Das Sirenen-Netz erneuern und verdichten

Wenn morgen Mittwochnachmittag, 3. Februar, in der ganzen Schweiz der jährliche Sirenentest stattfindet, heult in Ottenbach ein neues Gerät erstmals in voller Lautstärke. Die Abnahme war erst vor acht Tagen.

Vor der «Feuertaufe»: Neue Delta-8-Sirene auf dem Gemeindehaus Ottenbach. (Der Parabolspiegel im Vordergrund gehört nicht zur Anlage.) (Bild zvg.)
Vor der «Feuertaufe»: Neue Delta-8-Sirene auf dem Gemeindehaus Ottenbach. (Der Parabolspiegel im Vordergrund gehört nicht zur Anlage.) (Bild zvg.)

Durch die Dachluke klettern und dann durch den tiefen Schnee stapfen. Für die Abnahme der neusten Sirene im Bezirk, eine Delta 8 auf dem Gemeindehaus ­Ottenbach, mussten die Vertreter von Gemeinde, Zivilschutz und Kanton einiges auf sich nehmen. Montiert wurde sie Ende letzten Jahres, am 3. Dezember – «einen Tag, nachdem das Okay des Denkmalschutzes vorlag», so Gabriela Humm, Leiterin der Bezirkszivilschutzstelle. Die ersten Testungen seien erfolgreich verlaufen, sagt sie, die Abnahme am Montag, 25. Januar, ebenfalls. Mit nur einem Bruchteil der üblichen Lautstärke war die Sirene für wenige Sekunden doch schon deutlich vernehmbar. Nun wird sie morgen Mittwoch erstmals in voller Lautstärke zu hören sein.

37 Sirenenanlagen im Bezirk

Katastrophen können sich zu jeder Tages- und Nachtzeit und ohne Vorwarnung ereignen. Im Ereignisfall ist es entscheidend, dass die zuständigen Behörden, die Führungs- und Einsatzorganisationen des Bevölkerungsschutzes sowie die betroffene Bevölkerung möglichst rasch und richtig handeln. Um die Bevölkerung umgehend alarmieren zu können, verfügt die Schweiz über ein dichtes Netz von rund 5000 stationären sowie 2200 mobilen Sirenen, davon 467 stationäre und 200 mobile im Kanton Zürich. Im Knonauer Amt sind es insgesamt 37 Anlagen, um deren Wartung sich der Sicherheitszweckverband Albis kümmert, davon 23 stationäre und 14 mobile, die sich auf Einsatzfahrzeuge von Zivilschutz und Feuerwehr montieren lassen. Letztere kommen vorwiegend in Aussenweilern zum Einsatz.

Die neue Anlage auf dem Gemeindehaus-Dach in Ottenbach ersetzt ein rund 35 Jahre altes, störungsanfälliges Gerät, das noch mit Kompressor betrieben wurde. Im Knonauer Amt seien noch in fünf Gemeinden Sirenen jener Generation in Betrieb, verrät ­Gabriela Humm. Ob auch sie ihre Aufgabe noch wie erwartet ­erfüllen können, das zeigt sich morgen Mittwoch, wenn in der ganzen Schweiz der jährliche Sirenentest stattfindet. Ausgelöst wird um 13.30 Uhr das Zeichen «Allgemeiner Alarm»: ein regelmässig auf- und absteigender Heulton von 60 Sekunden Dauer. Bei Bedarf kann der Sirenentest bis 14 Uhr weitergeführt werden. In den Nahzonen unterhalb von Stauanlagen folgt dann ab 14 bis spätestens 16 Uhr das Zeichen «Wasseralarm», welches im Kanton Zürich bei einer Zerstörung der Sihlsee-Talsperren die ­Bevölkerung alarmieren würde. Dieses besteht aus zwölf tiefen Dauertönen von je 20 Sekunden in Abständen von je 10 Sekunden.

Wenn das Zeichen «Allgemeiner Alarm» ausserhalb der angekündigten Sirenenkontrolle ertönt, ist von einer möglichen Gefährdung auszugehen. In diesem Fall sei die Bevölkerung aufgefordert, Radio zu hören, die Anweisungen der Behörden zu befolgen und die Nachbarn zu informieren, teilt die ­Zürcher Sicherheitsdirektion mit.

Zusätzliche Sirene für Bickwil

Eine Neuerung steht übrigens auch in Obfelden an. Dort ist der Alarm aufgrund der Topografie in Bickwil nicht ausreichend laut zu hören. Diesen Missstand habe der Sicherheitszweckverband (SZV) Albis, dem alle 14 Bezirksgemeinden angehören, dem Kanton schon vor einigen Jahren gemeldet, so Gabriela Humm. Weil der Bund den Kantonen lediglich ein gewisses jährliches Kontingent an Schallverdichtungen vergütet, hatte Obfelden allerdings wiederholt das Nachsehen. Nach erneuten Interventionen durch den SZV Albis wurde Obfelden Ende letzten Jahres in die Projektliste des Kantons aufgenommen.

Der Lösungsvorschlag der Gemeinde Obfelden sieht eine zusätzliche Sirenenanlage auf dem Dach des Schulhauses Schlossächer vor. Vor Wochenfrist stand deshalb eine Ortsbegehung an mit den involvierten Projektteilnehmenden der Gemeinde Obfelden, des Kantons, des SZV Albis und dem Sirenenlieferant. Die Praxistauglichkeit des Standorts habe sich dabei bestätigt, so Gabriela Humm. Weiteren Aufschluss sollen nun Schallsimulationen bieten, mit denen ein ­Ingenieurbüro beauftragt wurde. Sollten sich daraus keine Hindernisse ­ergeben, könne das Projekt wohl noch dieses Jahr finalisiert werden.

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