Die Stromversorgung der Zukunft nimmt Formen an

Die Montagecrew beim Aufsetzen eines um die acht Tonnen schweren Mastelements bei Mast Nummer 61. (Bilder Marcus Weiss)

Die Montagecrew beim Aufsetzen eines um die acht Tonnen schweren Mastelements bei Mast Nummer 61. (Bilder Marcus Weiss)

Die elf neuen Stahlvollwandmasten sind zwischen 50 und 60 Meter hoch, ihr Betonfundament reicht dreieinhalb Meter tief in den Boden.

Die elf neuen Stahlvollwandmasten sind zwischen 50 und 60 Meter hoch, ihr Betonfundament reicht dreieinhalb Meter tief in den Boden.

Dieser aus dem Jahr 1956 stammende Freileitungsmast der sogenannten Albisleitung steht heute weithin sichtbar auf dem Albisgrat südöstlich des Radarturms. Er wird voraussichtlich im Jahr 2033 zusammen mit der gesamten Freileitung aus dem Landschaftsbild verschwinden. (Archivbild Marcus Weiss)

Dieser aus dem Jahr 1956 stammende Freileitungsmast der sogenannten Albisleitung steht heute weithin sichtbar auf dem Albisgrat südöstlich des Radarturms. Er wird voraussichtlich im Jahr 2033 zusammen mit der gesamten Freileitung aus dem Landschaftsbild verschwinden. (Archivbild Marcus Weiss)

Das Netzprojekt Obfelden-Samstagern (Zürich Süd) von Swissgrid ist ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit der Stromversorgung im Raum Zürich. Die Arbeiten, die unter anderem zum Abbau der sogenannten Albisleitung in wenigen Jahren führen werden, haben nun ein Stadium erreicht, wo sie vor allem in Gattikon (Gemeinde Thalwil), Rüschlikon und Kilchberg für alle sichtbar werden. «Es entsteht etwas hier am linken Zürichseeufer, und es wird noch viel mehr werden», erklärte Jan Schenk, Mediensprecher der Stromnetzbetreiberin Swissgrid, an der Medienorientierung vergangenen Dienstag im Stadthaus Adliswil. «Die Stadt Zürich ist heute nur von einer Seite her, nämlich von Nordosten, ans nationale Höchstspannungsnetz angeschlossen. Das Netzprojekt Obfelden-Samstagern ermöglicht eine zukünftige Anbindung auch von Süden her, was für die Versorgungssicherheit entscheidend ist», so Schenk. Gleichzeitig gehe es darum, heutige 150 Kilovolt-Leitungen von ewz durch solche mit einer Spannung von 220 Kilovolt zu ersetzen, was die Leistungsfähigkeit wesentlich erhöht. «Eine 150-Kilovolt-Verbindung hat eine Übertragungsleistung, die beispielsweise für ein Wasserkraftwerk an der Aare ausreicht, die neuen Leitungen mit der höheren Spannung hingegen sind kapazitätsmässig in der Lage, sogar die in einem Atomkraftwerk produzierte Energie zu transportieren», erfuhren die eingeladenen Medienvertreterinnen und -vertreter. Das Schweizer Übertragungsnetz stehe vor wesentlichen Herausforderungen, so müsse einerseits ein Grossteil der bestehenden Infrastruktur altersbedingt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erneuert werden, andererseits führe der Ausbau von erneuerbaren Energien sowie fehlende Stromabkommen zu Engpässen im Netz. Ein rechtzeitiger und bedarfsorientierter Ausbau des Netzes sei unerlässlich, um die Versorgungssicherheit der Schweiz langfristig zu gewährleisten; dieser Ausbau gerate aber zunehmend in Verzug, unter anderem, weil die Bewilligungsverfahren in diesem Bereich im Durchschnitt rund 15 Jahre, in Einzelfällen sogar über 30 Jahre dauern.

Albisleitung wird durch die neue Höchstspannungsleitung überflüssig

Im Netzprojekt Obfelden-Samstagern, für das Gesamtkosten von rund 170 Millionen Franken veranschlagt sind, geht es um den etappenweisen Ausbau und eine Spannungserhöhung der 150-kV-Leitung von Axpo zwischen Samstagern, Thalwil, Waldegg (Zürich) und Obfelden auf 220 Kilovolt. Das Projekt macht unter anderem die Albisleitung überflüssig, die heute prominent sichtbar den Albisgrat auf der Höhe von Langnau am Albis/Aeugstertal überquert und in ihrem weiteren Verlauf zum Unterwerk Obfelden den Süden der Stadt Affoltern passiert. Der Verzicht auf diese Leitung wird möglich, weil bereits beim Bau des Uetlibergtunnels parallel Kabelkanäle für eine künftige Nutzung als Stromtrasse erstellt wurden und der Strom künftig entlang dieser Verkehrsachse im Berg zwischen dem linken Zürichseeufer und dem Knonauer Amt fliessen wird.

Leitungsbau ist ein eng getaktetes Zusammenspiel vieler Akteure

Bei der Baustellenbesichtigung im Grenzgebiet der Gemeinden Adliswil/Rüschlikon/Kilchberg wurde dann auf eindrucksvolle Weise sichtbar, welchen Aufwand die Erstellung einer neuen Höchstspannungsleitung bedeutet. So konnten die anwesenden Medienleute live mitverfolgen, wie ein ungefähr acht Tonnen schweres Rohrelement von «Mast Nummer 61» montiert wurde, ein Spektakel, das auch so manchen zufällig in der Nähe befindlichen Spaziergänger in den Bann zog. Es handelt sich bei der Konstruktion um einen sogenannten Stahlvollwandmast, der nach Fertigstellung zwischen 50 und 60 Meter hoch sein und vier Auslegerebenen für die Stromleitungen beinhalten wird. Diese Bauweise ermöglicht laut den Swissgrid-Vertretern ein schlankes Erscheinungsbild der Masten bei gleichzeitiger Einhaltung der bei Höchstspannungsleitungen erforderlichen Abstände zwischen den Leitungsdrähten und zum Boden. «Die Teile werden vom Fabrikationswerk in der Türkei per Lastwagen direkt auf die Baustelle geliefert, es darf dabei zu keinen grösseren Verzögerungen kommen, damit der Zeitplan bei der Montage eingehalten werden kann», erklärte Bauleiter Alfred Blank. Auch Rafael Martín Roso, Projektleiter Grid Infrastructure bei Swissgrid, berichtete von den zahlreichen Herausforderungen, die ein solcher Leitungsbau mit sich bringt. «Es braucht zahlreiche spezialisierte Fachkräfte, wir haben jeweils fünf bis zehn Firmen parallel vor Ort», führte er aus. Nach kurzer Weiterfahrt wurde auch noch die Baustelle des sogenannten Übergabebauwerks besucht, an dem die neue Freileitung über grosse Gittermastportale in den insgesamt 12 Kilometer langen Erdkabel-Abschnitt eingeleitet wird. Auch hier beeindruckte die schiere Grösse der erforderlichen Anlagen. Das Abspanngerüst, das in den nächsten Wochen entsteht, wird rund 22 Meter hoch sein.

170

Millionen Franken kostet das Netz-

projekt Obfelden-Samstagern.

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