Die Realität ist nicht schwarz-weiss
SVP-Stimmen für die Alternative Liste, SP-Stimmen für die SVP, Stimmen von allen Parteien für Daniel Sommer: Viele Stimmberechtigte blickten über den Rand der von ihnen bevorzugten Partei hinaus und wählten teilweise auch Kandidierende mit entgegengesetzten Positionen.
Die Hälfte der eingelegten Listen, exakt 49,6 Prozent, waren unverändert. 44,1 Prozent der Wählenden legten eine Parteiliste mit Änderungen ein, 6,3 Prozent wählten die leere Liste ohne Parteibezeichnung und setzten Kandidatinnen und Kandidaten verschiedener Parteien ein.
EVP als Panaschiergewinnerin
Tabelle 1 stellt die für die Sitzverteilung massgebenden Stimmen dem Anteil eingelegter Listen gegenüber. Stimmengewinne gegenüber der Anzahl Listen stammen von leeren Listen ohne Parteibezeichnung. Hinzu kommen die Gewinne und Verluste durch Panaschieren. Am stärksten profitierte die EVP vom Panaschieren: 6,3 Prozent der Wählenden legten die EVP-Liste ein, doch dank dieser Gewinne erreichte die Partei 8,7 Prozent der massgebenden Stimmen. Am anderen Ende der Rangliste liegt die FDP: 12,2 Prozent der Wählenden legten diese Liste ein, doch infolge der Panaschierverluste kam sie nur auf 11,9 Prozent der Stimmen.
Der Anteil unverändert eingelegter Stimmzettel liegt bei EDU, Aufrecht und SVP am höchsten, bei der EVP und der Mitte am tiefsten. Die Parteien mit vielen unveränderten Stimmzetteln haben naheliegenderweise weniger Panaschierstimmen an andere Parteien verloren. Obwohl dies mathematisch nicht zwingend ist, haben sie gleichzeitig aber auch weniger Panaschierstimmen von anderen Parteien sowie von der leeren Liste gewonnen. Die Parteien, deren Wählerinnen und Wähler am offensten sind, wenn es darum geht, auch Kandidatinnen und Kandidaten anderer Listen zu berücksichtigen, haben sich als diejenigen erwiesen, die am wählbarsten sind für die Anhängerinnen und Anhänger anderer Parteien.
Positionierung im Links-Rechts-Schema
Ein Blick auf die Verschiebungen zwischen den Parteien (Tabelle 2) ergibt ein differenziertes Bild. Die FDP weist gegenüber sämtlichen Parteien einen negativen Saldo auf, die EVP einen positiven. Die SVP verlor Stimmen an alle Parteien mit Ausnahme der FDP. Die SP ist gegenüber der GLP und der Mitte im Plus, verlor aber viele Stimmen an die Grünen. Generell profitierten die Grünen nach der EVP am stärksten von Panaschierstimmen: Obwohl nur 8,4 Prozent der Wählenden diese Liste einlegten, kam die Partei auf 9,5 Prozent der massgebenden Stimmen.
Die Grafiken 1 und 2 zeigen die Gewinne und Verluste gegenüber den anderen Parteien. Deutlich erkennbar sind der Austausch der EDU und der Liste Aufrecht mit der SVP sowie zwischen SP und Grünen. Bei der FDP ist der Austausch nach beiden Seiten erkennbar, rechts mit der SVP, links mit der GLP. Die Mitte, die GLP und die EVP tauschen die Stimmen am gleichmässigsten mit Listen links und rechts aus.
Die Panaschierstatistik gibt auch Auskunft über die Positionierung der Parteien im Links-Rechts-Schema, und zwar nicht aus der Optik der Parteizentralen, sondern aus der Optik der Wählerinnen und Wähler. Von links nach rechts ist folgende Reihenfolge aufgrund des Panaschierverhaltens erkennbar: AL – Grüne – SP – GLP – EVP – Mitte – FDP – SVP – EDU – Aufrecht.
Daniel Sommer gewinnt überall
Überlagert wird das Links-Rechts-Schema von Sympathiestimmen für einzelne Kandidatinnen und Kandidaten. So lässt sich feststellen, dass die Gewählten – wenig überraschend – am stärksten von Panaschierstimmen profitierten, wenngleich in sehr unterschiedlichem Mass, denn auch das Kumulieren auf der eigenen Liste kann entscheidend sein für die massgebende Reihenfolge auf den Listen für die Sitzverteilung.
Tabelle 3 zeigt die prozentuale Herkunft der Stimmen der sieben gewählten Kantonsratsmitglieder. Daniel Sommer (EVP) erhielt von allen Parteien Stimmen sowie am meisten von der leeren Liste ohne Parteibezeichnung. Zwei Drittel seiner Stimmen stammen von anderen Listen. Damit liegt er in der Panascherstatistik des ganzen Kantons auf Rang 1. Am stärksten fielen dabei die GLP-Stimmen ins Gewicht, gefolgt von SP, SVP, den Grünen und der FDP.
An zweiter Stelle bezüglich Fremdstimmen folgt Thomas Schweizer (Grüne), der vor allem bei der SP auf Sympathien stiess. Ausgewogen ist das Bild bei Ronald Alder (GLP), der am meisten Fremdstimmen von der FDP erhielt, gefolgt von SP, SVP, der EVP und den Grünen. Spiegelbildlich zu Thomas Schweizer ist Hannah Pfalzgraf (SP), die vor allem bei den Grünen auf Unterstützung stiess. Tamara Fakhreddine (FDP) erhielt am meisten Fremdstimmen von der GLP, gefolgt von der SVP. Lediglich ein Zehntel der Stimmen von Marc Bochsler und Ursula Junker stammten nicht von der SVP. Allerdings wären beide auch ohne Fremdstimmen gewählt worden.












