«Dieses Jahr wurden es 11'640 Guetsli»
In der Adventszeit trumpft das pensionierte Ehepaar Barck aus Affoltern richtig auf. Im Interview erzählt Martin Barck, wie er zu seiner eigenen Weihnachtstanne kam, wie er den Neun-Meter-Baum unfallfrei schmückt und was in der hauseigenen Backstube so alles entsteht.
«Anzeiger»: In Ihrem Garten und an Ihren Fenstern ist lichttechnisch einiges los. Was begeistert Sie so sehr an Weihnachtsbeleuchtung?
Martin Barck: Das Licht ist ein Aufsteller, wenn es draussen trüb und dunkel ist.
Wann haben Sie zuletzt eine Rückmeldung zu Ihrer Beleuchtung erhalten?
Heute Morgen. Die Kindergärtler sind durchs Quartier gelaufen, und als sie vor unserem Haus standen, sagte die Lehrerin: «Oh, schaut mal hier, diese schöne Tanne.»
Sie haben Ihre eigene, neun Meter hohe Weihnachtstanne. Wie kam es dazu?
1999 sind wir von einer Mietwohnung an der Zeughausstrasse in ein Reihenhaus an der Loorenstrasse gezogen. Kurz darauf haben wir zwei Tannen gesetzt.
Damit aus ihnen mal Christbäume werden?
Ich würde es meinen, ja.
Heute steht nur noch eine. Wo ist die andere?
Im Boden. Die haben wir eingefahren.
Nice.
Na gut, Die hat der Sturm erwischt. Sie hat geschwankt, war ein bisschen schräg, und es war auch keine Tanne, die uns besonders gefallen hat.
Sie war Ihnen zu wenig hübsch?
Wir haben sie Jahr für Jahr dekoriert und sie hat schön ausgesehen, aber nach dem Schmücken war ich jedes Jahr bis zu den Oberarmen von ihren Nadeln «verchräblet». Ein seltsamer Baum.
Die Tanne blieb unter Ihren Erwartungen.
Sie wurde immerhin etwa sieben, acht Meter hoch. Aber eben, sie war schief, also haben wir uns entschlossen, sie zu fällen, bevor sie Schaden anrichtet.
Aber die schönere der beiden ist noch da.
Genau. Inzwischen ist sie wohl ungefähr fünfzehnjährig und riesig. Wir dekorieren sie jedes Jahr.
Wie schmückt man einen neun Meter hohen Baum?
Mit dem Trampolin. Ich nehme eine Kugel, hüpfe auf die Sprungfläche ... und hopp!
...und wie schafft man es ohne Unfall?
Früher habe ich das mit einer Bockleiter gemacht. Ich stieg hinauf, lehnte in die Baumkrone und schnappte mir Ast für Ast. Davon bin ich abgekommen, inzwischen miete ich mir eine Hebebühne. Das Gerät hat einen Teleskop-Arm, wie bei einem Feuerwehr-Auto, und in diesem Korb stehe ich, steuere ihn an den Baum heran und befestige die 200 Lämpchen und Kugeln am Baum.
Sie machen das in Eigenregie?
Nein, meine Frau hilft mir, wir sind ein eingeschworenes Team. Wenn ich so nahe am Baum bin, weiss ich ja nicht, wo ich was hinhängen soll. Sie steht auf dem Rasen oder am Fenster im ersten Stock und sagt, an welchem Ast ich was befestigen soll, damit es schön aussieht: «An dieses Ästchen eine Kugel, dort keine.»
Wie lange dauerts, bis der Baum geschmückt ist?
Mit mir zustehenden Pausen würde ich sagen: einen Tag.
Sie haben noch mehr zu bieten. Auch in Ihrer Wohnung leuchtet es. Wie kam es dazu?
Es ist nicht so, dass wir seit 40, 50 Jahren Weihnachtsdeko aufhängen. Aber irgendwann waren wir mal auf dem Uster Märt. Dort gab es einen Stand mit Schwibbögen aus dem Erzgebirge. Einen solchen haben wir gekauft, mit sieben Kerzen und der Kirche von Seiffen drauf. So hat das Drama angefangen. Bald kam ein neuer Bogen hinzu, und wieder einer. Jetzt haben wir ungefähr 25 in der Wohnung.
In welchen Räumen haben Sie denn überall Schmuck?
Das meiste ist im Wohnbereich. Im Wohnzimmer, in der Küche. Und dann hängt an jedem Fenster entweder ein Stern oder so ein... rundes Dings. An den Vorhängen haben wir ausserdem noch Leuchtfäden mit Sternchen dran, und zuoberst auf der Terrasse gibt es noch die grossen Sterne. Ich würde sagen, ausser dem WC und dem Badezimmer-Fenster ist alles geschmückt.
Auch der Garten ist dekoriert.
Ja, auch draussen an der Hauswand hängen Schwibbögen, zusätzlich haben wir Figuren für den Garten gekauft, da ein Schlitten mit Rentieren, dort ein Chlaus. Auch die Figuren haben sich immer weiter vermehrt.
An welchem Tag fällt bei Ihnen der Startschuss für das Dekorieren?
Meistens nehmen wir uns vor, im Oktober mit der Innendekoration zu beginnen, damit wir im November genug Zeit für die Aussendekoration und die Tanne haben. Dann verpassen wir es, rechtzeitig anzufangen und haben Stress, Hektik, Herzschweiss und Fussflimmern. Es müsste dann plötzlich alles miteinander erledigt werden.
Wie lange brauchen Sie, bis die Aussenbeleuchtung aufgestellt ist?
Wenn man jeden Tag acht Stunden daran arbeitet, hätte man es vermutlich in drei bis vier Tagen. Den Baum nicht miteingerechnet.
