Die Aeugster KommBox wird 20

Das Mini-Museum feiert sein Jubiläum mit einer neuen Ausstellung, die am Mittwoch eröffnet wurde

Fabienne Dubs und Mike Stillhard vor ausgewählten Erinnerungsstücken der Ausstellung in der KommBox Aeugst.(Bild Sandra Isabél Claus)
Fabienne Dubs und Mike Stillhard vor ausgewählten Erinnerungsstücken der Ausstellung in der KommBox Aeugst.(Bild Sandra Isabél Claus)

Vor 20 Jahren wurde das Schulhaus Dorf in Aeugst zum Gemeindehaus umfunktioniert. Mit dem ehemaligen Lehrerzimmer wusste die Gemeinde nicht so recht, was anzufangen. Soll es eine Garderobe mit Sitzecke werden, ein Warteraum vor der Kanzlei? Dank der Initiative des Aeugsters Mike Stillhard kam es anders. Er schlug einen offenen und lebendigen Aktions- und Kulturraum für Ausstellungen mit Bezug zum Dorf vor. Der damalige Gemeindepräsident, Ruedi Bieri, stimmte dem engagierten Vorhaben mutig zu. Und so war die KommBox geboren.

Bestimmung gefunden

In den vergangenen 20 Jahren entwickelte sich die KommBox von einer Idee zu einem etablierten Kulturort. Stolz verkündet Mike Stillhard: «Heute funkelt die KommBox heller denn je. Sie ist ein Ort der Kultur, der Kreativität und des Austauschs.» 62 Projekte und Ausstellungen wurden zwischenzeitlich realisiert. Die 63. Ausstellung wurde anlässlich der Feierlichkeiten mit dem Thema «dihei i dä gmeind aeugst» der Kommission Dorfgeschichte eingeweiht.

Gewöhnliches wird ungewöhnlich

Einleitend erwähnt Kunsthistorikerin Fabienne Dubs, Präsidentin der Kommission Dorfgeschichte: «Wer Geschichte erforscht, interessiert sich für Menschen, nicht für Zahlen und Fakten.» Diese Haltung prägt seit 2023 die Arbeit der Kommission sowie die neu eröffnete KommBox-Ausstellung, welche die verschiedenen Lebensphasen – Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter und Lebensende – thematisiert. Erinnerungsstücke von Aeugsterinnen und Aeugstern aus dem 19. und 20. Jahrhundert eröffnen Einblicke in unterschiedliche Lebenswelten. Ganz nach dem Motto: Grosse Geschichte besteht aus unzähligen kleinen Geschichten. Es zählen nicht nur Schlachtfelder, Bauwerke und Monumente, sondern genauso Wohnhäuser, Ställe, Schulzimmer, Vereine und Familien. Denn Geschichte hat mit uns allen zu tun. «Die meisten Objekte hier wurden nicht geschaffen, um einmal in einer Ausstellung zu landen. Ein Schulpult, eine Postkarte oder ein Werkzeug waren einmal gewöhnliche Gebrauchsgegenstände. Erst die Zeit macht sie zu Zeugen», folgert Fabienne Dubs. Geschichte steckt oft nicht in aussergewöhnlichen Dingen, sondern in ganz alltäglichen.

Erinnerungen werden Geschichte

Interessant auch der Gedanke, dass jede Generation ihre eigene Gegenwart für selbstverständlich hält. Was heute «normal» erscheint, wäre für frühere Generationen unvorstellbar gewesen. Für sie gehörten umgekehrt zahlreiche Dinge zum Alltag, die heute längst verschwunden sind. Die Ausstellung «dihei i dä gmeind aeugst» macht diesen Wandel greifbar und dokumentiert, wie rasch sich Lebenswelten verändern, einst Gegenwärtiges zu Geschichte wird. Erinnerungen sind die Spuren von Menschen, die uns heute ihre Geschichten nicht mehr erzählen können, aber als Spiegel unserer eigenen Geschichte dienen. Das Bewahren von Erinnerungen lohnt sich also.

Überraschung zum Schluss

Damit Erinnerungen dauerhaft bewahrt werden können, erhält die Kommission Dorfgeschichte von der Gemeinde Aeugst die Möglichkeit, im ehemaligen Feuerwehrlokal in der Fabrik im Aeugstertal ein kleines Dorfmuseum einzurichten. Es wird den Namen «ZeitRaum» tragen – ein Ort für die Zeit, aber vor allem auch für Begegnungen, Austausch und die Auseinandersetzung mit der Dorfgeschichte. Die Finissage der aktuellen KommBox-Ausstellung am 5. September wird gleichzeitig die Eröffnung des neuen Dorfmuseums markieren und in ebendiesem stattfinden.

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