Drei Frauen übernehmen die Spitze
Der Vereinspräsident Thomas Artho trat zurück, doch die Suche nach einer Nachfolge blieb erfolglos. Deshalb griff das Familienzentrum Bezirk Affoltern zu einem Kniff: An der Online- Mitgliederversammlung vom Freitag änderte es seine Statuten. Die Führung übernehmen nun drei Frauen.
Der vergangene Freitag markierte in der Geschichte des Familienzentrums eine Zäsur. Einen Präsidenten wird es im Verein in absehbarer Zukunft nämlich nicht mehr geben. Eine Präsidentin ebenfalls nicht – die 18 anwesenden Mitglieder schafften das Amt mit einer Statutenänderung per sofort ab.
Freiwillige zu finden, die sich für eine Sache engagieren – alleine das ist heute schwierig. Aber eine Person, die bereit ist, die Hauptlast der Arbeit zu tragen? Praktisch unmöglich. Diese Erfahrung machte zumindest das Familienzentrum in den vergangenen Jahren. Thomas Artho hatte das Präsidentenamt an der Mitgliederversammlung im Frühling 2018 übernommen. Zuvor hatte er sich bereits vier Jahre im Vorstand engagiert. Nun, drei Jahre später, ist er der Einzige, der von der damaligen Truppe noch übrig ist. Und auch er hatte an der Online-Versammlung am Freitag seinen letzten Einsatz: Er trat als Präsident zurück.
Im Wissen darum, dass mit Susanne Treichler ein weiteres Vorstandsmitglied an der Versammlung zurücktreten würde, hatte das Team in den vergangenen Monaten nach Ersatz gesucht. Dabei konnte nur eine der beiden Vakanzen besetzt werden: Maribell Lehmann stellten sich für den Vorstand zur Verfügung, für das Präsidentenamt fand sich jedoch niemand. Die beiden anderen Vorstandsmitglieder, Vanessa Windhausen und Nicole Stolze, waren zwar bereit zur Wiederwahl, doch das Präsidentinnenamt kam auch für sie nicht infrage: Die Anzahl der Verpflichtungen und die zeitliche Belastung war ihnen zu gross. Die drei Frauen waren sich deshalb einig, dass es eine Änderung brauchte, um die Geschicke des Vereins gemeinsam zu stemmen.
Nun verlangten die bis dato gültigen Vereinsstatuten explizit nach einem Präsidenten oder einer Präsidentin. Das Zivilgesetzbuch schreibt dies jedoch nicht vor. Deshalb stimmten die von den rund 250 Mitgliedern 18 Anwesenden zuerst über eine Statutenrevision ab, ehe sie den neuen Vorstand wählten. Die Änderungen wurden einstimmig gutgeheissen. Im Anschluss wurde Maribell Lehmann in den Vorstand gewählt, und die bereits bestehenden Mitglieder, Vanessa Windhausen und Nicole Stolze, wurden in ihrem Amt bestätigt. Auch der Revisor, Thomas Ronner, wurde für zwei weitere Jahre gewählt.
Tiefer Verlust durch Sparmassnahmen
Ein grosses Thema dürfte für das neue Dreiergespann in den kommenden Jahren die Finanzierung bleiben. Im Jahr 2017 war die Unterstützung durch die Fachstelle für Integration weggefallen, und auch der Beitrag vom Amt für Jugend und Berufsberatung wurde 2019 zum letzten Mal ausbezahlt. Neu richtet der Kanton seine Zuschüsse nicht mehr direkt an die Erbringer, sondern an die Gemeinden aus.
Zwölf von vierzehn Bezirksgemeinden unterstützen das Familienzentrum derzeit in unterschiedlicher Form. Meist werden die Gelder jährlich neu gesprochen. Anders ist das bei Affoltern und Aeugst: Diese Gemeinden haben mit dem Familienzentrum eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen. In Zukunft möchte das Familienzentrum dieses Finanzierungsmodell gerne auf weitere Gemeinden ausweiten. Durch die fix zugesprochene Summe kann der Verein seine Einnahmen besser kalkulieren, im Gegenzug wird das Angebot noch stärker auf die Bedürfnisse der Vertragspartner ausgerichtet. Ergänzend zur Unterstützung durch die Gemeinden will das Familienzentrum in Zukunft weitere Möglichkeiten zur Finanzierung seines Angebots prüfen, wie an der Versammlung ausge-führt wurde. Schwarmfinanzierungen (Crowdfunding) oder Sponsorings wären denkbar.
Die Jahresrechnung 2020 fällt trotz Corona-Turbulenzen verhältnismässig solid aus: Zwar fiel ein grosser Teil an Einnahmen weg, doch konnten insgesamt 51000 Franken Betriebsaufwand eingespart werden, was den Verlust auf 9923 Franken reduzierte. Für das laufende Jahr rechnet das Familienzentrum mit einem Verlust von 35754 Franken.
Neue Co-Betriebsleiterin
Trotz der schwierigen Umstände im vergangenen Jahr wusste Betriebsleiterin Michelle Furter auch viel Erfreuliches zu berichten. So seien über 100 Kurse angeboten worden. Auch das Betreuungsangebot werde rege genutzt: Die Gartenspielgruppe war innert kürzester Zeit ausgebucht. Im Dezember konnte ausserdem noch eine Vakanz neu besetzt werden: Nicole Boller stiess hinzu, sie teilt sich mit Michelle Furter ein 80-Prozent-Pensum. Ebenfalls neu im Betriebsleiterinnen-Team ist Anita Camenisch. Sie führt die Finanzen mit 20 Stellenprozenten. In der Kinderhüeti – auch diese unter neuer Leitung – wurde die Zeit während des Shutdown genutzt, um die Räume umzugestalten. Und nicht zuletzt feiert das Familienzentrum dieses Jahr sein 25-Jahr-Jubiläum. Coronabedingt ist derzeit jedoch keine Feier geplant.








