Ein Grossprojekt nach dem anderen

Gemeindeporträt Obfelden: Baukräne an allen Ecken und umkämpfte Plätze im Gemeinderat

Gemeindepräsident Stephan Hinners vor dem Obfelder Gemeindehaus und der Dorfstrasse, welche in den nächsten Jahren verkehrsberuhigt und neu gestaltet werden soll. (Bilder Dominik Stierli)

Gemeindepräsident Stephan Hinners vor dem Obfelder Gemeindehaus und der Dorfstrasse, welche in den nächsten Jahren verkehrsberuhigt und neu gestaltet werden soll. (Bilder Dominik Stierli)

Der Autobahnzubringer Obfelden/Ottenbach wurde im Juni 2023 von Vertretern vom Astra, dem Kanton und der beiden Gemeinden eröffnet.

Der Autobahnzubringer Obfelden/Ottenbach wurde im Juni 2023 von Vertretern vom Astra, dem Kanton und der beiden Gemeinden eröffnet.

Der im Oktober 2024 fertiggestellte Postarealplatz, unterdessen mit Sitzmöglichkeiten und Imbissstand. Eine weitere Überbauung soll dahinter entstehen.

Der im Oktober 2024 fertiggestellte Postarealplatz, unterdessen mit Sitzmöglichkeiten und Imbissstand. Eine weitere Überbauung soll dahinter entstehen.

ChatGPT beschreibt Obfelden als «eingebettet in eine grüne Landschaft zwischen Reuss und Lindenberg und ist dennoch schnell mit Zürich und Zug verbunden». Damit hat der Dienst für einmal nicht unrecht. Von Obfelden aus lässt sich die Stadt Zürich, aber auch Zug oder Luzern innert kurzer Zeit erreichen. Dazu kommen das Naherholungsgebiet an der Reuss und eine Waldfläche von gut 20 Prozent des Gemeindegebietes. Obfelden wird von fast 6000 Einwohnerinnen und Einwohnern bevölkert und ist damit, gemäss den verfügbaren Zahlen per Ende 2024, die nach Einwohnerzahlen zweitgrösste Gemeinde im Bezirk. Mit dem Goldschatz von Lunnern, welcher im Landesmuseum ausgestellt ist, geht die Geschichte des Dorfes eigentlich bis in die Römerzeit zurück. Allerdings ist die Gemeinde mit Gründung 1847 die jüngste Gemeinde im Bezirk Affoltern.

Zahlreiche Grossprojekte

Die vergangenen Jahre waren geprägt von zahlreichen, grossen Projekten. Im Juni 2023 eröffnete mit dem Autobahnzubringer A4 Obfelden/Ottenbach die langerwartete Umfahrungsmöglichkeit. Die Verkehrsströme durchs Dorf sind damit zurückgegangen. Die Neugestaltung der Dorfstrasse, welche den Verkehr noch stärker umlagern sollte, verzögert sich allerdings. Nach zahlreichen Einsprachen, Mängeln am Projekt und dem Wechsel des Planerbüros muss dieses nochmals neu aufgelegt werden.

Abgeschlossen werden konnte die Gesamtrevision der kommunalen Richtplanung und auch die Sanierung des Hallenbads Schlossächer. Dieses wurde im Januar 2025 neu eröffnet.

In der Gemeinde herrscht auch eine rege Bautätigkeit. Eigentlich entdeckt man im Moment von jedem Punkt der Gemeinde mindestens einen Baukran. Im Januar 2025 schrieb der «Anzeiger» in der Bauserie von 238 Wohnungen, welche damals geplant oder im Bau waren. Aktuell dürften es nicht viel weniger sein.

Das Postareal entwickelt sich

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Postareal. Dort entstanden seit 2022 insgesamt drei Gebäude mit 47 Wohnungen, einem Lebensmittelladen und einem Coiffeur. Auf der verbliebenen Fläche, welche der Gemeinde gehört, sieht ein Gestaltungsplan weitere vier Wohnblöcke vor. Zudem plant die Gemeinde dort neben einem öffentlichen Saal auch ein Restaurant. «Der Gemeinderat wird in den nächsten Wochen entscheiden, welche strategische Ausrichtung der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt wird. Das Volk wird entscheiden, ob die Gemeinde selbst baut oder man einen Investor sucht», erklärt Gemeindepräsident Stephan Hinners zum weiteren Vorgehen. Aktuell kläre man die rechtlichen Grundlagen für den Entscheid und dessen Konsequenzen. Dann sei man bereit für die Urnenabstimmung im Laufe des Jahres.

Im Gegensatz dazu wurde der Postarealplatz bei den geplanten Wohnblöcken im Oktober 2024 fertiggestellt. Ausgerüstet mit Infrastruktur für Anlässe, entstand ein Begegnungsplatz für die Bevölkerung, welcher aber noch auf Begegnungen wartet. Ein erster Anlass wurde 2025 durchgeführt, weitere sollten dazu kommen.

Vorreiterrolle in der Digitalisierung

Neben den erwähnten Projekten betont Gemeindeschreiberin Michelle Meier die Digitalisierung als das für sie wichtigste Unterfangen in den vergangenen 2,5 Jahren, in denen sie mit dabei ist. Man werde da intensiv dranbleiben. «Wir wollen bei der Digitalisierung eine Vorreiterrolle einnehmen», sagt sie dazu. So sei man die erste Gemeinde im Bezirk, welche für digitale Langzeitarchivierung bereits einen Auftrag vergeben habe, und sei bei zwei Pilotprojekten bezüglich E-Counting bei Abstimmungen und der Nutzung von KI in der Verwaltung mit dabei.

