Der Knollensellerie hat Durst

Die anhaltende Trockenperiode schadet den landwirtschaftlichen Kulturen. Vor allem die Gemüsebauern sehen sich gezwungen, wenn immer möglich künstlich zu bewässern. Aber auch die Aussicht auf eine zufriedenstellende Ernte bei den Mais-, Rüebli- und Zuckerrübenfeldern schwindet dramatisch.

Der Knollensellerie hat grossen Durst: Eine direkte Pumpleitung aus der Reuss bei Ottenbach. <em>(Bild Martin Mullis)</em>
Der Knollensellerie hat grossen Durst: Eine direkte Pumpleitung aus der Reuss bei Ottenbach. <em>(Bild Martin Mullis)</em>

Ein blauer Himmel, sommerlich heisse Temperaturen und fröhliches Kinderlachen in den Schwimmbädern lassen die Ferienstimmung steigen. Doch die Sauregurkenzeit hat auch eine Kehrseite, die anhaltende Trockenheit des Hochsommers schafft an vielen Stellen in der Natur auch negative Folgen.

Der Rasen in vielen gepflegten Gartenanlagen weist bereits eine trostlose gelbliche Farbe auf, und manche Magerwiese gleicht eher einer staubigen ausgetrockneten Steppenlandschaft als einer Blumenwiese. Zuckerrüben und Kartoffeln wachsen bei den hohen Temperaturen kaum mehr. Die Rekordhitze bereitet den Landwirten grosse Sorgen. Aufgrund der langsam dramatischen Regenarmut bewilligt nun das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) eine vereinfachte Bewilligung zur Wasserentnahme aus einigen ganz bestimmten Gewässern. Die steigende Zahl von Gesuchen für Bewässerungen von landwirtschaftlichen Kulturen veranlasst das Awel, ein vereinfachtes Verfahren für die Wasserentnahme aus dem Zürich-, Greifen- und Pfäffikersee sowie aus den Flüssen Rhein, Thur, Limmat, Sihl, Reuss und Glatt einzuführen. Die Kompetenz für die Wasserentnahme wurde den Gemeindeverwaltungen übertragen.

Im Säuliamt betrifft die Genehmigung lediglich die Reuss – und damit auch nur die Landwirte der Gemeinden Ottenbach und Obfelden. Für die Landwirte in den beiden Reussdörfern ist eine künstliche Bewässerung durch Reusswasser keine wirklich rentable Option.

Die Bewässerung der Felder mit dem Druckfass ist zeitintensiv

In den entsprechenden Gemeinden haben denn auch bis zum gestrigen Donnerstag keine Bauern um eine entsprechende Bewilligung nachgesucht. Bei der seit Wochen herrschenden extremen Trockenheit schaffen lediglich Rohrleitungen und sogenannte Grossflächenregner, welche über längere Zeit eingesetzt werden, wirklich Abhilfe. Das Bewässern der Kulturen mit Druckfässern ist zeitintensiv, kostspielig und aufwändig. Die Rekordhitze verursachte völlig ausgetrocknete Oberböden, das meiste Wasser verdunstet bevor es die Wurzeln erreicht. So bedeuten kurze Gewitterregen für die Bauern im wahrsten Sinne des Wortes lediglich einen Tropfen auf den heissen Stein.

Der Gemüsebauer Roland Moser in Obfelden besitzt für den Wasserbezug aus der Reuss seit einigen Jahren eine Dauerbewilligung. Er kämpft mit einer professionellen Bewässerungsanlage gegen die herrschende Trockenheit. Das Wasser wird der naheliegenden Reuss entnommen und mit riesigen Fontänen verteilt eine Sprinkleranlage das kostbare Nass auf die durstigen Knollenselleries. Seine Sprinkler verbrauchen momentan im Durchschnitt bis zu zehn Kubikmeter Reusswasser pro Stunde. Gemüsebauer Moser hält fest, dass gemäss seinen Erinnerungen in den letzten 42 Jahren nie mehr eine derart lange Trockenperiode herrschte.

Die Wetterprognosen versprechen zum Leidwesen der Bauern keine wesentlichen Änderungen. In den kommenden Tagen soll es weiterhin heiss und trocken bleiben. Zwar sollen am Wochenende lokale Gewitter für momentane Abkühlung sorgen, die Probleme für die Landwirtschaft dürften jedoch bestehen bleiben. Auch um der Waldbrand-Gefahr zu begegnen, müsste es mindestens zwei bis drei Tage kräftig und permanent regnen.

Weitere Artikel zu «Bezirk Affoltern», die sie interessieren könnten

Bezirk Affoltern27.08.2026

Müller‑Mehrheit – und die Säuliamt‑Spezialitäten

Offizielle Namensdaten: Im Bezirk Affoltern dominieren die grossen Schweizer Klassiker
Maschwanden fällt aus der Reihe
Bezirk Affoltern27.08.2026

Maschwanden fällt aus der Reihe

Fortsetzung: «Müller-Mehrheit – und die Säuliamt-Spezialitäten»
Ungleiches Abstimmungsbudget? Schweizweit, so auch im Knonauer Amt, finden sich viele Plakate, die für eine Annahme der Neutralitätsinitiative werben, wie dieses hier in Affoltern. Solche für die Ernährungsinitiative sind eher selten zu sehen, we
Bezirk Affoltern27.08.2026

Neutralität und Ernährung im Fokus

Über diese zwei nationalen Abstimmungsvorlagen gilt es, am 27. September an der Urne zu befinden