Ein konservativer liberaler Föderalist im Bundesrat

Denkmäler im Bezirk Affoltern (3): Das Jakob-Dubs-Denkmal

Fünfzig Meter voneinander entfernt stehen in Affoltern zwei Obelisken. Innerhalb von vier Jahren wurden beide als Denkmal geschaffen: 1876 das Freiheitsdenkmal, das an den Bockenkrieg erinnert (siehe 2. Artikel dieser Serie), 1880 auf dem Uetliberg das Jakob-Dubs-Denkmal zu Ehren des in Affoltern geborenen Bundesrats, das 2002 an seinen heutigen Standort auf den Platz beim Kreisel zwischen der oberen und der unteren Bahnhofstrasse verschoben wurde.

Ein Kind des Liberalismus

Jakob Dubs wurde 1822 in Affoltern geboren, kurz vor der liberalen Wende im Kanton Zürich im Anschluss an den Ustertag von 1830, einer gewaltfreien Revolution, die zur Gleichstellung von Stadt und Land führte. Jakob, sein Vater, war ein recht wohlhabender Metzger, Posthalter und Wirt, seine Mutter, Anna Barbara Näf (1798–1856), war die Tochter des Untervogts Johannes Näf in Heisch.

Jakob Dubs kämpfte 1847 im Sonderbundskrieg für die Gründung des Bundesstaates Schweiz, welche die konservativen Kantone militärisch zu verhindern suchten. Anschliessend wurde er, als 25-Jähriger, in den Zürcher Kantonsrat gewählt. Beruflich arbeitete er als Redaktor unter anderem beim «Landboten». Unterstützt vom wegweisenden Zürcher Unternehmer und Politiker Alfred Escher (1819–1882) wurde er als Liberaler 1849 Zürcher Staatsanwalt und gleichzeitig in den Nationalrat gewählt, den er 1854 präsidierte. In diesem Jahr wählten ihn die Zürcher Stimmbürger in den Ständerat, zu dessen Präsident er zwei Jahre später aufrückte. Gleichzeitig wurde er 1854 dank der Unterstützung durch Alfred Escher in den Zürcher Regierungsrat gewählt. Als Erziehungsdirektor schuf er das Schulgesetz von 1859, das namentlich die Schulpflicht für alle Knaben und Mädchen bis zum 16. Altersjahr einführte.

Bekämpft eigene Verfassungsrevision

Am 30. Juli 1861 erfolgte die Wahl von Jakob Dubs in den Bundesrat. Er galt als der starke Mann in diesem Gremium, bis er 1865 die erste Revision der Bundesverfassung initiierte. Mit seinen föderalistischen Ideen unterlag er den Zentralisten in Bundesrat und Parlament, worauf er 1872 aus dem Bundesrat zurücktrat und die Revision gemeinsam mit welschen Föderalisten und katholisch-konservativen Kreisen zu Fall brachte. Dieses Engagement führte zum Bruch mit Alfred Escher, worauf sein anschliessender Versuch, als Zürcher Vertreter in den Nationalrat zurückzukehren, scheiterte. Demgegenüber war sein anschliessender Versuch, einen Nationalratssitz im Waadtland zu erlangen, von Erfolg gekrönt. 1875 wurde er zudem vollamtlicher Bundesrichter in Lausanne.

Jakob Dubs hatte Glück, dass er erst in liberaler Zeit seine Ausbildung genoss. Zuvor war es jungen Männern aus der Landschaft nicht erlaubt, eine Maturitätsschule zu besuchen – wofür junge Frauen damals selbst in der Stadt nicht zugelassen waren. Auch wenn der Zugang zu Bildung für Frauen stark erschwert war, konnte ihre Bedeutung als Mutter für die Bildung der Söhne hoch sein, wie das Beispiel von Jakob Dubs zeigt.

Seine Mutter als «Lichtgestalt»

Von Anna Barbara Dubs-Näf sind zahlreiche Briefe aus ihren letzten Lebensjahren an ihre Cousine Anna Barbara Baumann-Näf erhalten. Ein häufiges Thema sind Fragen der Gesundheit, sei es ihr offenes Bein, sei es der Zustand ihres Sohnes, der zur Zeit dieses Briefes, im Jahr 1854, im Nationalrat sass: «Unser Jakob ist freilich, trotz dem Bessersein, noch sehr schwach. Er probierte im Nathionalrath einmal zu sprechen, allein, es gieng nicht, denn am folgenden Tag spürte er die Schwäche davon noch. Er ist willens, den folgenden Monat Urlaub zu nehmen und seiner Gesundheit zu pflegen.» Jakob schreibe ihr alle zwei Tage, da er sich sehr um ihre Gesundheit sorge, und habe ihr eine Magd aufgedrängt, damit sie sich schonen könne. Allerdings gehe es ihr gut, besonders nach Kurtagen im Wengibad, verglichen mit ihrer bettlägerigen Cousine. Ihr Mann dagegen, Jakob Dubs senior, sei meistens gesund. Wenn er sich unwohl fühle, sei dies meist selbst verschuldet, wenn er das Trinken wieder einmal nicht habe lassen können.

Die beiden Cousinen namens Anna Barbara konnten recht gut schreiben, was die deutliche Verbesserung der auch für die Mädchen zu Beginn des 19. Jahrhunderts obligatorischen Grundschule gegenüber dem 18. Jahrhundert belegt. Anna Barbara Dubs-Näf war es auch, die ihren Sohn Jakob unterstützte, damit er gegen den Willen des Vaters das Gymnasium besuchen und anschliessend Recht studieren konnte. Der Vater hätte einen Beizer als Sohn bevorzugt. Damit schuf die Mutter die Basis für die politische Karriere des Sohnes. Jakob Dubs war sich dessen bewusst, pflegte den Kontakt mit seiner Mutter nicht nur im privaten Rahmen, sondern bezeichnete sie als Bundesrat öffentlich als die «Lichtgestalt meines Lebens».

Jakob Dubs war eine eigenständige Persönlichkeit. Er liess sich in kein Schema pressen, war als Liberaler föderalistisch eingestellt und scheute nicht davor zurück, in Sachfragen mit katholisch-konservativen Politikern zusammenzuarbeiten. Treibende Kraft hinter der Schaffung seines Denkmals bereits ein Jahr nach seinem Tod war die GGA, die Gemeinnützige Gesellschaft des Bezirks Affoltern.

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