Dort helfen, wo es am nötigsten ist
Behinderte und benachteiligte Jugendliche aus den Slums von Neu Delhi (Indien) ins Berufsleben integrieren, dafür setzt sich Asra seit Jahrzehnten ein. Mitbegründer und heute Ehrenpräsident ist Jakob Schmid aus Bonstetten. Die Arbeit der Stiftung ist mit Corona noch herausfordernder geworden.
Seit vielen Jahren ist Jakob Schmid mit Indien verbunden. Der heute 84-Jährige arbeitete während Jahrzehnten in der IT-Branche, wo ihn seine Geschäftsbeziehungen mehrfach nach Indien führten. In Neu Delhi lernte er Vandana Mishra kennen, die Gründerin der Hilfsorganisation Asra Trust (Action for Self Reliance and Alternatives), die in einer kleinen Slumgemeinde im Nord-Westen der Stadt Delhi eine Textilhandwerksschule für behinderte Jugendliche aufgebaut hatte. Zusätzlich besorgte die kleine Organisation auch medizinische Versorgung und betrieb Aufklärung über die Rechte von Behinderten. 1998 war Schmid einer der Mitgründer der Asra Stiftung Schweiz, welche die Asra Trust in Indien finanziell unterstützt. Bis 2015 war Schmid auch deren Präsident, heute ist er als Ehrenpräsident immer noch für die Zewo-zertifizierte Stiftung aktiv tätig.
Gnadenlose Epidemie
Asra ist mit ihrem Engagement dort tätig, wo Hilfe am nötigsten ist, in den Slums von Neu Delhi. Rund die Hälfte der Bevölkerung in Indiens Hauptstadt, 7,5 Millionen Menschen, lebt in Slums oder slumartigen Gebieten. An die sieben Prozent von ihnen sind Behinderte. Um Behinderte und Benachteiligte ins Berufsleben zu integrieren, bietet ihnen Asra eine Berufsausbildung an. Frauen werden im Schneidern und Kunsthandwerk ausgebildet, auch als Coiffeusen und Hennakünstlerinnen (Verschönerung der Haut). Männer werden mehrheitlich in der Reparatur von Mobiltelefonen ausgebildet sowie an Computern. Kinder werden befähigt, staatliche Schulen zu besuchen. Dazu dienen eigene Asra-Klassen, welche Lesen und Schreiben vermitteln. Mit Nachhilfeunterricht wird sichergestellt, dass die Kinder in der Schule bleiben können. Die über 100 Mitarbeitenden von Asra, alles Inderinnen und Inder, vermitteln neben Ausbildung und Arbeit auch medizinische Betreuung. Bei körperlich und geistig Behinderten werden notwendige ärztliche Abklärungen vorgenommen, wo nötig Spitaleinweisungen in die Wege geleitet und körperlich Behinderte in therapeutische Behandlungen gegeben.
Die Tätigkeit von Asra ist mit Corona nicht einfacher geworden. «Die Covid-19-Epidemie schlägt in Indien gnadenlos zu», sagt Jakob Schmid. Die arme Bevölkerung sei gleich doppelt betroffen. Aufgrund der engen Wohnverhältnisse kann sie sich kaum vor Ansteckungen schützen, und die medizinische Betreuung sei für sie quasi inexistent. Und sehr viele der meist als Taglöhner tätigen Ernährer von Familien stehen ohne Einkommen da. Schülerinnen und Schüler können derzeit nicht mehr die Schule besuchen. «Aufgrund des strengen Lockdowns in Indien mussten wir unsere gesamten Ausbildungs- und Unterstützungsaktivitäten innert kürzester Frist auf ein digitales Angebot umstellen», so Schmid. Immerhin: Da Asra auf Computerausbildung in den Slums von Neu Delhi «spezialisiert» ist, stehen genügend Computer zur Verfügung, die den Schülerinnen und Schülern ausgeliehen werden können.
Wegen Corona hat Asra nun auch begonnen, gemeinsam mit der Schweizer Botschaft, Essenspakete und Schutzmaterial an diejenigen Familien zu verteilen, welche wirtschaftlich durch die Pandemie in ihrer Existenz bedroht sind.
www.asra.ch.






