Die Reuss spielt die Rolle des Durstlöschers
Ein Ende der extremen Dürreperiode ist noch nicht absehbar. Auch einzelne abendliche Gewitter können die herrschende Trockenheit kaum mindern. Die ganz besonders betroffene Landwirtschaft ist weitgehend machtlos. In Obfelden und Ottenbach beziehen die Bauern Wasser von der nahen Reuss.

Der Asphalt flimmert bereits am Morgen, die Schwüle ist beinahe greifbar und im Lokalradio wird fast panisch vor den Gefahren von Waldbränden gewarnt. Die Gluthitze hat auch das Säuliamt fest im Griff. Die Landwirte und die Obst- und Gemüsebauern leiden unter der anhaltenden Trockenheit. Zwar veranstaltete die Natur am Abend des Nationalfeiertages so etwas wie ein kleines privates Feuerwerk und erhellte mit zwei drei Blitzen die Abenddämmerung. Doch der kurze und armselige Regenguss verdunstete auf den trockenen Böden innert Minutenfrist.
Während die Menschen und die Tiere die Hitzeperiode erdulden müssen, erträgt der Amtsschimmel die hohen Temperaturen offensichtlich überhaupt nicht und strapaziert den Föderalismus etwas gar unerbittlich. Eine kantonale Lösung der Vorschriften über das Verbot von Feuern und Feuerwerk war nicht möglich, von schweizweit geltenden Vorschriften gar nicht zu sprechen. Auch die 14 Gemeinden des Säuliamts regeln die Vorschriften betreffend Verhütung von Feuergefahren unterschiedlich. So ist in Knonau und auch in Maschwanden der Betrieb eines Holzkohlengrills im Garten strikte verboten, während in Ottenbach eine Bratwurst auf der heimischen Terrasse durchaus schön knusprig gebraten werden darf, dies allerdings unter grösstmöglicher Vorsicht. Ob die dafür zuständige Stadtpolizei Affoltern tatsächlich über die genauen Gemeindegrenzen Kenntnis hat, konnte nicht schlüssig eruiert werden.
Wasser aus dem Seitenkanal der Reuss
Nicht nur die Gemeinde- sondern sogar die Kantonsgrenze überfahren einige Landwirte, welche auf der aargauischen Seite der Reuss Wasser tanken. Am zürcherischen Flussufer wird den Bauern von der politischen Gemeinde die Wasserentnahme lediglich von sechs Uhr morgens bis ein Uhr mittags bewilligt. Mindestens zwei Bauern aus Ottenbach besitzen jedoch Spezialbewilligungen, welche ihnen erlaubt, Wasser aus einem Seitenkanal der Reuss auf aargauischem Boden zu beziehen. Landwirt Jürg Schneebeli und sein Sohn Stefan nutzen diese Möglichkeit und transportieren mit ihrem Druckfass mehr als 100’000 Liter Reusswasser pro Tag auf ihre Süssmaiskulturen. Immerhin noch 25’000 bis 30’000 Liter Wasser führt Walter Hegetschweiler mit einem kleineren, etwa 2500 Liter fassenden Druckfass zu den Baumstämmen in seinen Obstkulturen. Den Äpfeln und Birnen gefällt der Sonnenschein zwar und er fördert den Reifeprozess, hingegen werden die Früchte bei zu grosser Trockenheit frühzeitig abgeworfen.
Liebe zur und Sorgfalt für die Natur
Der grosse Aufwand der Landwirte straft die Legende über die stets jammernden Bauern Lügen, ihre Rechnung über Unkosten und Ertrag haben sie nämlich sorgfältig gemacht. Bei ihren Erklärungen betonen sie zwar, dass eine Rendite lediglich mit grosszügiger Auslegung der eigenen Arbeitsstunden knapp ermöglicht würde, dennoch kommt im Hintergrund immer auch unausgesprochen die Liebe und Sorgfalt für die Natur zur Geltung. Ein verdorrtes und ausgetrocknetes Mais- oder Rübenfeld ist für jeden Bauern ein ausgesprochen klägliches Bild.
Der milde und warme Frühling und die damit verbundenen frühen Ernten, vor allem die des Getreides, mildern die momentanen wettermässig widrigen Umstände ein wenig. So konnten einige Kulturen vor oder unmittelbar zu Beginn der Hitzeperiode eingebracht werden.


