Die Mitarbeit der Gemeindemitglieder ist zentral
Die SVP Bonstetten lud am Freitag zum kontradiktorischen Podium über das Projekt KirchgemeindePlus der reformierten Kirche in den Gemeindesaal Bonstetten. Die Diskussion zeigte erneut, dass KG+ zu einem engagierten Dialog über die Zukunft der reformierten Kirche führt und primär Männer fortgeschrittenen Alters stark an den bisherigen Konzepten hängen.
Claude Wuillemin, Präsident der SVP-Ortsgruppe begrüsste die Anwesenden und erläuterte, dass dieses kontradiktorische Podium vor sieben Wochen aus der Bevölkerung angeregt wurde: «Wir sind eine Partei, die Streitkultur pflegt, deshalb haben wir bewusst ein kontradiktorisches Podium organisiert.» Die pro KG+-Seite vertrat der Leiter des Lenkungsausschusses KG+ und Kirchgemeindepräsident von Mettmenstetten, Karl Sigrist. Den Alleingang der verschiedenen Säuliämtler Kirchgemeinden vertrat der Obfelder Hans Gebhard.
Das Kirchenleben soll im Dorf bleiben
Karl Sigrist stieg in seinen Einstiegsreferat mit einer Zusammenfassung der jahrelangen Arbeit des Lenkungsausschusses mit Pfarrpersonen, Kirchenpflegen und Mitgliedern der Kirchgemeinden ein: «Der Kern des Plans ist, dass die Organisation regional wird und das Kirchenleben im Dorf bleibt. Jede Gemeinde bildet eine eigene Kirchenkommission. Eine zentrale Kirchenpflege steuert die regionale Organisation. Die Kirchenkommissionen haben eigene Budgets und organisieren das kirchliche Leben im Dorf. Für grössere Projekte können sie auf die Ressourcen der Kirchgemeinde zurückgreifen. So können Verwaltungsaufgaben zentral gelöst werden und die Kirchenkommissionen können sich voll auf die Organisation des Lebens im Dorf konzentrieren. Erst wenn es bei drei Abstimmungen immer Ja heisst, kommt die reformierte Kirchgemeinde Säuliamt zustande. Wir haben alles sehr gut durchdacht; haben Sie etwas Vertrauen, auch das gehört zur Kirche.» Das Referat von Karl Sigrist wurde mit spontanem Applaus verdankt.
Erste Evaluation des Obfelder Alleingangs erst im Dezember
Hans Gebhard hat sich jahrelang in unterschiedlichsten Funktionen in der reformierten Kirche engagiert – momentan als Freiwilliger. Er skizzierte den Alleingang der reformierten Kirchgemeinde Obfelden: «Uns war der Ansatz von KG+ zu zentralistisch. Deshalb haben wir uns Gedanken gemacht, was die Alternative sein könnte. In Obfelden war und ist das kirchliche Leben sehr aktiv. Deshalb entstand die Idee, auf die in Obfelden vorhandenen Kräfte zu bauen. Deshalb hat sich die Kirche Obfelden nicht an den Fusionsverhandlungen beteiligt und vor drei Jahren mit einem unabhängigen Ansatz die Reorganisation begonnen. Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die bei gleichbleibenden Strukturen das Leben reorganisieren sollte. Dies entsprach nicht den Grundsätzen eines guten Projektmanagements, doch es war der Auftrag. Wir haben drei Jahre lang intensiv gearbeitet, extrem viel Zeit investiert und wollten bis zur Abstimmung über KG+ die Auswertung abgeschlossen haben. Wegen Covid-19 wird die Auswertung jedoch erst an der Kirchgemeindeversammlung im Dezember vorgestellt.»
Einiges lasse sich aber schon sagen, so Gebhard weiter: «Die spirituellen Aspekte spielen eine ganz zentrale Rolle. Nur die Mitglieder und Freiwilligen geben der Kirche ihr Gesicht. Es braucht schlussendlich wohl auch in Obfelden neue Strukturen, um zukunftsfähig funktionieren zu können. Wir werden vermutlich noch längere Zeit mit diesem Prozess beschäftigt sein.» Auch das Referat von Hans Gebhard wurde mit Applaus verdankt.
