«Der Musik war ich immer treu»
Der Affoltemer Musiker und Lebenskünstler Fredi Früh hat sich vom Rebellen zum Macher entwickelt.

Vom Frontalunterricht in der Schule hat Fredi Früh nie viel gehalten. Er war ein Träumer, der immer lieber aus dem Fenster schaute, anstatt über trigonometrischen Fragestellungen oder Vergleichbarem zu brüten. Einzig im Gitarrenunterricht fühlte er sich wohl. Am Abend sass er dementsprechend in seinem Zimmer und zupfte an den Saiten, anstatt Hausaufgaben zu machen. Trotzdem war er ein passabler Schüler und schaffte auf Drängen der Mutter die Gymiprüfung.
Exzess war Teil des Lebensgefühls
«Im Gymi sass ich jedoch viel öfter an der Sihl oder am See, kiffte, trank Bier und spielte Gitarre», erinnert sich Fredi Früh. Darunter litten natürlich seine Noten. Er musste ein Jahr wiederholen, dann wechselte er das Hauptfach und schliesslich steckten ihn die Eltern in ein Internat, wo er ein halbes Jahr vor Abschluss der Matura aus der Schule flog – wegen mangelhaften Betragens gegenüber Autoritätspersonen: «Da stand ich also, nach acht Jahren in der Kantonsschule, ohne Matura. Zudem hatte ich meine Mutter masslos enttäuscht, die alleinerziehend war und viel gearbeitet hat, um mir die Matura zu ermöglichen, damit mir alle Wege offengestanden wären.»
Für Fredi Früh begannen damit seine wilden Wanderjahre: «Es waren die 1980er und Zürich pulsierte in einer aufrührerischen Stimmung. Wir tranken, kifften, feierten und experimentierten mit Drogen. Der Exzess war Teil des Lebensgefühls und wir nahmen einen Tag nach dem anderen. Wir waren die bürgerliche Leistungsmentalität unserer Eltern satt und rebellierten so intensiv wir konnten.» Gleichzeitig musste Fredi Früh aber auch für seinen Lebensunterhalt aufkommen. Er arbeitete unter anderem als Friedhofsgärtner, Pöstler, Chauffeur, Produzent biologischer Süssigkeiten, Hilfspfleger und jahrelang als Kellner. Zwischendrin verbrachte er zudem eineinhalb Jahre in Indien: «Dort passierte ein sehr wichtiger Teil meiner persönlichen Entwicklung. Die Suche nach Wahrheit hat mich angetrieben und jahrelang habe ich zurückgezogen gelebt, meditiert und bin der Frage nachgegangen, wer ich bin. Nun weiss ich, dass es auf diese Frage keine Antwort gibt. Das Leben ist ein zeitloses Wunder, und das sogenannte Ich ein Traum.»
Pionier der Biobewegung
Als es ihn für einige Jahre nach Deutschland zog, arbeitete er mit Freunden auf einem Biohof, gründete einen Bioladen und betätigte sich auch als Marktfahrer mit biologischem Gemüse: «Wir waren Pioniere. Spritzmittel galten in der Landwirtschaft damals noch als kritiklos akzeptiertes Erfolgsrezept. Es gab aber eine ganze Generation junger Erwachsener, die sich nachhaltig ernähren wollte. Aus den Revolutionären der frühen 80er-Jahre wurden Macher, die sich lange genug aufgelehnt hatten. Nun wollten wir etwas verändern.» Wie erfolgreich die Bio-Bewegung war, zeigt ein Blick in Supermarktregale im deutschsprachigen Raum. Bioprodukte sind heute absolut massentauglich.
Als einzige Konstante wurde Fredi Früh von der Kindheit an von der Musik begleitet: «Gitarre zu spielen, zu komponieren, kreativ zu sein, gab mir Halt. Vielleicht bin ich auch deshalb nie auf die schiefe Bahn geraten.» Ende 30 ging ihm auf, dass Musik eigentlich schon immer seine Berufung gewesen ist. Er gründete deshalb in Affoltern seine Gitarrenschule. Ein Inserat im «Anzeiger» genügte und er hatte einen ersten Kundenstamm. Danach lief alles über Mund-zu-Mund-Empfehlungen.
Kreativität als Hintertüre zum Erfolg
In seiner Musikschule setzt Fredi Früh auch bei den Schülerinnen und Schülern auf das Wecken der Kreativität. Anstatt nur Lieder bekannter Interpreten nachzuspielen, führt er sie mit verschiedenen Methoden an den kreativen Prozess heran: «Wer Spass am Experimentieren hat und sich im kreativen Bereich etwas zutraut, wird auch in Sprachen, bei Aufsätzen und allen kreativen Bereichen des Lebens besser. Es ist eigentlich ganz einfach, wer Spass an etwas hat, der wird auch gut darin. Gerade bei verträumten Kindern kann ich dank meiner eigenen Erfahrungen oft eine Hintertüre zum schulischen Erfolg aufstossen.»
Neben der Musikschule machte Fredi Früh immer auch für sich Musik, spielte in verschiedensten Bands und veröffentlichte zahlreiche CDs. Momentan ist er mit den «Clintonics» und «Pad Hazel» regelmässig live zu sehen. Und er hat auch noch einige Träume, die er sich als Musiker erfüllen will.


