedenen Lagern untergebracht waren. Eines davon, ein Auffanglager, befand sich in einem ehemaligen Fabrikgebäude im Aeugstertal. Max Brusto, ein jüdischer Pole, nimmt in seinen Memoiren kein Blatt vor den Mund und beklagt sich bitterlich über die Lagerbedingungen: «Im gesamten Gebäude befanden sich nur drei Toiletten, eine war für den Kommandanten und den Stab, die beiden andern waren für die gegen 300 Flüchtlinge bestimmt.» Besser waren die Verhältnisse in den kleineren Arbeitslagern, wie beispielsweise im Frohmoos oberhalb von Hedingen. Die Familie Stähli erinnert sich daran, wie die dort einquartierten Juden in ihren Barackenlagern Veranstaltungen organisiert hätten, zu denen sogar die Dorfbevölkerung eingeladen worden sei.
Schauplätze
Denkmäler und andere Bauten haben als stumme Zeugen der bewegten Zeit ihre Spuren hinterlassen. Einige versehen noch heute ihren Dienst, so die einspurige Strassenbrücke bei Mühl-au, andere, darunter die von Moos überwucherte Bunkeranlage oberhalb von Bonstetten, zeugen von der Wehrbereitschaft der Schweiz im Zweiten Weltkrieg.
«Kriegskinder»
Dass die offizielle Flüchtlingspolitik der Schweiz kein Ruhmesblatt war, ist aus heutiger Sicht unbestritten. Vorbildlich hingegen war der Einsatz vieler Bauern-Familien, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges während mehrerer Monate Kinder aus Kriegsgebieten aufnahmen. In berührenden Worten bedankt sich eine Mutter aus Österreich für die Aufnahme ihres Adileins bei der Familie Grob in Knonau.
In der Rubrik «Wussten Sie, dass..» paart sich Information mit Unterhaltung. Wussten Sie übrigens, dass die Panzersperren im Volksmund wegen ihrer Ähnlichkeit zu den Schokoladedreiecken «Toblerone» genannt wurden? Durch die Kombination von sachlicher Information und persönlichen Geschichten ist das Neujahrsblatt 2018 ein geeignetes Weihnachtsgeschenk für alle lokalgeschichtlich Interessierten.
Neujahrs-Apéro 2018 am 2. Januar
Am 2. Januar lädt die Gemeinnützige Gesellschaft des Bezirkes Affoltern zum traditionellen Neujahrs-Apéro ein. Die Veranstaltung findet im Mehrzweckraum des Spitals Affoltern (Haus Rigi) statt und beginnt um 16 Uhr. Dabei stellt das Redaktionsteam der GGA das neue Neujahrsblatt 2018 vor. Zudem bietet der Anlass die Möglichkeit, sich mit Bekannten aus der Region und anderen Gästen auszutauschen und aufs neue Jahr anzustossen.
Die GGA würde sich über zahlreiches Erscheinen freuen und besonders auch, wenn unter den Anwesenden die Porträtierten oder deren Angehörige zu finden wären. Rolf Oberhänsli
Neujahrsblatt 2018, zu beziehen für 10 Franken bei der Buchhandlung Scheidegger, Affoltern; bei den Banken in Affoltern und bei der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirkes Affoltern, info@ggaffoltern.ch.


