Die direkte Demokratie lebt von der Debatte

Die Stimmberechtigten genehmigten das Budget 2019 und beschlossen den Steuerfuss um moderate 3 Prozentpunkte von 109 auf 106 Prozent (ohne Sek) zu senken. Weitere grössere oder kleinere Probleme sorgten in der Informationsrunde für längere Debatten.

«Ich kann nicht jedes Problem lösen»: Gemeindpräsident Christoph Lüthi in Aktion, rechts Gemeindeschreiber Bruno Hänni. <em>(Bild Martin Mullis)</em>
«Ich kann nicht jedes Problem lösen»: Gemeindpräsident Christoph Lüthi in Aktion, rechts Gemeindeschreiber Bruno Hänni. <em>(Bild Martin Mullis)</em>

In der Engelscheune durfte Gemeindepräsident Christoph Lüthi am letzten Mittwochabend 73 Stimmberechtigte zur Gemeindeversammlung begrüssen. Er hielt fest, dass dies die erste und zugleich auch letzte Gemeindeversammlung sei, die er führen werde. Er genoss sichtlich sowohl die vier Schrecksekunden der irritierten Frauen und Männer im Saal als auch das anschliessende Gelächter, bevor er mit den Worten «in diesem Jahr» fortfuhr. Das einzige Traktandum der Versammlung verlangte danach aber doch etwas mehr Ernsthaftigkeit. Finanzvorstand Walter Jäggi stellte das Budget 2019 ausführlich und in Details vor. Er bezeichnete dabei die Umstellung auf das vom Kanton verlangte Rechnungsmodell HRM2 als einen riesigen Aufwand. In seinen weiteren Erklärungen erwähnte er die zwei grössten Posten Schule/Bildung und die Kosten unter dem Titel «Soziales». Finanzvorstand Jäggi versicherte, dass sehr sorgfältig budgetiert worden sei, sodass eine Senkung des Steuerfusses um drei Prozentpunkte verantwortbar sei. Die Stimmberechtigten folgten seinen Schlussfolgerungen und stimmten sowohl dem Budget als auch dem Steuerfuss einstimmig zu. Den spontanen Applaus dürfte Jäggi nicht nur als Anerkennung für die geleistete grosse Arbeit, sondern auch für seine verständlich formulierte Darlegung der komplexen Materie erhalten haben.

Die «Riffi-Zytig» gab zu reden

Das letzte Traktandum unter dem Titel Information betraf zwei Anfragen an den Gemeinderat. Einerseits geht es um die Zukunft des Dorfblattes «Riffi-Zytig» und andererseits um die Dorfplatzgestaltung. Bei beiden Themen wurde der gutgelaunte Gemeindepräsident Christoph Lüthi mit Fragen, Anregungen und Aufforderungen bombardiert. Bei der Beantwortung wurde er fachkundig von der Gemeinderätin Claudia Strasky, zuständig für das Ressort Kultur und Sport, unterstützt, einige Wortmeldungen hätte jedoch selbst ein Prophet nicht beantworten können. Wie oft die «Riffi-Zytig» erscheinen soll, schwarz-weiss oder farbig, ob diese an alle Haushaltungen zugestellt oder am Schalter im Gemeindehaus aufliegen solle, lauteten die offenen Probleme. Eine ähnliche Knacknuss ist die beabsichtigte Dorfplatzgestaltung. Hier wurden Abschrankungen, verschiebbare Kugeln, Blumenschmuck und Ruhebänke diskutiert.

Probleme und skurrile Standpunkte

Dabei wurden auch ziemlich skurrile Standpunkte vertreten. So bedauerte ein Stimmbürger, dass sich vermehrt Einwohner in die Angelegenheiten des Dorfes einmischten, welche doch noch nicht einmal 20 Jahre hier wohnen würden. Ebenfalls fast als drakonisch und bedrohend wurden ungerechtfertigt benützte Parkplätze im Dorfkern moniert und Abhilfe gefordert. Die Gestik von Gemeindepräsident Christoph Lüthi wurde stets etwas ausholender. Ein Versammlungsteilnehmer brachte es auf den Punkt, er hielt – allerdings nur flüsternd – fest, dass Rifferswil eher eine Klagemauer als Ruhebänke benötigen würde.

Zum Schluss der Gemeinde versammlung gratulierte der Gemeindepräsident dem Gemeindeschreiber Bruno Hänni zu seinem aussergewöhnlichen Arbeitsjubiläum: Bruno Hänni amtet seit 30 Jahren als Gemeindeschreiber in Rifferswil. Der ehemalige Gemeindepräsident Armin Meier liess es sich nicht nehmen und hielt zu Ehren des Jubilars eine Laudatio, in der er einen kurzen Rückblick in vergangene Zeiten hielt und die grosse und zuverlässige Arbeit des langjährigen Schreibers würdigte.

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