Das Reusstal war auch Inspiration
Von 1956 bis 1974 lebte Kaspar Ilg an der Muristrasse in Ottenbach. Das Museum Allerheiligen in Schaffhausen zeigt bis am 19. September einige seiner Bilder, zusammen mit Werken der bedeutenden «Kunstsammlung Kaspar und Anita Ilg», die das Museum als Schenkung erhalten hat.
Der blendend weisse Ford Mustang mit roten Ledersitzen fährt ganz langsam von Bickwil her, die Strasse hinunter gegen Ottenbach. Am Steuer sitzt der Kunstmaler Kaspar Ilg, den Blick in die vor ihm liegende Landschaft des Reusstals versenkt. Der junge Mann auf dem Velo, der den Hoger hinauf strampelt, staunt nicht schlecht, fasziniert beobachtet er die Szene, die sich ihm für sein ganzes Leben einprägen wird. Kaspar Ilg hat die letzten knapp 20 Jahre in Ottenbach in schmalen Verhältnissen gelebt und ist vor Kurzem mit seiner Frau Anita nach Hallau gezogen.
Maler und Sammler
Durch den Tod seiner Mutter 1971 erbte Kaspar Ilg auch das Vermögen und die Kunstsammlung seines Stiefvaters. Diese hat er bis zu dessen Tod 2011, mit 90 Jahren, laufend erweitert. Nun staunt der einst junge Mann, der obige Anekdote überliefert hat, noch mehr, denn die «Kunstsammlung Kaspar und Anita Ilg», welche die Erben dem Museum Allerheiligen vermacht haben und die bis Mitte September dort gezeigt wird, bezeichnet das Museum selbst als kostbare Schenkung. Kein Wunder, denn sie enthält neben Werken vieler Malerkollegen aus dem Umfeld von Kaspar Ilg auch zahlreiche Bilder, Zeichnungen und Skulpturen bedeutender Künstler mit klingenden Namen wie Hodler, Kirchner, Munch, Bonnard, Giacometti und anderen.
Dieses Zusammenspiel von sehr etablierten und weniger bekannten Künstlern und vielen, die sich nach der Decke strecken mussten, macht die jetzige Ausstellung in Schaffhausen besonders reizvoll. Natürlich ist auch der 2013 verstorbene Obfelder Malerkollege Jakob Ochsner vertreten. Beide waren Schüler von Max Gubler, dem Kaspar Ilg eng verbunden blieb; Gubler ist denn auch in seiner Sammlung gut vertreten.
Regelmässiges Einkommen mit Klavierstunden
Die Ausstellung in Schaffhausen bietet einen Einblick in die Welt des Künstlerehepaars Ilg, die sich einem als dama-lige Klavierschülerin nicht erschlossen hat, denn vielen Ottenbacherinnen und Ottenbachern wird die Frau des Kunstmalers noch besser bekannt sein als der zurückhaltende Ehemann. Anita Ilg war ausgebildete Pianistin und sorgte mit Klavierstunden für ein regelmässiges Einkommen. Auch die Schreibende erinnert sich an Klavierstunden mit klassischen Fingerübungen auf Teufel komm raus. Anita Ilg war 13 Jahre jünger als ihr Mann, mit 22 Jahren heiratete sie Kaspar Ilg, die beiden zogen 1956 nach Ottenbach.
Und hier ist eine weitere Anekdote überliefert: Die Ilgs bestellten im Restaurant Funk, auf der anderen Strassenseite ihrer Wohnung, in Ottenbach ein Essen für sich und wenige Gäste, es sollte nichts Besonderes sein, ein Essen halt. Im Laufe dieses Essens merkte Päuli Funk, die Wirtin dannzumal, dass es sich tatsächlich um das Hochzeitsessen von Kaspar und Anita Ilg handelte. Hätte sie das gewusst, wie gerne hätte sie den beiden «etwas Besseres» gekocht.






