Der Kirchturm zeigt wieder Spitze

Das Aufrichtefest bei der reformierten Kirche Mettmenstetten lockte viele Dorfbewohner an

Die Wetterfahne wurde vorsichtig mit Plastikfolie umhüllt. (Bilder Andrea Bolliger)

Die Wetterfahne wurde vorsichtig mit Plastikfolie umhüllt. (Bilder Andrea Bolliger)

Sarina Maurer-Suter, Magdalena Suter und Karl Sigrist liessen die Renovierung Revue passieren.

Sarina Maurer-Suter, Magdalena Suter und Karl Sigrist liessen die Renovierung Revue passieren.

Die neue Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten wird verschweisst.

Die neue Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten wird verschweisst.

Besucher geniessen die Aussicht vom Kirchturm.

Besucher geniessen die Aussicht vom Kirchturm.

Präzisionsarbeit auf dem Gerüst: Die neu vergoldete Kugel wird montiert. (Bild zvg.)

Präzisionsarbeit auf dem Gerüst: Die neu vergoldete Kugel wird montiert. (Bild zvg.)

Wie sieht es denn im Innern der Kugel aus?

Wie sieht es denn im Innern der Kugel aus?

In den letzten Monaten ist das Äussere der Kirche gereinigt und ausgebessert worden. Auch wenn das Gerüst erst in den kommenden Wochen abmontiert wird, ist sichtbar, wie weiss die Mauern und wie hell das Dach im Vergleich zu vorher erscheinen. Karl Sigrist, Präsident der Kirchenpflege begrüsste Vertreter der Gemeinde, der Schulgemeinden und der katholischen Kirchgemeinde zum Aufrichtefest. Er liess die Geschichte der Renovierung Revue passieren. Erst habe man gemeint, die Kugel sei in gutem Zustand. Als das Gerüst stand und man sie aus der Nähe betrachten konnte, wurde erkannt, wie stark das Gold abgeblättert war. Es musste ein Zusatzkredit bewilligt werden. Anfang August wurde die Kugel mit der Wetterfahne entfernt und einer spezialisierten Firma übergeben, welche die Elemente neu vergoldet hat.

Diese Renovierung sei schon ein anspruchsvolles Unternehmen gewesen, sagte die für die Liegenschaften der reformierten Kirche Mettmenstetten zuständige Magdalena Suter. Sie präsidierte die Baukommission und lobte die Zusammenarbeit mit den einzelnen Mitgliedern, Karl Sigrist, Urs Fülscher, Bruno Sidler und Ruedi Kessler. Sie dankte auch fürs Verständnis der Anwohnenden für die mit den Bauarbeiten verursachten Emissionen. Als kleines Dankeschön an alle Beteiligten habe man ein Kaffeelöffelchen als «Bhaltis» machen lassen.

Architektin Sarina Maurer-Suter freute sich, über die zahlreich erschienen Besucher am Aufrichtefest. Sie habe eine schöne und intensive Aussenrenovierung leiten dürfen. Als Bürgerin von Mettmenstetten mache sie besonders stolz, dass das Wahrzeichen des Dorfes nun wieder in vollem Glanz erstrahlt und sie hoffe, dass es allen für lange Zeit Freude bereite. Sie anerkannte aber auch die Leistung der Mitarbeitenden, die teilweise in 30 bis 60 Metern ab Boden hervorragende Arbeit geleistet haben. Sie sei dankbar dafür, dass jeder Einzelne das Gerüst wieder gesund verlassen habe. Die Renovierungszeit sei aber auch vom Wetterglück begleitet gewesen, betont die Architektin.

Dokumente für die Nachwelt

Anschliessend an die Ansprachen und Dankesworte wurde die neue Zeitkapsel verschweisst. Der Fertigung hatte sich Werner Baur angenommen. Die alte Kapsel, von 1984 wurde nicht geöffnet, weil das Verzeichnis bekannt ist. Es sei für Generationen in 50 oder 100 Jahren interessanter und er hoffe, dass die Dokumente dann noch lesbar seien, meinte Karl Sigrist und fuhr fort: «Wir haben einen Stick in die neue Kapsel getan, vielleicht können sie diesen dann noch lesen, wir wissen es nicht.» Diese Bemerkung löste Schmunzeln aus im Publikum. Daneben enthält die Kapsel die Festschrift zum 900-jährigen Dorfjubiläum, Protokolle, Dokumente der Schulgemeinde, ein Behördenverzeichnis und einige Artikel aus dem «Anzeiger». So kann sich die Nachwelt ein Bild davon machen, was das Dorf in der Zeit um 2017 prägte. Die goldene Kugel, welche der Pneukran mittlerweile etwas vom Boden abgehoben hatte, animierte Kinder aber auch einige Erwachsene, einen Blick von unten ins Innere der Kugel zu werfen. Und obschon es verboten war, die goldene Kugel und die Wetterfahne zu berühren, hat sich der eine oder die andere Jüngere aus dem Dorf mit seinem oder ihrem Fingerabdruck auf den goldenen Elementen verewigt. Inzwischen wurden die beiden Zeitkapseln auf den Kirchturm gebracht und in den Sockel eingesetzt. Dann war es so weit und unter Applaus der Anwesenden wurde die Kugel himmelwärts verabschiedet. Während sie in über 90 Metern Höhe montiert wurde, blieb Zeit, sich mit einer gegrillten Wurst zu verköstigen oder bei Kaffee und Kuchen Beziehungen zu pflegen oder neue Kontakte zu knüpfen.

Besuch auf dem Kirchturm

Schliesslich wurde auch die Wetterfahne transportsicher in Plastik-Folie gehüllt und vorsichtig am Haken des Krans festgemacht, bevor sie auf den Turm gehievt und auf der Kugel montiert wurde.

Am Boden schimmerten jetzt die Instrumente der Musizierenden des Musikvereins Mettmenstetten, die den Anlass musikalisch untermalten. Nachdem die Montagearbeiten abgeschlossen waren, konnten die Besuchenden die Aussicht vom Kirchturm aus geniessen. Dies war schon im September einmal möglich gewesen, allerdings bei Regen. Bald hatte sich eine lange Warteschlange gebildet, um mit dem Lift aufs Gerüst zu fahren. Dort wurde weiter fleissig gefilmt und geknipst. So viele Bilder und Videos hat es wohl schon lange von keinem Anlass im Dorf mehr gegeben. Egal ob mit der Kamera des Mobiltelefons oder mit einem professionelleren Apparat. Die Besucher liessen den Nachmittag bei den letzten offerierten Speisen und Getränken gemütlich ausklingen. Auch diesem Anlass blieb das Wetterglück hold.

In der kommenden Woche werden Zeiger und Ziffern der Kirchturmuhr montiert. Dann werden das Gerüst abgebaut und Umgebungsarbeiten ausgeführt. Zirka Ende November wird die Renovierung ganz abgeschlossen sein. Karl Sigrist konnte am Samstag verkünden, dass das Budget eingehalten werden konnte.

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