Das Säuliamt lag ihm zu Füssen

Toni Vescoli verbindet mit dem Säuliamt Jugenderinnerungen. Im September kehrt er zurück – nach Mettmenstetten

Toni Vescoli gastiert mit «Wunschkonzert» demnächst im Säuliamt. (Bild zvg)

Im Tessin ist der Zürcher Toni Vescoli 1942 geboren. Eher zufällig. Seine Eltern lebten damals aus beruflichen Gründen in Persien. Seine Mutter Alice wollte, dass ihr viertes Kind im Heimatland das Licht der Welt erblickt.

Erlebt hat Vescoli das Tessin nicht wirklich. Kaum angekommen, wanderte seine Familie nach Peru aus. Erst als der Schulbeginn von Toni bevorstand, reiste die Familie zurück in die Schweiz, nach Zürich.

Seine Hochbauzeichnerlehre schloss er als Klassenbester in der Grossstadt ab. Seine Eltern zogen in dieser Zeit auf die Albiskette. Seine Geschwister standen bereits auf eigenen Beinen, und so lebte Toni mit Mutter und Vater zusammen in einem Bauernhaus gleich unterhalb des damaligen Bergrestaurants Baldern. Der Ausblick war herrlich, das Säuliamt lag ihm zu Füssen. Ansonsten war dieser Ort aber keinesfalls der Traum eines jungen Mannes. Der Heimweg entpuppte sich als beschwerlich. Mit dem Tram bis an die Endstation Leimbach, von dort zu Fuss den Berg hinauf. In guter Form und nicht vom Nachtleben gezeichnet, schaffte Toni Vescoli das letzte Stück jeweils in knapp fünfundvierzig Minuten.

Von Radio Beromünster entdeckt

Schuld an den langen Nächten war ­Vescolis grosse Leidenschaft. Die Musik. Er brachte sich sein Gitarrenspiel selbst bei, seine ersten Vorbilder waren ­Freddy Quinn und Elvis. Den Hüftschwung des Amerikaners hatte er längst drauf und das Lied «That’s All Right Mama» kam dem Original schon ziemlich nahe. So machte er sich auch bald einen Namen im Niederdorf, wo er am Abend in Kneipen aufspielte. Im September 1962 wurde er bei einem Gesangswettbewerb von Radio Beromünster entdeckt. Während dieses Anlasses lernte er zwei Westschweizer Musiker kennen und zusammen gründeten sie die heute legendären Les Sauterelles. Der Erfolg liess nicht auf sich warten. Kaum zwanzig, war er ­beruflich sowie privat bereits auf der Erfolgsspur. Ruth, seine grosse Liebe, heiratete er 1966. Heute nennt er sie zärtlich «Ruthli, meine Freundin, Geliebte und Ehefrau».

Die Sauterelles hatten mit «Havenly Club» ihren ersten Nummer-1-Song. Dieser galt damals nach dem «Träumli» von den Bossbuebe als grösster Hit der Schweizer Musikgeschichte. Sie waren die ersten einheimischen Musiker, die die Schweizer Hitparade von ganz oben grüssten. Die erste LP «Hongkong» war nach dem ersten Tag vergriffen. Jetzt lag nicht nur das Säuliamt, sondern ganz Europa Toni zu Füssen. Insbesondere Osteuropa, wo sie als «Swiss Beatles» hochgejubelt wurden.

Haufenweise Auszeichnungen

Es waren wilde Jahre. Mit der Geburt von Tochter Natalie wurde auch Toni ruhiger. Sein Hauptaugenmerk galt nun dem Schweizer Fernsehen. Eigene Sendungen, Redaktor Abteilung Unterhaltung, Mitarbeit beim «Teleboy» von Kurt Felix. Die Musik rückte in den Hintergrund, blieb für Toni jedoch ein steter Begleiter. 1974 entstand seine erste Mundart-LP «Lueg für Dich», mit der er sogleich einen weiteren Erfolg landete. Die erste Single daraus, «s’Pfäffli», durfte beim Schweizer Radio wegen «Kirchenfeindlichkeit» nicht gespielt werden. Trotzdem schaffte es der Song als erster Mundarttitel überhaupt in die Schweizer Hitparade. Die Auskopplung von «Scho root» aus seiner zweiten LP gilt heute als Kultsong. Mit «Susanne» gelang Toni Vescoli dann sein kommerziell grösster Erfolg. Es wurde von Reinhard Mey übernommen, in Deutsch und Französisch übersetzt und stand bei Tourneen jahrelang auf Meys Playlist.

Vescoli wurde mit Auszeichnungen als bester Komponist, bester Sänger oder auch bester Mundharmonikaspieler im Lande überhäuft, erreicht Goldstatus mit seiner Stimme als «Pingu», dem erfolgreichen Kindermärchen.

Polo Hofer als Vorband

Sein Freund Polo Hofer, der mit seinen «Rumpelstilz» oft als Vorband für Vescoli fungierte, nannte ihn «den wahren Gründer und Wegebner der Schweizer Rockmundartszene». Toni widmete ihm später eine seiner Singles. «Hola Margarita» entstand anlässlich gemeinsamer Ferien in Südamerika und beschreibt einen dort gemeinsam erlebten Abend.

Heute lebt Toni mit seinem Ruthli in unmittelbarer Nähe ihrer Tochter im zürcherischen Wald. In seinem eigenen Musikstudio musiziert er noch immer jeden Tag. Sofern er mit seiner Frau nicht gerade die Ferienwohnung auf Teneriffa geniesst. Ist er in der Schweiz, nimmt Toni noch immer Engagements an. Nächstmals am 6. September im Gasthaus zum weissen Rössli in Mettmenstetten. Da erfreut er das Publikum mit seinem aktuellen Programm «Wunschkonzert». Zusammengestellt von seinen Fans, die es aus über 60 Jahren musikalischem Schaffen von Toni Vescoli auslesen durften.

im scheinwerferlicht

In dieser Serie stellt Fredy Bickel im monatlichen Rhythmus Persönlichkeiten vor und erinnert sich an Begegnungen und persönliche Anekdoten – ehrlich und ungeschminkt. (red)

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