Der Bewahrer der Nation tritt in den Ruhestand

Ein nicht ganz alltägliches ­Ereignis wurde kürzlich im Sammlungszentrum des ­Schweizerischen Landesmuseum gefeiert. Bernard A. Schüle, Leiter Objektzentrum und Kurator Technologie und Brauchtum, wurde nach 36 Jahren Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand entlassen.

Als Rentner wird er zwar reisen, die Fahrzeuge werden aber sicher bequemer sein: Der pensionierte Leiter Objektzentrum, Bernard A. Schüle, mit einer uralten Postkutsche. (Bild Martin Mullis)
Als Rentner wird er zwar reisen, die Fahrzeuge werden aber sicher bequemer sein: Der pensionierte Leiter Objektzentrum, Bernard A. Schüle, mit einer uralten Postkutsche. (Bild Martin Mullis)

Er muss keinen Blick in einen Kalender werfen, diesen ersten Arbeitstag wird Bernard A. Schüle nie mehr vergessen. Am 2. August 1984 begann der studierte Volkskundler seine Stelle als Kurator für Möbel und Handwerk beim Schweizerischen Landesmuseum in Zürich. Schüle war 29 Jahre alt und diese Anstellung war für ihn der absolute Traumjob. Er erinnert sich, dass er sich damals wünschte, diese Tätigkeit bis zur Pensionierung auszuüben, oder zumindest den Arbeitgeber nicht mehr zu wechseln. Sein heimlicher Wunsch wurde Wirklichkeit, der Kurator arbeitete in Zürich bis November 2007, wo er die Eröffnung des Sammlungszentrums in Affoltern durch Bundesrat Pascal ­Couchepin miterlebte und seither auch dort als Leiter Objektzentrum tätig ist. In der Eingangshalle prangt seit der Einweihung eine Leuchtanzeige, welche die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden registriert. Das waren beim Besuch des «Anzeigers» exakt 4679 Tage, 21 Stunden, 57 Minuten und 13 Sekunden. Zählt man nun auch noch die 23 Jahre von Schüles Engagement im Landesmuseum in Zürich dazu, so erhält man die fast unglaubliche Zahl von rund 13000 ­Tagen, an denen Bernard Schüle sich mit den Artefakten des Schweizerischen Landesmuseums befasste.

Die echte Unterschrift von Karl dem Grossen

Der Registrar ist stolz auf seinen Arbeitsort, war er doch zusammen mit dem heutigen Chef, Markus Leuthard, massgeblich an der Projektierung und am Bau des Sammlungszentrums beteiligt. Aus den langen 36 Arbeitsjahren erzählt Bernard Schüle dem «Anzeiger» einige bleibende Ereignisse. Im Laufe der Arbeiten für eine kleine Ausstellung in St.Gallen rollte Schüle eine Pergamentrolle sehr sorgfältig aus der Verpackung. Fast traf ihn der Schlag, als er auf dem uralten Papier die echte Unterschrift Karls des Grossen (768–814), des Frankenkönigs sah. Bei einer Kutschenfahrt anlässlich der Eröffnung des PTT-Museums sichtete er auf einem Tisch an einem ehemaligen Pferdewechselort eine vollständige Registratur über die während Jahrzehnten stattgefundenen Kutschenwechsel. Absolut unvergesslich für Schüle war, dass er als Kurator ein kleines Dokument mit Skizzen von Leonardo Da Vinci in Händen halten durfte. Der Volkskundler wird zwar weiterhin Führungen durchs Sammlungszentrum leiten, jedoch aber vermehrt Reisen mit seiner Partnerin unternehmen.

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