Die Fortsetzung einer langen Tradition der Zusammenarbeit
Eine gemeinsame Strategie in Alters- und Gesundheitsfragen – das haben sich die 14 Bezirksgemeinden vorgenommen. Schon der Austausch unter den Leistungserbringern zeigt Wirkung.

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt stetig und damit auch der Anteil chronisch oder mehrfach erkrankter Menschen. Im Sinne einer integrierten Gesundheitsversorgung im Bezirk und mit dem an der Spitalabstimmung von 2019 gefassten Auftrag haben die Ämtler Gemeinden deshalb vor zweieinhalb Jahren eine gemeinsame Alters- und Gesundheitsstrategie lanciert. Erklärte Ziele sind eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Akteuren im Alters- und Gesundheitswesen, also etwa Spital, Ärzten, Pflege und Apotheken, sowie Koordination an den Schnittstellen. Im Zentrum stehen primär die Interessen der Patienten – und zwar von der Wiege bis zur Bahre –, aber auch ökonomische Faktoren. Nur schon dass wir die Leistungserbringer gemeinsam an den Tisch bringen, zeigt Wirkung», sagt Ronald Alder, Co-Leiter im Steuerungsausschuss Agsba. Der Kantonsrat sowie Gesundheits- und Sozialvorstand von Ottenbach nennt als Beispiel die jüngste Entwicklung bei den Hausärzten: «Plötzlich entstehen Gruppenpraxen.»
Ambulantes Angebot gestalten
Im Frühling ging die Agsba in die Umsetzungsphase. «Gestartet sind wir mit acht Projekten», so Beat Bär. Diese laufen nun mit unterschiedlichen Rhythmen und Schwerpunkten. «Im Zentrum stehen langfristige, nachhaltige Lösungen und nicht schnelle Ergebnisse», stellt Agsba-Projektleiter Beat Bär klar, «alles andere wäre unrealistisch.»
Das erste Projekt etwa, «Spital ambulant», lag nach der Publikation der provisorischen Spitalliste durch die kantonale Gesundheitsdirektion vorübergehend auf Eis. «Jetzt ist es wieder am Auftauen», so Beat Bär: «Es war wichtig, dass zuerst die Hausaufgaben des Kantons erledigt wurden.» Den Lead hat hier Stefan Gyseler, VR-Präsident des Spitals Affoltern und Gemeindepräsident von Hausen. Konkret wird erarbeitet, welche ambulanten Angebote – nebst den Spitalleistungen – die Region zusätzlich brauchen könnte und wie sich diese finanzieren lassen. «Die Agsba bietet mit ihrer Struktur und ihrem Netzwerk die Chance, etwas zu entwickeln, das im Interesse von allen Beteiligten ist», so Beat Bär.
Hausarzt und Alterswohnung
In einem zweiten Projekt geht es darum, die ärztliche Grundversorgung mit einem Zehn-Jahres-Horizont zu planen. Das umfasst nebst den Hausärzten auch die Kinder- und Frauenärzte sowie Psychiatrie und Psychotherapie. Dabei werden drei Regionen separat angeschaut: Im Norden die drei Unteramt-Gemeinden Stallikon, Wettswil und Bonstetten, in der Mitte Affoltern, Aeugst, Hedingen, Obfelden und Ottenbach sowie im Süden das erweiterte Oberamt mit Hausen, Rifferwil und Kappel sowie Mettmenstetten, Knonau und Maschwanden. «Erst wenn wir ein klares Bild haben, können wir auch Lösungen finden», so Beat Bär. Das könnte etwa die Etablierung von grösseren Gruppenpraxen sein. Eng damit verknüpft ist Projekt 3: Demnach sollen Pflegeexpertinnen und -experten bestimmte ärztliche Tätigkeiten übernehmen und so die Hausarztpraxen entlasten. Ein Test mit einem solchen APN (Advanced Practice Nurse) läuft bereits.
Die ursprünglich noch separat angedachten Altersthemen Alters- und Pflegelandkarte der Zukunft und Sicherstellung eines Angebots an «Betreutem Wohnen» wurden inzwischen zu-sammengefasst in einem einzigen Projekt, welches im September gemeinsam angegangen werden soll. Der Trend läuft hier zu betreutem Wohnen und Netzwerken in Gemeinden und Quartieren. «Die Bedürfnisse ändern sich, für konventionelle Pflege-Institutionen wird es eng», prophezeit Beat Bär. Monika Rohr, Stalliker Sozialvorsteherin und Co-Leiterin des Agsba-Steuerungsausschusses, betont die Wichtigkeit der Zusammenarbeit in diesem Bereich: «Einzeln können die Gemeinden dies nicht stemmen!»
Lasten fair entschädigen
Geklärt werden müssen insbesondere die Standortlasten: Während beim Einzug in ein Altersheim in einer anderen Gemeinde der offizielle Wohnsitz nicht wechselt, ist dies beim Umzug in eine Alterswohnung der Fall. Sollte die Person später unterstützungsbedürftig werden, ist demnach die Gemeinde in der Pflicht, in welcher die Alterswohnung steht. Hier sind pragmatische Lösungen gefragt, welche diese «Last» fair regeln. Nicht zuletzt ist der Solidarität im Bezirk einer von sechs Leitsätzen hinter der integrierten Versorgung gewidmet. «Wenn eine Gemeinde Lasten übernimmt, müssen wir auch über finanzielle Verrechnung sprechen», so Beat Bär. «Das könnte auch in Form einer interkommunalen Anstalt geschehen», ergänzt Monika Rohr.
Gleich drei Projekte sind in der letzten Gruppe zusammengefasst. Erstens wäre da die Liste der Präventionsangebote im Bezirk – «bei unserem bestehenden Angebot eine grosse Fleissarbeit», so Bär –, ferner die integrierte Zusammenarbeit und eine Plattform für Koordination. «Hier brauchen wir eine Lösung für alle 14 Gemeinden», betont Ronald Alder. «Viel kleiner als 55000 Einwohner macht keinen Sinn. Und nebst den Bezirksgemeinden soll auch die Standortförderung eine grössere Rolle spielen. Schliesslich trägt eine gute Gesundheitsversorgung nicht unwesentlich zur Standortattraktivität bei. «Ganz im Sinne der Vision von Agsba», sagt Bär und zitiert: «Die an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtete horizontal und vertikal integrierte Gesundheitsversorgung im Bezirk Affoltern wird als führend wahrgenommen.»


