«Die Stimmberechtigten haben immer recht, auch wenn sie unrecht haben»
Das klare Resultat beeindruckt Befürworter und Gegner von KG+. Kantonsrat Hans Finsler, der die Vorlage KG+ mit zwei Beschwerden bekämpft hat, akzeptiert das für ihn überraschend deutliche Resultat der Abstimmung. Der Mettmenstetter Präsident der Kirchenpflege, Karl Sigrist, will den Volksauftrag nun speditiv umsetzen.
Der Jurist und SVP-Kantonsrat Hans Finsler hat zwei Stimmrechtsbeschwerden gegen die Abstimmungsvorlage zum Zusammenschluss der neun Kirchgemeinden eingereicht, nachdem er festgestellt habe, dass das Projekt «unprofessionell vorbereitet» worden sei. Der erste Rekurs sei bereits abgelehnt worden, der zweite noch pendent. Dieser betrifft das Fehlen einer Empfehlung der Rechnungsprüfungskommission in Affoltern. Falls dieser Rekurs gutgeheissen würde, müsste die Abstimmung in Affoltern wiederholt werden: «Die Kirchenpflege wüsste dann, wie sie denselben Vertrag korrekt zur Abstimmung bringen könnte.»
Hans Finsler wird den Fall, falls seine Beschwerde abgelehnt wird, nicht weiterziehen, sondern akzeptiert den Volksentscheid: «Gerade ich als SVP-Politiker bin der Meinung, dass die Stimmbürger immer recht haben, auch wenn sie unrecht haben.» Die Mehrheit sei so überzeugend, und es gebe auch Gründe für die Zusammenlegung, gerade auch mit Blick auf die Schwierigkeiten, Nachwuchs für die Kirchenbehörden zu finden, dass er feststellen müsse, mit seinen Bedenken in der Minderheit zu sein.
Der Mettmenstetter Kirchenpflegepräsident, Karl Sigrist, ist positiv überrascht. Aufgrund der Opposition hätte er vor allem in Bonstetten und Rifferswil kein so klares Ja erwartet. Die deutliche Zustimmung in allen neun Gemeinden sei ein Zeichen, dass die Zusammenarbeit der letzten zwei Jahre von der Bevölkerung anerkannt und begrüsst werde. Auch Hans Finsler ist überrascht vom eindeutigen Resultat, vor allem, da im «Anzeiger» mehrheitlich ablehnenden Leserbriefe zur Vorlage abgedruckt worden seien, aber offenbar sei eine kleine Gruppe sehr aktiv gewesen.
Für Hans Finsler bedeutet das Resultat, «dass der Vertrag so, wie wir darüber abgestimmt haben, in Kraft tritt.» Nicht mehr von Bedeutung sei der von ihm kritisierte Widerspruch, dass einerseits ein Quorum von zustimmenden Gemeinden erforderlich sei, anderseits alle neun Gemeinden im Vertrag aufgezählt würden: «Weil alle neun Gemeinden zugestimmt haben, müssen wir nicht mehr darüber reden.» Gemäss Karl Sigrist wird nun ein Projektteam gebildet, das den Volksentscheid umsetzen wird. In einer nächsten Runde wird über die Kirchenordnung der neuen Gemeinde abgestimmt: «Ich hoffe, dass die Angehörigen unserer Kirchgemeinde fast nichts merken, ausser, dass wir uns administrativ entlasten können, was uns erlaubt, uns noch stärker auf das kirchliche Leben zu konzentrieren.» Es ist vorgesehen, dass die neue Kirchgemeinde am 1. Januar 2022 startet.


