Der Abriss des «Adler» läuft

Während 11 Jahren war der Gasthof Adler in Knonau ein diskutiertes Thema. Zunächst war das Haus unter Schutz gestellt worden. Vor einem Jahr hob das Zürcher Verwaltungs- gericht diesen Entscheid auf. Nun sind die Bagger vorgefahren.

Der «Adler» in Knonau verschwindet. An seine Stelle kommt ein Mehrfamilienhaus mit Gestaltungselementen im Stil des alten Gebäudes. (Bild Urs E. Kneubühl)
Der «Adler» in Knonau verschwindet. An seine Stelle kommt ein Mehrfamilienhaus mit Gestaltungselementen im Stil des alten Gebäudes. (Bild Urs E. Kneubühl)

Gewiss, das Ortsbild im Knonauer Dorfkern wird sich verändern. Der alte, baufällige Gasthof Adler mit dem angebauten Tanzsaal verschwindet, der Bagger ist Anfang dieser Woche aufgefahren, der Abbruch ist im Gang. Und dennoch: Dort, wo vorübergehend eine Lücke entsteht, wird künftig ein Mehrfamilienhaus mit neun Wohnungen das Ortsbild passend prägen. Das Grundstück wird neu mit einem zweigeschossigen Gebäude mit ausgebautem Dachstock und Unterniveaugarage bebaut, wobei das Hauptgebäude im Kubus identische «Adler»-Grösse haben wird. Gleichzeitig wird die Gestaltung auch Elemente des alten Gebäudes forttragen, beispiels­weise die hohen Fenster des ehemaligen Tanzsaales.

Gemeindepräsidentin Esther Breitenmoser zeigt sich glücklich über die Baufreigabe: «Es ist gut, dass es nach so langer Zeit der Ungewissheit nun weitergeht. Die Situation mit der baufälligen Liegenschaft war nicht vorteilhaft für Knonau.» Und Bauamtleiter Sven Alini bekräftigt zustimmend: «Es ist ein Gewinn für das Dorf, wenn nun endlich Neues entstehen kann.»

Lange und bewegte Geschichte
Der Gasthof Adler war eines der ältesten Profangebäude in Knonau und blickte auf eine lange wie bewegte Geschichte zurück. Das Haupthaus wurde 1575 im Blockbaustil als Wohnhaus für einen begüterten Bürger erbaut. Eine Erweiterung gab ihm dann das Aussehen eines Hauses aus dem 18. Jahrhundert, und mit dem Anbau des Tanzsaales um 1904 kamen traditionelle Züge der Saalbauten der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dazu. Im 17. Jahrhundert hatte der «Adler» das Tavernenrecht erhalten. Profitiert hat er von der Landstrasse, die von Zürich über den Albis in die Innerschweiz führte, und war daher zur Postkutschenzeit beliebter Rast- und Übernachtungsort.

Nach der letzten Jahrhundertwende wurde der «Adler» über Jahre nicht mehr unterhalten. Im kalten Winter 2010/2011 barsten die Wasserleitungen, wodurch ein stattlicher Wasserschaden entstand und das Obergeschoss von Schimmel befallen wurde. In der Folge erwies sich das Gebäude allgemein in schlechtem Zustand und war kaum mehr bewohnbar noch zu verpachten. Von 2011 an bewegte der «Adler» dann die Gemüter, den Gemeinderat, den Heimatschutz, die Öffentlichkeit und die Gerichte. 2020 gab das Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts den «Adler» zum zweiten Mal zum Abbruch frei, was das Bundesgericht am 29. März dieses Jahres bestätigte. Die Gemeinde Knonau erteilte anschliessend die Baufreigabe.

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