Was von der Öffentlichkeit ebenfalls nicht direkt wahrgenommen werde, sind die Umstrukturierungen in der Behörde. «Per Anfang Jahr erfolgten diese auf operativer, per Amtsantritt der Gemeinderäte Anfang Juli dann auch auf strategischer Ebene.» Damit wurden und werden die Zuständigkeiten innerhalb der Verwaltung angepasst und optimiert. Stephan Hinners ergänzt, dass man jetzt in einer Vorphase sei. «Nach fünf Monaten werden wir die neuen Strukturen prüfen und, falls nötig, feinjustieren», sagt er.

Neue Abwasserreinigungsanlage

Projektmässig beschäftigt die Gemeinde auch der Anschluss an die Abwasserreinigungsanlage Reuss-Schachen im aargauischen Merenschwand und deren Ausbau. Dort warte man gemäss Hinners im Moment auf die Baubewilligung. Dazu kommen geplante Schulraum-Ausbauten und die Erweiterung der Mehrzweckhalle Zendenfrei. «Überall sind wir auf gutem Weg», sagt Stephan Hinners und ergänzt, dass oft jahrelang im Hintergrund gearbeitet wird, was aber für die Bevölkerung nicht sichtbar sei.

Bereits gebaut wurde in der Deponie Tambrig. Dort entstand Anfang 2024 eine riesige Entsorgungshalle, welche mit über 5000 Photovoltaikmodulen bestückt wurde. Mit der Deponie hat der Kanton Zürich noch grosse Pläne. Diese soll gemäss neuem Richtplan-Eintrag von heute 2,5 Mio. Kubikmeter Volumen auf sechs Mio. Kubikmeter ausgebaut werden.

Was macht Obfelden aus?

Auf die nicht ganz einfache Frage, was Obfelden ausmache, meint Hinners: «Ich bin immer wieder erfreut, wie viele im Dorf mitmachen, wenn man etwas anpacken will.» Bei bald 6000 Einwohnenden kenne man nicht mehr jede und jeden, aber die Hilfsbereitschaft sei «extrem gross».

Auch Michelle Meier bekräftigt diesen Eindruck. Auch wenn selbst nicht in der Gemeinde wohnhaft, spüre sie hier einen Dorfgeist, einen Zusammenhalt, welcher für sie nicht selbstverständlich sei. «Ich bekomme auch eine Wertschätzung für meine Arbeit», sagt sie und erwähnt auch den erstmals durchgeführten Neujahrsbrunch, bei dem man die Vereine schnell im Boot hatte und so alle mithalfen.

Die Gemeinde trifft sich seit vergangenem Jahr auch mehrmals mit den Vereinen im Dorf. Eine Umfrage habe gemäss Hinners ergeben, dass die Dorfvereine und angrenzende Regionalvereine mit Obfelder Beteiligung gut 1200 Mitglieder haben, was ein erfolgreiches Vereinsleben widerspiegelt.

Umkämpfte Sitze bei den Wahlen

Trotz oder auch wegen der vielen Herausforderungen herrscht in Obfelden kein Mangel an Kandidierenden. Da Finanzvorsteher Christoph Kobel nach 24 Amtsjahren und Primarschulpräsident Markus Gysel nicht mehr antreten, sind im Gemeinderat zwei Sitze frei. Für das Primarschulpräsidium tritt mit Antonio Ricciardi nur eine Person an, für den verbliebenen Sitz im Gemeinderat mit Philipp Schwendimann und Yves Dietre gleich zwei Personen.

Und auch um das Präsidium entbrannte ein Wahlkampf. Stephan Hinners strebt seine nächste Amtszeit als Präsident an, wird aber aus den eigenen Reihen konkurrenziert. Die momentan als Tiefbauvorsteherin amtende Diana Caruso möchte Hinners ablösen.

Wer das Präsidium von Gemeinde oder Primarschule übernehmen will, muss vom Wahlprozedere her zuerst als Gemeinderat genügend Stimmen erhalten. Auf dem Wahlzettel kann dann zusätzlich jeweils ein Name fürs Gemeindepräsidium und das Primarschulpräsidium notiert werden. Dabei gewinnt die Person, welche mehr Stimmen erhält und auch das absolute Mehr erreicht.

Gemeindeschreiberin Michelle Meier erklärt, dass in Obfelden gemäss Gemeindeordnung der Schulpflegepräsident auch als Gemeinderat gewählt werden muss und dann von Amtes wegen Einsitz in die Schulpflege der Primarschule nimmt. In allen anderen Gemeinden, abgesehen von Affoltern, wird man in die Schulpflege gewählt und wird dann als Schulpräsident Mitglied im Gemeinderat.

In die Schulpflege möchten gleich sieben Kandidierende, zwei Bisherige und fünf Neue, Einsitz nehmen und bewerben sich um die vier Plätze. Zwei Mitglieder der Schulpflege stellten sich nicht mehr zur Wiederwahl. Auch für die Rechnungsprüfungskommissionen treten drei Mitglieder inklusive Präsident Ralph Kleiner nicht mehr an. Auch für diese Kommission treten mehr Kandidierende an, als Sitze verfügbar sind, womit es zur Wahl kommt.

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