Das Säuliamt verliert einen Kantonsrat
Sein Wahlkreis ist Uster, als Wettswiler politisierte Hans Peter Häring, EDU, allerdings auch fürs Knonauer Amt. Mit seinem Rücktritt per 30. April verliert die Region deshalb einen Kantonsrat.

«Mit 70 ist man nicht mehr so leistungsfähig», begründet Hans Peter Häring seinen Rücktritt vor Ende der Legislaturperiode. Eigentlich habe er schon in der Amtsperiode vorher einen Nachfolger gesucht, verrät er. In einer kleinen Partei sei das allerdings nicht ganz einfach. In der Person von Juristin Maria Rita Marty, Volketswil, stehe nun jemand mit dem nötigen Biss und Kreativität zur Verfügung. Sie wird die erste EDU-Frau überhaupt im Zürcher Kantonsrat.
Dass Häring vor bald zehn Jahren im Bezirk Uster antrat, liegt nicht nur an seinem Engagement für die christliche Drogenrehabilitationsstation Meilestei in Uessikon bei Maur, sondern auch am «Pukelsheim», zeichnete es sich doch ab, dass nach diesem Wahl-Verfahren die Chancen auf ein Kantonsratsmandat gut standen. Das hat sich bestätigt und seither wurde er zweimal wiedergewählt.
«Ich musste immer zwei Zeitungen lesen, den ‹Ämtler› und den ‹Oberländer›», so Hans Peter Häring zu seiner Rolle zwischen den Bezirken Uster und Affoltern. Spätestens mit der Pensionierung begann sich der Interessenschwerpunkt aufs Knonauer Amt zu verlagern. Seine zentrale Motivation war und bleibt allerdings der christliche Glaube und damit verbunden der Kampf gegen Selbstbestimmung des Geschlechts (Gender), gegen Abtreibung und gegen Homosexualität (nicht gegen Homosexuelle, wie er betont), aber auch für die klassische Familie: «Kaputte Ehen belasten die ganze Gesellschaft», sagt er etwa und führt als Beispiele Sozialkosten für alleinerziehende Mütter und Spezialförderung für Schüler aus zerrüttetem Elternhaus auf.
Viel zu sagen hat Häring auch zu seinem Spezialgebiet, der Drogenpolitik: «Ob weiche oder harte Drogen – Konsum über längere Zeit führt zu Invalidität», spricht er sich für abstinenzorientierte Therapieformen aus. Als grössten Erfolg bezeichnet er die Überweisung eines Postulats zur Förderung von mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern an Kantonsschulen, als grösstes Ärgernis den «Maulkorb», den die anderen Kantonsrats-Fraktionen der EDU 2009 in Sachen Homosexualitäts-Kritik aufzwangen.
Vergangenen Montag, 27. März, hat der Kantonsrat den Rücktritt von Hans Peter Häring per 30. April genehmigt. Seine letzte Kantonsratssitzung wird am 24. April sein. Er werde sich nicht vollkommen aus der Politik verabschieden, sondern sich weiter engagieren, wenn auch im Hintergrund, so Häring. Etwa für die Mittelschule im Knonauer Amt: «Wenn man kreativ ist, bringt man die Schule hierhin», ist er überzeugt – und will auch die Möglichkeit einer privaten Finanzierung analog der ZHdK nicht ausschliessen.