Das ist zeitintensiv.
Man muss all die Figuren und Lämpchen zuerst mal aus dem Keller holen und kontrollieren, ob alles noch brennt. Dann stellt man die Figuren auf, verlegt die Kabel, steckt alles ein. Das dauert halt ein Weilchen. Früher habe ich noch viel länger gebraucht. Damals habe ich die Kabel einfach versorgt, ohne gross zu sortieren. Im Jahr darauf bin ich dann drei, vier Stunden dagesessen und habe die Kabel wieder entwirrt. Jetzt rolle ich jedes auf und fixiere es mit Kabelbinder, sodass ich es nur noch zum Sack rausnehmen kann.
Gibt es eine Figur, die es Ihnen besonders angetan hat?
Mir gefallen alle gut.
Gibt es auch welche, die dieses Jahr im Keller bleiben müssen, weil es zu viele sind?
Nein, aber wenn es so weiter geht, wird das so enden.
Kaufen Sie jedes Jahr neue?
Jein. Ab und zu geht eine kaputt, dann tauschen wir sie aus. Ansonsten hat man mit der Zeit ein Problem. Wo stellt man das alles hin?
Also hält der Platzmangel Sie von neuen Käufen ab?
Nicht immer. Hin und wieder kommt trotzdem eine neue Figur dazu.
Sind Sie dieses Jahr schon schwach geworden?
Wir haben ein neues, braunes Rentier. Steht im Garten. Wir hatten schon ein solches, und das hat uns so gut gefallen, dass wir dieses Jahr ein zweites angeschafft haben.
Gibt es auch Dinge, die für Sie bei Weihnachtsbeleuchtung gar nicht gehen?
Wenn es blinkt.
Bei Barcks wird also nicht geblinkt.
Nein. Uns gefallen warme, ruhige Lichter. Und vorwiegend Weihnachtsfiguren. Schneemänner mit Mütze, Schal und sowas.
Sie haben aber auch zwei Eisbären.
Ja gut, die hocken auf dem Sitzplatz, ein grosser und ein kleiner.
Sind das die Aussenseiter?
Ein Eisbär gehört irgendwie noch zum Winter, oder? Uns gefällt das. Wir haben auch Pinguine und ein gelbes Füchslein.
Pinguine und Füchse gehen auch noch durch?
Als Weihnachtsbraten vielleicht.
Wir wechseln in die Küche: Es heisst, Sie und Ihre Frau backen in der Adventszeit auch fleissig Guetsli...
Das stimmt, wir sind richtig angefressen. (Streicht mit der Hand über seinen Bauch) Das sind 95 Kilogramm Lebendgewicht!
Wie ist diese Leidenschaft entstanden?
Meine Frau backt wahnsinnig gerne. Sie hat irgendwann mit zwei oder drei Sorten angefangen und ich habe ihr geholfen. Über die Jahre haben wir diese Tradition beibehalten. Und dann wurden es jedes Jahr mehr Guetsli.
Wie bei der Beleuchtung.
Genau.
Haben Sie eine Arbeitsteilung?
Nein, beide machen alles, ausrollen, ausstechen. Wobei... Den Teig, den macht meine Frau.
Also doch.
Die Teigmasse ist ihr Reich, darin ist sie einsame Spitze. Sie hat alles im Griff. Bleiben bei einem Teig fünf Eiweisse übrig, weiss sie genau, für welchen anderen Teig sie diese verwenden kann.
Welche Sorten backen Sie?
Wir machen Schoggikugeln, Aprikosenherzchen, Glöggli, Spitzbuben, Sablés, Urnerhuus-Läckerli, Zimtsterne, Baumnuss-Guetsli, Orangenschnitten, Grüschguetsli, Zitronenmöndchen, Grosis Mandel-Guetsli, Nougat-Sternchen, Tänndli, Nussknusperli, Brunsli, Mailänderli, Schneesterne, Zimtprezeln, Schoggisterne, Butterherzli...
All diese Sorten back...–
...Amaretti, Brabanzel, Weissli, Spritzgebäck, Plantaherzli, Nusshüfeli und Kipferl. 28 Sorten insgesamt.
Wahnsinn, Ihre Frau macht 28 Teige?
Nein, 28 Sorten. Teige sind es über 100, weil wir ja von jeder Sorte mehrere Portionen machen.
Wie bitte?
Ja. Aber die backen wir natürlich nicht alle am selben Tag, sondern in anderthalb Wochen. Und das mittlerweile erwachsene Gottenkind meiner Frau hilft auch noch mit.
Während dieser Zeit sind Sie zu dritt jeden Tag voll dran?
Nein, nüchtern. Sonst gibts keine feinen Guetsli.
Wie viele Stück waren es denn dieses Mal?
In diesem Jahr wurden es 11'640 Guetsli.
Sie scherzen!
Bei den Spitzbuben waren es 404, bei den Kipferl 1'031. Durchschnittlich waren es pro Guetsli-Sorte zwischen 250 und 300.
Wer soll das alles essen?
Ich hab ja gesagt, wir sind angefressen. Wobei meine Frau nicht so viele Guetsli isst wie ich. Das Gottenkind nimmt einen Teil mit für ihre Bekannten, und wir bereiten jedes Jahr etwa zehn Pappteller à je 90 Guetsli als Geschenke vor. Dann sind es ja auch schon wieder 900 weniger.
Von 11'640 Stück. Was passiert mit den restlichen Guetsli?
Wir lagen sie im Keller in grossen Büchsen. Natürlich verteilen wir sie auch, und irgendwann sind sie alle weg.






