«Suche nach weiterem Wohnraum in Affoltern läuft auf Hochtouren»

Es gibt noch weitere Herausforderungen beim Flüchtlingsthema

Flüchtlingskinder beim Einschulungsvorbereitungskurs. (Bild Alex Spichale / CH Media)
Flüchtlingskinder beim Einschulungsvorbereitungskurs. (Bild Alex Spichale / CH Media)

Die Mehrzahl der vom «Anzeiger» befragten Gemeinden gibt an, mit dem stetigen Zustrom an Flüchtlingen zurechtzukommen, auch wenn das mit Herausforderungen verbunden ist.

Viel zu tun in Affoltern

Am meisten zu tun hat man derzeit wohl im Bezirkshauptort. Bis 2022 erfüllte die Stadt Affoltern die vom Kanton geforderte Asylquote durch das kantonale MNA-Zentrum Lilienberg, ohne dass weitere Asylsuchende aufgenommen werden mussten. Seither hat der Kanton Zürich die Quote laufend erhöht. Gleichzeitig wurde die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner im MNA-Zentrum reduziert. Um die Quote zu erfüllen, müssen derzeit 193 Personen aufgenommen werden, so Stadtschreiber Stefan Trottmann in einer Stellungnahme. Im Lilienberg können 50 angerechnet werden, also müssen zusätzlich 143 Personen aufgenommen werden. Ende März leben 97 zusätzliche Asylsuchende in der Stadt. Damit die Quote erfüllt werden kann, müssen weitere 46 Personen aufgenommen werden. Zur Betreuung der Asylsuchenden wird in der Abteilung Soziales und Gesellschaft deshalb der Fachbereich Asyl aufgebaut, was zu einem höheren Personalaufwand führt. «Es sind 20 Wohnungen angemietet. Die Suche nach weiterem Wohnraum läuft auf Hochtouren, was allerdings sehr herausfordernd und zeitaufwendig ist», so Trottmann.

Handeln auf Bundesebene gefordert

Gemeinderat Ronald Alder berichtet aus Ottenbach, dass die Aufnahmequote aktuell 1,3 Prozent betrage. Das Soll betrage 45 Personen. «Aktuell sind 44 bei uns wohnhaft, wovon 39 zum Kontingent zählen», so Alder. Die Situation ist also recht entspannt. Aber: «Wenn nächstes Jahr die Flüchtenden aus der Ukraine (Schutzstatus S) aus dem Kontingent fallen, dann wird sich die Wohnsituation vermutlich verschärfen», so Alder. Darum sei es wichtig, dass auf Bundesebene gehandelt werde, sodass die Flüchtenden aus der Ukraine nicht aus dem Kontingent fallen. Und weiter:

«Bei uns ist die Solidarität nach wie vor gross, worüber ich sehr dankbar bin. Wir hatten letztens ein Angebot aus der Wohnbevölkerung, Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Das Angebot haben wir sorgfältig geprüft, mussten es dann aber in Absprache mit den zuständigen Stellen des Sozialdienstes Bezirk Affoltern nicht in Anspruch nehmen», so Alder.

Nicht ganz erfüllt ist die Quote in Maschwanden: Aufgrund der Einwohnerzahl von aktuell 665 müssten derzeit 10 Personen aufgenommen werden. «Aktuell haben wir vier Personen mit dem Status S in unserer Gemeinde. Drei Personen sind in der Wohnung neben dem Gemeindehaus untergebracht, eine Person ist bei einer privaten Person wohnhaft», schreibt Gemeindeschreiberin Chantal Nitschké.

Ausführlich Stellung genommen hat Gemeinderätin Carmen Müller aus Stallikon. Dort sollten 58 Personen aufgenommen werden, der aktuelle Ist-Bestand ist 46. «Wie viele Gemeinden im Säuliamt kämpfen auch wir mit einem knappen Wohnraum. Der Wohnungsmarkt ist praktisch ausgetrocknet. Um die Unterbringung sicherzustellen, müssen wir teilweise bereits Wohnraum in Nachbargemeinden mieten. Die Integration und Schule, mit hoher Fluktuation, unterschiedlichen Bildungsniveaus sowie sprachlichen Barrieren fordern unsere lokalen Schulen und die Verwaltung ebenso stark heraus», so Müller. Die im nächsten Jahr bevorstehende Aufhebung des Schutzstatus S habe auch Konsequenzen für Stallikon: «Dies wird die Gemeinden, somit auch Stallikon, vor eine schwierige Gratwanderung zwischen der Förderung der Integration (Arbeitsmarkt, Schule) und der gleichzeitig geforderten Rückkehrorientierung stellen. Eine besondere Herausforderung zeichnet sich bei vulnerablen Personen sowie bei Rentnern ab, die voraussichtlich nicht zurückgeführt werden können und somit dauerhaft in die ordentliche Sozialhilfe fallen werden», so Müller.

