Die Anfänge des verdichteten Bauens

Sie ist eine der ersten Siedlungen, bei denen verdichtetes Bauen eine Rolle spielte und deshalb viel Grünraum zuliess: die Bruggenmatt in Bonstetten. Ab 1977 wurden dort insgesamt 153 Einheiten im Wohneigentum bezogen – eine von Rosmarie und Walter Mätzler. Sie sind auch nach 39 Jahren begeistert.

Rosmarie und Walter Mätzler fühlen sich seit 39 Jahren wohl in ihrem Fünfeinhalb-Zimmer-Haus in der Bonstetter Bruggenmatt. (Bild Werner Schneiter)
Rosmarie und Walter Mätzler fühlen sich seit 39 Jahren wohl in ihrem Fünfeinhalb-Zimmer-Haus in der Bonstetter Bruggenmatt. (Bild Werner Schneiter)

«Die Idee zu einer Gartensiedlung ­Bruggenmatt in Bonstetten entstand in Südafrika», sagt Architekt André Ruchti, der dort in den Jahren 1968 bis 1973 gelebt und gearbeitet hat. Zusammen mit Georges C. Meier, ebenfalls Architekt, entwarf er die Pläne für eine Überbauung, die an den Waldrand des Ettenbergs grenzt und dank Hangsituation eine Gestaltung mit maximaler Aussicht und Besonnung erlaubte. Was heute in aller Munde ist und sich zum allgemein gültigen Begriff aufschwang, fand Anfang der 70er-Jahre noch kaum Beachtung: Verdichtetes Bauen.

Genau das setzten die beiden Architekten damals um. Ihr Credo: möglichst kurze Erschlies­sung mit drei Unterniveau-­Garagen, eine klare Trennung von Fuss- und motorisiertem Verkehr mit optischen Elementen, Velo- und Containerräume, eine zentrale
Begegnungszone mit Mehrzweck-Gemeinschaftsraum – und sogenannte Kommunikationsgassen. Verdichtetes Bauen liess nicht nur bei jeder Wohneinheit einen Gartensitzplatz zu, sondern im Westteil einen grosszügigen Grüngürtel mit Bach, Teich und Fussballplatz: Ein Eldorado für Familien mit Kindern.

Auch das Eidgenössische Büro für Wohnungsbau fand Gefallen. Es schrieb am 17. April 1975: «Das Projekt Bruggenmatt Bonstetten wird uns als Beweis- und Referenzprojekt dienen; es dokumentiert, dass mit entsprechenden ­Planungsmassnahmen und dank der genossenschaftlichen Grundidee anspruchsvolle Bauvorhaben zu sehr vernünftigen Preisen ausgeführt werden können.» Weil sie die Anforderungen des Wohnbau- und Eigentumsförderungsgesetzes erfüllte, kam das Pilotprojekt Bruggenmatt auch in den ­Genuss von Bundeshilfe.

«Gründungsort» des Skiclubs
Bonstetten

So wurde die Gartensiedlung Bruggenmatt ab 1977 in Etappen realisiert. Seit 39 Jahren wohnen dort auch Rosemarie und Walter Mätzler, damals aus der Stadt Zürich nach Bonstetten umgezogen. Nicht nur wegen der Lage und wegen des «sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnisses», sondern auch, weil sie mit ihren Kindern in einem Verbund wohnen wollten – genau das, was die Bruggenmatt bietet. Und darüber hinaus konnte jede Wohneinheit individuell ausgebaut werden.

Da fühlte sich die Familie Mätzler sehr schnell heimisch und knüpfte auch sogleich Kontakte. Die Hanglage und der grosszügige Grünstreifen boten im Winter Gelegenheit zum Skifahren, während im Sommer Grasskifahren angesagt war. Da hegte Walter Mätzler wohl auch den Gedanken, einen Skiclub Bonstetten zu gründen, was dann 1984 tatsächlich geschah. «Anfänglich stammten etwa 80 Prozent der Skiclubmitglieder aus der Bruggenmatt», erinnert er sich. Schnell bot der Club auch eine Schneesportschule und ein Ganzjahresprogramm an. 2013 wurde gar eine «Ü60-Abteilung» gegründet, die heute rund 130 Mit­glieder zählt.

Gute Altersdurchmischung
In der Bruggenmatt zeigt sich, dass viele von der nachfolgenden Generation nach ihrem Wegzug später wieder zurückgekehrt sind. «Wir haben in unserem Quartier heute altersmässig eine gute Durchmischung, etwa 50:50», sagt Walter Mätzler.
Und dazu ein ausgesprochenes Zusammengehörigkeitsgefühl. «Junge offerieren in diesen Coronavirus-Zeiten mittels Anschlägen an Briefkästen ihre Einkaufshilfe», freut sich Rosmarie Mätzler. Ein sogenannter Bruggenmatt-Ausschuss, bestehend aus Quartierbewohnern, besorgt die administrativen Arbeiten. Nur die Haus­wartung wird extern vergeben.

Ein Rundgang durch das Fünfeinhalb-Zimmer-Haus bei Familie ­Mätzler zeigt auch die gute Bausub­stanz. Dies und die ganze Anlage lassen vergessen, wie Alteingesessene sie nannten, als die ersten Einheiten bezugsbereit waren: «Hühnerställe» oder «Legohäuser» …

Weitere Artikel zu «Bezirk Affoltern», die sie interessieren könnten

Bezirk Affoltern27.08.2026

Müller‑Mehrheit – und die Säuliamt‑Spezialitäten

Offizielle Namensdaten: Im Bezirk Affoltern dominieren die grossen Schweizer Klassiker
Maschwanden fällt aus der Reihe
Bezirk Affoltern27.08.2026

Maschwanden fällt aus der Reihe

Fortsetzung: «Müller-Mehrheit – und die Säuliamt-Spezialitäten»
Ungleiches Abstimmungsbudget? Schweizweit, so auch im Knonauer Amt, finden sich viele Plakate, die für eine Annahme der Neutralitätsinitiative werben, wie dieses hier in Affoltern. Solche für die Ernährungsinitiative sind eher selten zu sehen, we
Bezirk Affoltern27.08.2026

Neutralität und Ernährung im Fokus

Über diese zwei nationalen Abstimmungsvorlagen gilt es, am 27. September an der Urne zu befinden