Die Tränen des Laurentius sind los

In der Nacht vom 12. auf den 13. August sind besonders viele Sternschnuppen zu sehen

Die Lichtverschmutzung über der Stadt Affoltern hält sich - verglichen mit dem Rest des Kantons Zürich - in Grenzen. Es ist jedoch aber sicherlich nicht der optimale Ort, um in die Sterne zu gucken. (Bild Claudia Eugster)

Die Lichtverschmutzung über der Stadt Affoltern hält sich - verglichen mit dem Rest des Kantons Zürich - in Grenzen. Es ist jedoch aber sicherlich nicht der optimale Ort, um in die Sterne zu gucken. (Bild Claudia Eugster)

Grafik 1: Insgesamt haben sich die gegen oben gerichteten Lichtemissionen in der Schweiz zwischen 1994 und 2020 mehr als verdoppelt. (Quelle BAFU)

Grafik 1: Insgesamt haben sich die gegen oben gerichteten Lichtemissionen in der Schweiz zwischen 1994 und 2020 mehr als verdoppelt. (Quelle BAFU)

Grafik 2: Affoltern gehört zu den dunkleren Bezirken des Kantons Zürich. Diese Karte stützt sich auf Satellitendaten (VIIRS). Die Datenquelle ist die Earth Observation Group des Payne Institute for Public Policy der Universität Colorado School of Mines.  (Grafik Geoportal Kanton Zürich / Karte Lichtemissionen Jahr 2025)

Grafik 2: Affoltern gehört zu den dunkleren Bezirken des Kantons Zürich. Diese Karte stützt sich auf Satellitendaten (VIIRS). Die Datenquelle ist die Earth Observation Group des Payne Institute for Public Policy der Universität Colorado School of Mines. (Grafik Geoportal Kanton Zürich / Karte Lichtemissionen Jahr 2025)

Wer eine Sternschnuppe sieht, der hat einen Wunsch frei, heisst es so schön. Besonders hoch ist die Chance durch die Perseiden (volkstümlich Laurentiustränen). Es handelt sich dabei um einen bekannten Meteorstrom, der jedes Jahr etwa von Mitte Juli bis zum 24. August am Nachthimmel auftritt. Der absolute Höhepunkt dieses Sternschnuppenschwarms ist morgen in der Nacht vom 12. auf den 13. August, und zwar in der zweiten Nachthälfte zwischen 2 und 4.30 Uhr morgens. Dann sollen bei idealen Bedingungen bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu sehen sein. Allerdings gibt es da so einige Störenfriede wie beispielsweise Strassenlaternen, Leuchtreklamen und Gebäudebeleuchtungen – Lichtemissionen oder auch Lichtverschmutzung. «Unter Lichtverschmutzung versteht man die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliches Licht beziehungsweise die Durchdringung unseres Lebensraums mit künstlichem Licht. Sie entsteht durch jegliche Art von künstlicher Beleuchtung», erklärt Dr. Nadia Vogel, Sektionsleiterin Strahlung des Amts für Abfall, Wasser, Energie und Luft des Kantons Zürich (AWEL). Diese «Lichtverschmutzung» hat in den letzten Jahrzehnten weltweit und auch in der Schweiz deutlich zugenommen, heisst es auf der Website des AWEL mit Verweis auf einen Vergleich der Zunahme der Lichtabstrahlung aus der Schweiz ins All des BAFU, siehe Grafik 1. Das gilt also auch für den Bezirk Affoltern. Aber wie verhält sich die Lichtverschmutzung im Säuliamt, verglichen mit dem Rest des Kantons Zürich, und hat es gefährliche Ausmasse angenommen?

