Deutlich mehr Anfragen bei der Feuerpolizei
Seit Crans-Montana hat vielerorts im Bezirk ein Umdenken eingesetzt

Mit der Brandkatastrophe in Crans-Montana Anfang Jahr ist eine Kontrollinstanz in den Fokus gerückt, die sonst selten Schlagzeilen macht: die Feuerpolizei. Während vielerorts die Gemeinden die feuerpolizeilichen Kontrollen durchführen, ist im Bezirk Affoltern dafür zentral eine Stelle zuständig: das Dienstleistungscenter Amt (Dileca) in Affoltern. Drei Brandschutz-Experten und ein Brandschutz-Fachmann sorgen sich dort um die Brandschutzmassnahmen in den 14 Gemeinden des Bezirks – und mittlerweile auch weit über den Bezirk hinaus. Denn in Sachen Feuerpolizei gilt die Dileca im Kanton Zürich als eigentliches Kompetenzzentrum.
Brandschutzvorschriften verschärfen
Und das bekommt man in Affoltern seit der Tragödie im Wallis deutlich zu spüren. «Wir haben seither viel mehr Anfragen», sagt der Leiter der Feuerpolizei Erich Hausammann. Alle würden sich plötzlich für das Thema interessieren: Private ebenso wie Gemeinden. Während Private den Brandschutz in den eigenen Liegenschaften überprüft haben möchten («am liebsten sofort»), möchten Gemeinden entweder ihre Brandschutzvorschriften verschärfen oder die periodischen Kontrollen häufiger durchführen lassen als bisher. «Es laufen derzeit sehr viele Diskussionen», so Hausammann.
Als ein Beispiel von vielen nennt Dileca-Geschäftsführer Torsten Hartmann eine Gemeinde, die möchte, dass der Brandschutz in öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel Schulhäusern und Kitas künftig jährlich überprüft wird – und nicht nur alle vier Jahre, wie es die kantonale Gebäudeversicherung (GVZ) vorschreibt. Andere Gemeinden wiederum möchten die Besucherzahl von Veranstaltungen, welche eine Kontrolle nötig machen, von heute 300 Personen, deutlich reduzieren.
Zwischenfrage: Welche Veränderungen hat man bei der Dileca selber vorgenommen seit Crans-Montana? «Keine», sagt Hausammann, ohne zu zögern, «wir waren und sind sehr gut aufgestellt.»
Kontrolle vor Ort im Maschwanden
Ortswechsel, die Mehrzweckhalle Maschwanden. Es ist Freitagnachmittag. Erich Hausammann trifft sich mit Adrian Lüscher vom Dorfverein Maschwanden zur feuerpolizeilichen Kontrolle des geplanten Maskenballs, der tags darauf stattfinden wird. Für beide eine Routine-Angelegenheit; der Maskenball findet schon seit Jahren in der Halle statt, die Räumlichkeit ist bekannt, darunter die Fluchtwege und deren Breite. Erwartet werden rund 200 Besucherinnen und Besucher.
Dennoch kontrolliert Hausammann alles mit offenem Blick, will wissen, ob ein Treppenaufgang noch abgesperrt wird, prüft das Datum auf einem Feuerlöscher, lässt eine Türe aufschliessen, fragt nach einer Löschdecke in der Küche, erinnert daran, da und dort noch Fluchtwege freizuräumen. Alles in freundlichem, aber bestimmtem Ton.
Die Halle selber ist mit Brettern und mit Baustellenabsperrungen geschmückt (Motto: «Baustelle»), die Decke mit schwarzen Tüchern verhangen. Stoff an der Decke? Man erinnert sich mit Schaudern an die Bilder aus der Bar in Crans-Montana mit dem brennenden Schaumstoff an der Decke. Ist das zulässig? Ja, sagt Hausammann, die Tücher hier seien mit einer speziellen Flüssigkeit behandelt, sie seien nur schwer entflammbar. Hätte er Zweifel daran, würde er draussen ein Stück Tuch anzünden und schauen, ob der Stoff zu tropfen beginnt und sich giftige Gase entwickeln.
Hätte man das auch in Crans-Montana machen können, vielleicht sogar machen müssen? Der Brandschutz-Experte möchte sich nicht zur Katastrophe im Wallis äussern. Anders gefragt: Wie sieht es im Kanton Zürich mit den feuerpolizeilichen Kontrollen aus? Ist überall das nötige Fachwissen vorhanden, der nötige Personalbestand, werden Daten sicher archiviert? Hausammann beantwortet die Frage mit der Feststellung, dass der Bezirk Affoltern mit der interkommunalen Dileca eine Ausnahme im Kanton Zürich sei. In vielen anderen Gemeinden seien nach wie vor kommunale Angestellte mit feuerpolizeilichen Fragen beauftragt, mancherorts sei die Aufgabe auch auf Ingenieurbüros übertragen worden.
«Eigenverantwortung – jederzeit»
Zurück zur Kontrolle in Maschwanden. Ganz am Schluss erfolgt bezüglich Verantwortlichkeit der wichtigste Akt: Adrian Lüscher muss die feuerpolizeiliche Checkliste unterschreiben. Die Verantwortung liegt damit nun bei ihm. Werden die in der Liste aufgeführten Punkte nicht umgesetzt oder nachträglich Änderungen etwa an Räumlichkeiten oder an Fluchtwegen vorgenommen (Beispiel Crans-Montana), ist dafür er verantwortlich – nicht die Feuerpolizei.
Es ist dies ein zentraler Punkt bei allen Brandschutzmassnahmen bei Veranstaltungen, in Clubs und in Gastrobetrieben: Eigenverantwortung, «jederzeit und unabhängig von Kontrollen», wie es in einem Merkblatt der Beratungsstelle für Brandverhütung heisst.
Nach rund 20 Minuten ist die Kontrolle in Maschwanden vorüber. Eine vergleichsweise kurze Kontrolle für Hausammann. Denn manchmal kann es auch mal ein paar Stunden dauern, etwa wenn es um ein Shopping-Center geht oder ein Spital – und zwar nicht nur im Bezirk Affoltern. Die Dileca kontrolliert im Auftrag der GVZ periodisch in mittlerweile sechs Bezirken (Affoltern, Dielsdorf, Dietikon, Horgen, Meilen und Uster) «Bauten und Anlagen mit erhöhtem Brandrisiko». Dazu kommen alle Gefängnisse im Kanton, total 162 Objekte. Dafür sind rund 180 Stellenprozente eingeplant.
Dazu kommen die feuerpolizeilichen Aufgaben in den 14 Gemeinden des Bezirks. So müssen jährlich über 60 Baukontrollen und rund 150 Bauabnahmen durchgeführt werden (Zahlen Geschäftsbericht 2024). Nicht zu vergessen die Begutachtung von 300 Baugesuchen.
Solange der Brand in Crans-Montana im öffentlichen Bewusstsein bleibt – und das wird angesichts der zu erwartenden Gerichtsverfahren wohl noch einige Jahre lang der Fall sein –, dürfte die Arbeit nicht weniger werden.


