Der Mensch hört, was er hören will
Alle kennen es aus Paarbeziehungen: Was sie sagt, kommt nicht in ihrem Sinn bei ihm an – und umgekehrt. Weil Zuneigung die Kommunikation schwierig macht. Nicht die einzige Quintessenz des Themenabends mit illustren Rednern aus Wirtschaft, Sport, Kunst und Kirche.

«Bei meiner seelsorgerischen Tätigkeit komme ich mir oft vor wie ein Konkursverwalter und Folkloreassistent.» Schallendes Gelächter am letzten Dienstagabend im vollen Kappeler Gemeindesaal. Hermann-Josef Zoche zeigte mit seinem Eingangsreferat, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums mit überraschender, effektreicher Kommunikation gewinnt. Mit viel Witz, Selbstironie, Schlagfertigkeit, aber auch mit leisen, nachdenklichen Anmerkungen, referierte der Theologe und Philosoph rhetorisch gekonnt über seine Alltagserfahrungen mit dem Thema «Führen und Kommunizieren in den Spannungsfeldern von Konflikt und Emotionen».
Eingeladen hatte Christoph Balmer, Fachstellenleiter des Forums Kirche und Wirtschaft der katholischen Kirche Zug. Mit Tschümperlin-Geschäftsführerin Carla Tschümperlin, dem früheren Eishockey-Spieler, -nachwuchstrainer und heutigen CEO des Eishockey-Vereins Zug (EVZ) Patrick Lengwiler, Dirigent Howard Griffiths und Pater Zoche hat es Balmer erneut geschafft, eine hochkarätige Runde auf die Bühne zu bringen. Moderiert von Publizistin Esther Girsberger entstand eine kurzweilige, informative und facettenreiche Gesprächsrunde mit Aspekten aus Wirtschaft, Sport, Kunst und Religion.
Mit viel Witz und Selbstironie
Zoche pries die Kirche als ältestes Unternehmen an, das in einem kleinen Stall begonnen hatte und löste damit abermals Erheiterung aus. Dann wurde er wieder ernst und sagte: «Kommunikation ist mehr als Sprache und Reden. Sie ist ein gesamtmenschliches Ereignis.» Als Beispiel zitierte er den Lyriker Eugen Roth: «Ein Mensch, der beinah mit Gewalt, auf ein sehr hübsches Mädchen prallt, ist ganz verwirrt, er stottert, stutzt, und lässt den Glücksfall ungenutzt. Was frommt der der Geist, der aufgespart, löst ihn nicht Geistesgegenwart? Der Mensch übt nachts sich noch im Bette, wie strahlend er gelächelt hätte.»
Für Zoche ist aber auch klar: Jeder Mensch kommuniziert auch mit dem, was er nicht sagt. Gelungene Kommunikation sei eine Herausforderung, weil in jedem Satz vier Aussageebenen mitschwingten: Selbstaussage, Appellebene, Beziehungsebene und die Sachebene. Je nach Beziehung, Tonalität der Ansage und der Stimmung von Absender und Gegenüber kann die Nachricht leicht auf die falsche Ebene geraten. Je mehr man sich mag, desto schwieriger werde das Ganze. «Gelungene Kommunikation lässt zuerst ins Gegenüber hineinhören», nannte Zoche den prinzipiellen Ansatz der gewaltfreien Kommunikation. Vollendete Kommunikation sei auch ein Einswerden mit der Kommunikation Gottes. Wer Kommunikation lernen wolle, müsse aber zuerst die Stille lernen.
Ruhe und Schweigen als Schlüssel
«Stille ist ein Schlüssel», hakte Carla Tschümperlin ein und Howard Griffiths pflichtete ihr bei. «Bevor ich jedoch meine Mitarbeiter von dem überzeugen kann, was ich will, muss ich mir darüber im Klaren sein, was ich selber will», führte Tschümperlin aus. Wie essenziell die eigene Haltung in der nonverbalen Kommunikation ist, demonstrierte Dirigent Griffiths anhand eines eindrücklichen Geburtstagsständchens, das er das Publikum spontan für ein Geburtstagskind singen liess. Entsprechend seiner Mimik und Gestik variierten die Leute im Chor automatisch ihren Gesang: lauter, leiser, schneller, langsamer – ohne zuvor geübt zu haben. «Man muss die Leute von seinen Ideen überzeugen», erklärte Griffiths seine Arbeitsweise. Die Zeiten, wo man Musiker vor versammeltem Orchester blossstellte, wie das seinerzeit noch Arturo Toscanini praktiziert hatte, seien vorbei.
Patrick Lengwiler gab sich keinen falschen Illusionen hin: «Wo geballte Emotion im Spiel ist, kann die gewünschte Kommunikation unmöglich werden». Es gebe immer Leute, die nicht verstehen wollen. Manchmal sei es aber tatsächlich gescheiter, man kommuniziere nicht umgehend, sondern lasse die Gemüter zuerst abkühlen. Tschümperlin ergänzte: «Man muss erkennen, was das Gegenüber verstanden hat. Das braucht mehr Zeit. Entscheidungen können sich deshalb verzögern.» Zoche: «Man kann jeder und jedem alles sagen, wenn der Moment, die Art und die Absicht stimmen.» Lengwiler merkte selbstkritisch an: «In unserem Sportbetrieb fehlt leider oft die Ruhe.» Zoche relativierte mit einem Sprichwort: «Kein Omlett ohne Eier.» Und folgert: «Es gibt auch konstruktive Konflikte, die aus der Kommunikation entstehen.» Tschümperlin pflichtete ihm bei: «Konflikte sind immer auch eine Chance. Krisensituationen prägen Menschen mehr, wie Zeiten des Friedens.»