Zufriedenstellende Integration

Die Gemeinde Bonstetten erfüllt die aktuellen kantonalen Vorgaben im Asyl- und Flüchtlingsbereich derzeit weitgehend. Mit einer aktuellen Quote von rund 1,4 liegt Bonstetten geringfügig unter dem Sollwert. «Die Lage in der Gemeinde ist derzeit stabil. Es bestehen aktuell keine besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Unterbringung oder Betreuung von geflüchteten Personen. Die Integration verläuft insgesamt zufriedenstellend», heisst es in einer Mitteilung der Gemeinde. Ein Teil der aufgenommenen Personen nehme aktiv am gesellschaftlichen Leben teil, unter anderem durch die Mitwirkung in lokalen Vereinen wie dem Fussballclub. Zudem sei es einzelnen Personen gelungen, eine Berufslehre zu beginnen, was als positiver Integrationsschritt zu werten ist. «Die Unterbringung erfolgt überwiegend in regulären Mietwohnungen sowie in gemeindeeigenen Liegenschaften. Dadurch kann eine angemessene und dezentrale Unterbringung sichergestellt werden», so Many Malis, Vorsitzender der Geschäftsleitung. Aktuell leben 44 Flüchtlinge in Hedingen, was einer Quote von 1,11 Prozent entspricht. Gemäss der vorgegebenen Quote von 1,5 Prozent bedeutet dies, dass Hedingen zusätzliche Unterkünfte für rund 16 weitere Flüchtlinge bereitstellen muss. «Die grösste Herausforderung besteht derzeit im angespannten Wohnungsmarkt. Es mangelt allgemein an verfügbarem Wohnraum und insbesondere an bezahlbaren Wohnungen», so Gemeindeschreiberin Suzana Sturzenegger gegenüber dem «Anzeiger».

Mettmenstetten teilt mit: Das Soll liegt bei 88 Personen, tatsächlich werden 77 Personen betreut, was einer Quote 1,32 Prozent entspricht. Die Mehrheit der Asylbewerbenden stamme aus Afghanistan, der Ukraine oder aus Syrien. «Noch immer ist die Bereitstellung von Wohnraum die zentrale Herausforderung. Derzeit beschäftigt uns, respektive den Sozialdienst Bezirk Affoltern, dass noch keine konkreten Angaben zur Änderung des Aufenthaltsstatus der Schutzsuchenden aus der Ukraine vorliegen, zumal die Budgetierung 2027 bevorsteht. Zudem erhalten zunehmend Personen aus Afghanistan den Aufenthaltsstatus B und gehören damit nicht mehr zum Kontingent, verbleiben jedoch mangels Alternativen weiterhin in den Asylwohnungen. Ab 2027 dürfte sich dieses Phänomen mit dem Auslaufen des Status S voraussichtlich verstärken», so Medina Krizevac, in Mettmenstetten zuständig für dieses Thema.

«Wir haben die Wohnlage im Griff, es läuft derzeit relativ gut», sagt der stellvertretende Gemeindeschreiber Remo Buob aus Wettswil. Woran das liegt? «Das ist dank der guten Beziehungen, die wir hier im Dorf pflegen. Wir haben eher ein Plus an Wohnungen, einige gehören der Gemeinde, andere mieten wir zum Beispiel von Genossenschaften oder Privaten.» 85 Personen muss Wettswil aufnehmen. «Bei uns haben diese in gegen 25 Wohnungen und Zimmern, die uns zur Verfügung stehen, Platz», so Buob.

Einen Flüchtling «zu viel» hat man in Aeugst: Derzeit werden dort 30 Personen betreut, das Soll liegt bei 29 Personen. Damit erreicht Aeugst eine Quote von 1,66 Prozent. Die Mehrheit der Personen aus dem Asylbereich stammt aus Afghanistan und der Ukraine. Auch in Aeugst gilt: «Die Integration von jungen, bildungsfernen Personen aus dem Asylbereich in den Arbeitsmarkt ist eine grosse Herausforderung. In Bezug auf den Wohnraum ist die Gemeinde Aeugst derzeit gut aufgestellt. Sollten aber Wohnungen gekündigt werden, wird die Suche nach neuem Wohnraum herausfordernd», sagt auch Gemeindeschreiber Vit Styrsky.

Dankbar für Rückmeldung

Insgesamt hat Alexander Schibli vom Sozialdienst viel Lob für die Gemeinden übrig: «Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden ist konstruktiv und lösungsorientiert. Wir sehen diese als partnerschaftlich und effizient. Der Effort der Gemeinden in den letzten Jahren war enorm.» Sollte jemand verfügbaren Wohnraum haben, sind die jeweiligen Gemeinden dankbar um Rückmeldung.

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