Der Boom im Kloster Kappel trägt auch seine Handschrift

Jürgen Barth, Geschäftsführer des Hotel- und Seminarbetriebs, geht in Pension

Massgeblich am Erfolg des Seminarhotels und Bildungshauses im Kloster Kappel beteiligt: Geschäftsführer Jürgen Barth geht nach 22 Jahren in Pension. (Bild -ter.)
Massgeblich am Erfolg des Seminarhotels und Bildungshauses im Kloster Kappel beteiligt: Geschäftsführer Jürgen Barth geht nach 22 Jahren in Pension. (Bild -ter.)

Sie gehörten zu den intensivsten in der 800-jährigen Geschichte des Klosters Kappel – jene 22 Jahre, in denen Geschäftsführer Jürgen Barth gewirkt hat. Ende Juni verabschiedet er sich in den «Ruhestand». Seine Nachfolge tritt die 35-jährige Alexandra Steinmüller an, die in Kappel wohnt.

Jürgen Barth, eidgenössisch diplomierter Hotelier HF SHL, verantwortet die Hotellerie, die vom Verein Kloster Kappel gemieteten Liegenschaften Konvent, Amtshaus und das Haus am See mit Weiher, Park und Gärten. Rund 50 Personen arbeiten in seinem Einflussbereich. «Ich verlasse Kloster Kappel mit einem guten Gefühl und auch mit Wehmut. Es waren gute und strenge Jahre – eine gute Zeit», in der Barth auch mit fünf theologischen Leiterinnen und Leitern zusammengearbeitet hat. In seiner Ära wurden der Seminar- und Hotelbetrieb professionalisiert, ausgebaut und Dienstleistungsgedanken sichtbar gemacht. Seit längerer Zeit verzeichnet Kloster Kappel ein wachsendes Seminar-/Kursangebot und – einhergehend – ständig steigende Übernachtungszahlen mit Mehrumsatz, auch wenn in Coronazeiten und wegen lärmiger Baustellen Abstriche hingenommen werden mussten und eine längerfristige Planung erschwert war. Das Kloster, bestückt mit 71 Hotelzimmern und 110 Betten, zählt inzwischen regelmässig 15000 bis 18000 jährliche Logiernächte, aber auch schon 30000 Mittag- und Abendessen, wenn zum Beispiel Jubiläen oder Weihnachten gefeiert werden. Damit lassen sich jährlich rund 4 bis 4.5 Millionen Franken erwirtschaften.

Namensänderung und Ausbau

Für den Boom im Seminarhotel und Bildungshaus der evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons gibt es laut Jürgen Barth mehrere Gründe. Angefangen hat das in den Jahren 2007/08 mit der Umbenennung vom «Haus der Stille und Besinnung» in «Kloster Kappel» und dem damit verbundenen Ausbau der Infrastruktur für rund 8 Millionen Franken. «Die Namensänderung nach gut 25 Jahren war wichtig für unseren Auftritt nach aussen, wo wir das Thema Spiritualität und Gastlichkeit ins Zentrum gerückt haben», sagt Jürgen Barth. Für ihn auch entscheidend: der Startschuss für einen sichtbaren Hotelbetrieb, der sich durch Angebot und Dienstleistungen auszeichnet und einen Berührungspunkt zur Kirche darstellt. «Ein hervorragendes Verkaufsargument und eine einzigartige Konstellation auch mit Blick auf die Geschichte des Klosters, denn hier wurde Schweizer Geschichte geschrieben. Hier kann Historie sozusagen angefasst werden», fügt Barth bei. Eine hervorragende Auslastung ist das Resultat. Seminare und Kurse boomen. In Kappel treffen sich Privatfirmen und Non-Profit-Organisationen zu Retraiten, Weiterbildungen oder Workshops: Banken, Versicherungen, aber auch Mitarbeitende von Universitäten, der ETH oder der Polizei. Hierzu stehen 18 Räume für Führungsseminare, Mitarbeiterschulungen oder strategische Klausuren zur Verfügung – ein optimaler Rahmen für konzentriertes Arbeiten und frische Perspektiven. Auch für Feste stehen die Türen offen, zum Beispiel für Hochzeiten, dazu kommen auch Tagesgäste und – vorab im Hochsommer – Touristen. Laut Jürgen Barth steht der Seminarbetrieb zu 55 Prozent in wirtschaftlichem Kontext, das eigene Kursangebot an Wochenenden macht rund 20 Prozent aus.

Für weiteres Wachstum sorgen auch die zehn neuen Studios auf drei Etagen im Dachgeschoss des Amtshauses, das von der Landeskirche für 4.5 Millionen Franken saniert und umgebaut worden ist – eine Geduld erfordernde Angelegenheit, die sich über drei Jahre erstreckt hat. Die Statik, aber auch behördliche Auflagen haben die Angelegenheit verzögert. Nun können die Studios ab 1. Mai 2026 vermietet werden. «Es gibt schon viele Anfragen», fügt Jürgen Barth bei. Die Wohnungen im neu erstellten Spicher sind allesamt vermietet (der Spicher ist Teil des Erneuerungs- und Revitalisierungsprojekts des Vereins Kloster Kappel, über das der «Anzeiger» regelmässig berichtet). Mieterinnen und Mieter können auf Wunsch den Hotelservice in Anspruch nehmen. Die Erstmieter und Erstmieterinnen müssen sich für mindestens ein Jahr Miete verpflichten.

«Nicht mehr der Zeit nachjagen»

«Verpflichtung» – das stand für Jürgen Barth in Kappel während 22 Jahren im Vordergrund. Er freut sich auf die Zeit, wenn das nicht mehr an erster Stelle steht. «Nicht mehr der Zeit nachjagen», lautet seine Devise, wenn er Ende Juni die Schlüssel abgibt. Dieser Akt ist für ihn zweifellos mit Wehmut verbunden und mit Erinnerungen an eine schöne Zeit, geprägt durch eine gute Zusammenarbeit mit der Landeskirche, insbesondere mit der damaligen theologischen Leiterin Dorothea Wiemann und der Kirchenrätin Jeanne Pestalozzi – ausserdem mit langjährigen Wegbegleitungen durch Pfarrerin Elisabeth Wyss und Pfarrer Markus Sahli, aber auch mit der aktuellen theologischen Leitung, die seit Februar 2025 Pfarrer Andreas Nufer obliegt. Er ist verantwortlich für die inhaltliche Gestaltung der Bildungs- und Kursangebote sowie für theologische Fragen im Kloster.

«Den Kopf freibekommen, bei Reisen den Nachholbedarf stillen und wieder vermehrt am Kochherd stehen»: Das steht bei Jürgen Barth in der Nach-Kappel-Zeit im Vordergrund.

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