Einer der dunkleren Bezirke im Kanton Zürich

Auf Anfrage ordnet Dr. Nadia Vogel, Sektionsleiterin Strahlung im AWEL, ein: «Der Bezirk Affoltern gehört zusammen mit den Bezirken Andelfingen, Pfäffikon und Hinwil zu den dunkleren Bezirken des Kantons Zürich.» (siehe Grafik 2). Nächtliche Beleuchtung sei ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenlebens und trage zum Wohlbefinden sowie zur Sicherheit bei. Das soll jetzt aber nicht heissen, dass sie deswegen nicht auf das Minimum beschränkt werden sollte, den gleichzeitig störe sie den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen, was Schlafstörungen und weitere ernst zu nehmende Folgeerkrankungen begünstigen könne. «So werden beispielsweise Veränderungen der Hormonproduktion sowie eine verminderte Abwehrkraft gegenüber Infektionskrankheiten vermutet», erklärt Vogel.

Ganz zu schweigen von den Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf die Tiere und die Natur. «Der Verlust der natürlichen Nachtdunkelheit hat weitreichende negative Auswirkungen auf nachtaktive Tiere und ganze Ökosysteme», so Vogel weiter. Der Rückgang der Insektenpopulationen werde durch nächtliche Beleuchtung weiter begünstigt, da künstliches Licht ihre Aktivität, Nahrungssuche und Fortpflanzung negativ beeinflusst. Zugvögel würden während ihres nächtlichen Flugs in ihre Winter- oder Sommerquartiere von den Lichtglocken über Agglomerationen angezogen und dadurch in ihrer Orientierung beeinträchtigt, was zu Energieverlust und Tod führen kann. Zudem könne für lichtscheue Tierarten, wie bestimmte Fledermausarten, die Beleuchtung eines Flugkorridors – beispielsweise durch Strassen- oder Baustellenbeleuchtungen – eine unüberwindbare Barriere zwischen Jagd- und Fortpflanzungsgebieten darstellen und damit das Überleben einer Kolonie gefährden. «Jede nächtliche künstliche Beleuchtung stellt grundsätzlich eine Abweichung vom natürlichen Zustand dar und sollte minimiert werden», so Vogel. Der Einzelne kann bereits durch das Schliessen von Storen etwas bewirken, denn das reduziere die Aussenwirkung einer Innenbeleuchtung deutlich. Gemeinden haben verschiedene Möglichkeiten, Lichtverschmutzung zu vermindern: Sie kontrollieren bei Baugesuchen und Klagen aus der Bevölkerung die Lichtplanung und setzen die Vorgaben der BAFU-Vollzugshilfe, und insbesondere den dort beschriebenen 7-Punkte-Plan zur Vermeidung von Lichtemissionen um, und: «Immer häufiger setzen sie auch sogenannte intelligente Strassenbeleuchtungen ein, die gedimmt oder ganz ausgeschaltet werden kann, wenn kein Licht benötigt wird.»

Auch wenn Affoltern zu den dunkleren Bezirken im Kanton Zürich gehört, so muss, wer die Perseiden gut sehen möchte, wohl doch einfach so weit weg wie möglich von der Zivilisation. Es empfehlen sich die Naturschutzgebiete beim Jonen- oder Aeugstertal.

Weitere Artikel zu «Bezirk Affoltern», die sie interessieren könnten

Greenkeeper Bob ten Siethoff ärgert sich über die hungrige Krähen, die zusätzliche Löcher in seine Greens machen. (Bild cle)
Bezirk Affoltern10.08.2026

Ein paar Löcher zu viel

Hungrige Krähen verwüsten Golfplatz
Tirggel, das traditionelle Zürcher Honiggebäck, wird vor dem Backen in kunstvolle Formen gedrückt. Dadurch entstehen reliefartige Bilder.
Bezirk Affoltern10.08.2026

Selbst gestrickte Zwangsjäckchen lockern

Sommerserie «Grenzen» (6): Grenzen respektieren und manchmal lustvoll überhüpfen
Neben dem OK-Team helfen rund 800 Freiwillige mit. (Bilder zvg)
Bezirk Affoltern10.08.2026

Ein Hafen mitten im Säuliamt

Pfadi Folk Fest mit Motto «Ahoy»