Das Leben in einem Ämtler Dorf der 60er
1957 geboren, bezeichnet er sich im Kontext seines neuen Buchs «Kopfnüsse, Töffli und lange Haare» als «Ulkhansi Krachmacher» und beschreibt seine Kindheit und Jugend in Ottenbach mit humorvoll-scharfsinnigem Blick auf das Dorf. Hansueli Amachers Lebensbild auf 216 Seiten ist nicht nur für Ottenbacher Babyboomer spannend.

«Tschokke will uns (in der Mittelstufe) in die gehobene Literatur einführen. Wir dürfen anspruchsvolle Werke mitbringen. Ich bringe einen Asterix&Obelix-Band und werde abgekanzelt. Dieser niveaulose Schund habe hier nichts verloren. Ich bin auf so etwas vorbereitet und erlaube mir, Pädagoge Tschokke nach der Bedeutung einiger lateinischer Begriffe, die ich in dem Band gefunden habe, zu fragen. Er kann mir aber keine Antwort geben.»
Wer damals in Ottenbach zur Schule ging, zweifelt keinen Moment, um welchen Lehrer es sich bei «Tschokke» handelt – für alle anderen Leserinnen und Leser ist die Frage nicht relevant, denn es geht dem Autor nicht um eine Abrechnung, sondern um eine Milieuschilderung. Selbstironisch hält er fest, der Lehrer habe seine «tiefe Verachtung gegenüber Kultur, die älter als drei Jahre alt ist, voll zu spüren» bekommen.
«Zum Pazifisten geschrubbt»
Wie hat der 10-Jährige den Sechstage- und den Vietnamkrieg erlebt? Amacher erzählt die Weltpolitik aus der Optik des Kindes, das er damals war: «Ich verschmiere mein Gesicht mit Dreck, bewaffne mich mit einem Holzgewehr und pirsche mich robbend durch die Weiden an harmlose Milchkühe heran um sie heroisch in die Flucht zu schlagen. Einmal bemerke ich in meinem wilden Angriffsgeist einen satten Kuhfladen erst, als ich mich schon mitteldrin wälze. Mutter schruppt ihren Krieger und seine Uniform dann kräftig zu einem friedliebenden Pazifisten. Danach muss ich mich auch noch beim Bauern entschuldigen.»
Amacher beobachtet, beschreibt – und lässt die Leserin, den Leser urteilen. Nach der Verwüstung des Mobiliars beim legendären Konzert der Rolling Stones vom 14. April 1967 im Hallenstadion werden ein Jahr später bei Jimi Hendrix vorsorglich keine Klappstühle mehr aufgestellt. Erste Scharmützel zwischen Jugendlichen und der Polizei brechen aus, bevor es richtig losgeht: «Im sogenannten Globus- Provisorium wird die Autonomie der Jugend verkündet. Die Gemüter erhitzen sich noch mehr und können auch nicht durch die Wasserwerfer der Polizei abgekühlt werden. Die Situation eskaliert endgültig und im Keller der Polizeiwache werden einige Jungrevoluzzer von frustrierten Polizisten vermöbelt. Die Schilderungen der Begebenheiten gehen auch heute noch, je nach damaligem Standpunkt, weit auseinander.»
Tschechoslowakei und Körperstrafen
Vater Amacher will dem «Saupack» die Haare schneiden lassen und sie mit Einwegbillet nach Sibirien senden. Der Sohn hört am Radio von den Unruhen, kann sie aber nicht einordnen. Beim Einmarsch sowjetischer Truppen in der Tschechoslowakei dagegen will der Fünftklässler die UdSSR durch Fernbleiben vom Unterricht bestrafen, doch «die Aktion gelingt mir nicht, die Kamerädlein lassen sich nicht zum Protest hinreissen.»
Vielleicht gehorchen die Kamerädlein nicht besser, weil sie bessere Menschen, sondern weil «körperliche Strafen wie Ohrfeigen und Kopfnüsse gang und gäbe, die Musik gesittet und die Haare kurz» waren. Wer etwas tat, was den Eltern, Lehrern oder anderen erwachsenen Personen nicht passte, war schon bald auf der Flucht: «Zu Fuss, mit dem Velo, durch den Fluss schwimmend oder auf dem Töffli. Dass abhauen meistens die beste Lösung ist, entdecke ich schon bald nachdem ich laufen gelernt habe.»
Bioweber-Hoffest am Wochenende
Später klauen die Jungen in den Dorfläden der Nachbargemeinden. Lehrer Schwarz bemerkt dies zwar, kann aber nichts nachweisen und irrt sich mit der Prophezeiung, Ulkhansi Krachmacher werde einmal ein Verbrecher. Schlimmer: Er schreibt ein Buch. Dieses ist für 20 Franken am Wochenende erhältlich am Hoffest von Bioweber in Ottenbach oder kann bestellt werden auf der Homepage von HU. Amacher.
Weitere Infos unter <link http: www.mogamo.ch external-link-new-window>www.mogamo.ch oder <link http: www.bioweber.ch external-link-new-window>www.bioweber.ch.


