Das Zittern hat ein Ende

Die zahlreichen Ottenbacher und Obfelder auf der Besuchertribüne der Kantonsratssitzung im Rathaus wurden am Montagmorgen für ihr langes Warten belohnt. Der Zusatzkredit in Höhe von 15 Mio. Franken für die Umfahrung Ottenbach wurde mit 111 Stimmen bewilligt.

Daumendrücken der Besucherinnen und Besucher aus den Gemeinden Ottenbach und Obfelden auf der Tribüne während der Debatte des Zürcher Kantonsrats zum Zusatzkredit der Umfahrung Ottenbach.<em> (Bild Martin Platter)</em>
Daumendrücken der Besucherinnen und Besucher aus den Gemeinden Ottenbach und Obfelden auf der Tribüne während der Debatte des Zürcher Kantonsrats zum Zusatzkredit der Umfahrung Ottenbach.<em> (Bild Martin Platter)</em>

Es waren lange Minuten des Wartens, bis am Montag um 10.25 Uhr endlich die Bewilligung des Zusatzkredites in Höhe von 15 Millionen Franken für die Umfahrung Ottenbach behandelt wurde. An der kantonalen Volksabstimmung am 23. September 2012 hatten sich 62,6 Prozent der Zürcher Stimmberechtigten für die Umfahrung ausgesprochen. Die Gesamtkosten des Strassenprojekts wurden damals auf 65,4 Mio. Franken budgetiert. 25,8 Millionen würde noch immer der Bund zahlen, 38,9 Mio. Franken hätte der Kanton beigesteuert, je 350000 Franken die beiden Gemeinden Obfelden und Ottenbach. Die Kosten basierten jedoch auf einem Vorprojekt aus dem Jahr 2010 und stützten sich auf Erfahrungen mit ähnlichen Bauten.

Diese Kosten sind in der Zwischenzeit gestiegen. Die bessere Erschliessung durch die A4 liess den Wert des Baulands um rund eine Million Franken ansteigen. Dazu haben 77 Einwendungen und fünf Einsprachen die Projektierungskosten in die Höhe getrieben, was Mehrkosten von 5,36 Mio. Franken nach sich zog. Dazu 2,7 Mio. für Werkleitungen, die aber kostenneutral sind. Der Regierungsrat packt darauf noch eine Reserve von 6,8 Mio. für Unvorhergesehenes, die aber nicht zwingend beansprucht wird. Damit wächst der Nachtragskredit auf knapp 15 Mio. Franken an, was ein Lösen der Kostenbremse nötig machte.

Mit einem Minderheitsantrag hatten die Grünen gefordert, nicht auf die Vorlage einzutreten. Thomas Schweizer (Grüne, Hedingen) begründete: «Das Volk hat dem Projekt 2012 zwar zugestimmt. Doch inzwischen haben sich die Umstände geändert. Neue Strassen generieren Mehrverkehr – hauptsächlich aus dem Aargau. Die Kosten aber trägt alleine der Kanton Zürich. Zudem sollte der öffentliche Verkehr besser gefördert werden.» Generell stellte Schweizer die erhoffte Verkehrsentlastung durch die Dörfer infrage. Der Nichteintretensantrag unterlag aber klar mit 125 Gegenstimmen. Die Debatte im Rat verlief aber nicht exakt entlang der Parteilinien. SVP, FDP, EDU, CVP und die EVP stimmten für den Kredit wie seinerzeit auch für das Umfahrungsprojekt. Die GLP übte Enthaltung; SP und Grünen sprachen sich eher dagegen aus. Oder wie es Theres Agosti (SP, Turbenthal) ausdrückte: «Aus umweltpolitischer Sicht müsste ein Marschhalt eingelegt werden. Aus ordnungspolitischer Sicht sollte das Projekt jedoch endlich abgeschlossen werden. Die SP hat deshalb Stimmfreigabe beschlossen.»

Daniel Sommer (EVP, Affoltern) erklärte: «Wir sollten den Volksentscheid achten und die Ängste der Obfelder und Ottenbacher um ihre Schulkinder ernstnehmen und respektieren. Wir möchten nicht länger in Postautos sitzen, die im Stau steckenbleiben. Den Kredit abzulehnen, der wegen der langen Verzögerung entstanden ist, wäre zynisch.» Ronald Alder (GLP, Ottenbach) sagte als Gemeinderat von Ottenbach: «Ordnungspolitisch hat das Volk schon vor acht Jahren deutlich zugunsten der Umfahrung entschieden. Die Automassen bewegen sich auf die Dörfer zu – ungeachtet, ob der Autobahnzubringer gebaut wird. In Ottenbach plant man seit bald 50 Jahren, wie der Dorfkern wieder lebenswerter gestaltet werden kann. Alles wäre verloren, stimmen sie dem Zusatzkredit nicht zu.» Arianne Moser-Schäfer (FDP, Bonstetten) ergänzte: «Das Projekt ist kein Schnellschuss und integraler Bestandteil der flankierenden Massnahmen zum A4-Bau. Ottenbach und Obfelden sollten ihre Lebensqualität zurückerhalten.» Dem schloss sich auch das Gros der Ratsmitglieder an. Kurz vor Mittag wurden die Ottenbacher und Obfelder auf der Tribüne von ihrer Zitterpartie erlöst.

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