Existieren der Gemeinden auch ohne KG+ möglich
Wäre es nicht manchmal wünschenswert, administrativ von einer grösseren Kirchgemeinde zu profitieren? Hans Gebhard meinte, dass es natürlich ab und zu schön wäre. Die Kirchenpflege sei jedoch nie so nahe an der Basis, wie wenn sie ab und zu an einem Kirchenzmorge einen Kaffee ausschenke.
Der Bonstetter Gemeinderat Markus Reich fragte, ob der erste Schritt im Prozess KG+ nicht zu schnell gegangen sei, um die Bevölkerung zur Partizipation zu motivieren. Zudem interessierte er sich dafür, ob der Leitungsausschuss bei einem Nein das Resultat akzeptieren würde. Karl Sigrist sagte, dass er nicht beurteilen könne, ob es zu schnell gegangen sei. Es sei jedoch im «Anzeiger» zur Partizipation motiviert worden und durch Flyer. Leider sei das Interesse zur Mitarbeit extrem klein gewesen. Erst als der Vertrag stand, sei das Interesse riesig geworden. Die Kirchgemeinde Mettmenstetten sei gut aufgestellt und werde auch bei einem Nein gut weiter existieren. Die Chancen einer Kirchgemeinde Säuliamt seien aber einfach zukunftsweisender. Die Bonstetter Sozialdiakonin Silke Korn meinte, dass Bonstetten mit der Einheitsgemeinde in den letzten Jahren einen Fusionsprozess hinter sich gebracht hat: «Als Mutter war es mir egal, ob fusioniert wird, oder nicht. Ich war überzeugt, dass unsere Exekutivmitglieder am besten wissen, wie die Schule zukunftsträchtig aufgestellt ist. Auch bei der Kirchgemeinde habe ich dieses Vertrauen. Es ist aber Fakt, dass viele Kirchgemeinden Mühe haben, Behördenmitglieder zu finden und viele Behördenmitglieder mit den an sie gestellten Anforderungen überlastet sind. Zudem habe ich riesigen administrativen Aufwand, wenn ich interkommunale Projekte aufziehen will. Gemeinsam sind wir stärker.»
Mitgliederschwund mit attraktiven Angeboten begegnen
Ein weiterer Besucher wollte wissen, wie Vermietungen in der Kirchgemeinde Säuliamt gehandhabt würden. Karl Sigrist: «Vermietungen des Kirchgemeindesaals werden von den Kirchenkommissionen gehandhabt, Vermietungen von Wohnungen von der Kirchenpflege.» Der Stalliker Pfarrer Otto Kuttler meinte spitzzüngig, dass mit KG+ der Niedergang der reformierten Kirche wenigstens professionell verwaltet werde. Karl Sigrist widersprach vehement: «Die Anzahl Pfarrstellen wird von der Anzahl Mitglieder bestimmt. Da wir Mitgliederschwund haben, müssen wir uns so aufstellen, dass wir nicht ständig Leistungen reduzieren müssen. Gemeinsam können wir bei den Pfarrstellen sparen und in andere, attraktive Angebote investieren.
Kirchenpflege oft überlastet
Eine Votantin fragte, weshalb nicht jede Gemeinde ein Kirchenpflegemitglied bestimmen könne. Rechtlich handle es sich um eine Gemeinde, weshalb es nicht möglich sei, dass es zwangsläufig aus jeder Gemeinde ein Mitglied brauche. Bruno Steinemann erachtete es als wichtig, dass diese Diskussion über KG+ stattfinde: «Bisher hat sich die Kirchenpflege Bonstetten nicht bemüht, dass dies passiert. Ich wäre für eine Zusammenarbeit mit der Kirche Stallikon-Wettswil. Mit diesen Gemeinden arbeiten wir bereits in verschiedenen Bereichen hervorragend zusammen.»
Irene Huber von der Kirchenpflege Bonstetten votierte für den Zusammenschluss: «Es kommen immer mehr administrative Aufgaben auf uns zu. Wir sind oft überlastet, wie viele andere Kirchenpflegen auch. Mit KG+ können wir die Administration zentral handhaben und uns wieder intensiver um das Dorfleben kümmern.»
Infos über das Projekt KG+: www.ref-saeuliamt.ch






